Ablauf eines Studientages
Allgemeine Informationen:
Die Untersuchungen finden vor- und nachmittags statt und dauern 45 - 60 Minuten pro Teilnehmer. Es werden keine unangenehmen Untersuchungen durchgeführt. Erfahrene Kinderärzte bzw. Kinderärztinnen aus der Ludwig-Maximilians-Universität nehmen die Untersuchungen vor und werden dabei von Studierenden und Doktoranden der Ludwig-Maximilians-Universität unterstützt. Zunächst wird ein Fragebogen auf einem Tablet ausgefüllt. Der Arzt / die Ärztin untersucht anschließend, die Teilnehmer werden gemessen und gewogen. Danach wird der Blutdruck und die Sauerstoffkonzentration im Blut gemessen, die Herzströme mittels eines EKG abgeleitet und eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt. Mit einem modernen Gerät messen wir im Anschluss, wie groß der Anteil von Fett im Körper ist. Zum Abschluss messen wir die Lungenfunktion und machen einen Belastungstest (Treppensteigetest), um die körperliche Fitness beurteilen zu können.
Anhand dieser wichtigen Einzelbausteine kann ein Gesamtprofil sowie daraus resultierend eine Risikoanalyse der Herz-Kreislauf-Gesundheit der Kinder und Jugendlichen erhoben und mögliche angeborene Erkrankungen sicher ausgeschlossen bzw. nachgewiesen werden.
Jeder Teilnehmende erhält einen ausführlichen Bericht mit den erhobenen Daten, der die individuelle Risikoanalyse darstellt. Anhand dieses individuellen Berichts kann dann jeder Schüler und jede Schülerin sehen, wo die Stärken und Schwächen liegen und - falls notwendig - etwas ändern.
Im Falle pathologischer Befunde werden die Familien persönlich durch unsere Studienärzte informiert. Zusätzlich erfolgt nach Anonymisierung der Daten eine wissenschaftliche Auswertung, um eine verlässliche Datengrundlage für die Etablierung einer kardiovaskulären Routinevorsorge für Kinder und Jugendliche zu schaffen.
Durchgeführt werden folgende Untersuchungen:
Das Elektrokardiogramm (EKG) ist eine nicht-invasive Untersuchung, welche die elektrische Aktivität des Herzens aufzeichnet. Bei Kindern kann das EKG eine wichtige Rolle in der Früherkennung von angeborenen und erworbenen Herzkrankheiten sowie Herzrhythmusstörungen spielen, die das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse im späteren Leben erhöhen können.
Als Vorbild kann die "Cardiac Risk in the Young" (CRY) Studie dienen. Diese bietet ein Screening im Rahmen eines EKGs für Menschen zwischen dem Alter von 14 und 35 an. Ziel ist es, das Risiko plötzlicher Herzstillstände und Herzkrankheiten bei jungen Menschen zu reduzieren. Bei einem auffälligen EKG erfolgt nach Anordnung des auswertenden Kardiologen noch eine Echokardiographie.
Die Echokardiographie ist ein nicht-invasives bildgebendes Verfahren, das Ultraschallwellen nutzt, um die Struktur und Funktion des Herzens darzustellen. Diese Methode ermöglicht eine genaue Beurteilung der Herzfunktion, der Herzgröße, der Wandbewegungen, sowie der Klappenfunktion.
Mit der Echokardiographie können angeborene Herzfehler frühzeitig erkannt werden.
Sie ermöglicht die Erkennung von Pathologien, die möglicherweise asymptomatisch sind, sodass frühzeitig therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden können. Zusätzlich kann auch die Herzfunktion gut beurteilt werden, und kann bei Erkrankungen wie z.B. der Myokarditis oder weiterführend der Kardiomyopathie von großer Bedeutung sein.
Durch die Erfassung von Parametern wie linksventrikulärer Funktion und die Wanddicke können Kinder mit erhöhtem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen identifiziert werden.
Es erfolgt die Auswertung eines Fragebogens mit Fragen zu Lifestyle und Risikofaktoren, welche die kardiovaskuläre Gesundheit beeinträchtigen könnten. Zusätzlich wird der Ernährungsscore nach Bonaccorsi et al. 2020 erhoben.
Es ermöglicht eine umfassende Einschätzung des kardiovaskulären Risikoprofils. Durch die systematische Erhebung dieser Daten können potenzielle gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen, wie Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung oder familiäre Vorbelastungen, frühzeitig erkannt werden.
Die Kombination aus objektiven Messungen und subjektiven Angaben ermöglicht eine genauere Risikoabschätzung. Insbesondere bei Kindern ist die frühzeitige Sensibilisierung für gesunde Lebensgewohnheiten durch die Einbindung eines solchen Fragebogens ein wichtiger Schritt, um langfristig kardiovaskuläre Erkrankungen zu verhindern.
Das Vorliegen einer arteriellen Hypertonie bei Kindern und bleibt häufig unerkannt und wird somit auch häufig nicht behandelt.
Studien zeigen, dass Bluthochdruck bereits im Kindes- und Jugendalter auftreten kann und langfristig die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen begünstigt. Früherkennung durch regelmäßige Messungen erlaubt eine zeitnahe Intervention, beispielsweise durch Lebensstiländerungen oder medikamentöse Therapie um die Progression zu verhindern. Das Blutdruckscreening trägt dazu bei, blutdruckrelevante Organschäden frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.
Wir wiegen und messen alle Kinder um bei jedem einzelnen den BMI zu bestimmen.
Der BMI dient zur Einteilung des Körpergewichts im Verhältnis zur Körpergröße und hilft dabei Übergewicht frühzeitig zu erkennen.
Adipositas ist ein weiterer Risikofaktor für die Entwicklung von kardiovaskulären Erkrankungen. Eine frühzeitige Erkennung und damit verbundene mögliche Lebensstilveränderung ist daher sinnvoll und es können Präventionsmaßnahmen rechtzeitig empfohlen werden.
Die Fitness ist bei Kindern und Jugendlichen von großem Interesse, da sie ein unabhängiger Faktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie die Gesamtmortalität ist. Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von cardiopulmonalen Belastungstests besteht die Notwendigkeit für einfach durchführbare und zuverlässige Alternativen zur Bewertung der kardiorespiratorischen Fitness.
Ein solcher Ansatz ist der Treppensteigen-Test. Dieser Test zeigt eine starke Korrelation mit der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max), einem etablierten Parameter für die cardiorespiratorische Fitness.
Es kann einfach und jederzeit durchgeführt werden, wo Stufen vorhanden sind und kann standardisiert durch unser Team ausgewertet werden. Seine kurze Dauer sowie die universelle Anwendbarkeit stellen einen bedeutenden Vorteil dar und ermöglich ein universelles Screening der Fitness bei Kindern und Jugendlichen.
Das Sonnenvitamin D gehört zu den fettlöslichen Vitaminen und ist vor allem wichtig für die Knochen. Es wird nur zu einem geringen Anteil über die Nahrung aufgenommen, der Hauptanteil produziert der Körper selbst über die Haut. Hierfür ist Licht in Form von UVB-Strahlung notwendig. Ein Mangel ergibt sich meist aus zu geringer Sonnenexposition und kann zu Störungen des Knochenwachstums führen.
Mehrere Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und der Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen hin, deshalb ist die Erkennung eines Mangels sehr wichtig, um präventive Maßnahmen zu ermöglichen.
Die Blutfette werden zum einen über die Nahrung aufgenommen und zum anderen vom Körper gebildet. Cholesterin wird z.B. für die Bildung von Hormonen wie Östrogen, Testosteron und Gallensäure benötigt. Man unterteilt es in HDL und LDL.
Während des HDL eine protektive Wirkung zugeschrieben wird, sind erhöhte Werte des LDL Cholesterins mit einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose verbunden. Triglyceride dienen dem Körper als Energielieferanten. Sie können am besten in einer Nüchtern-Blutprobe bestimmt werden.
Eine Erhöhung der Blutfette kann entweder primär durch einen angeborenen Stoffwechseldefekt oder sekundär durch Übergewicht oder Medikamenteneinnahme bedingt sein. Erhöhte Cholesterinwerte können bereits im Kindesalter zu Endothelschädigung führen und erhöhen somit das kardiovaskuläre Risiko. Frühe Interventionen bei abnormalen Cholesterinwerten können somit die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen im Erwachsenenalter signifikant verbessern.
Die Untersuchung der Cholesterinwerte läuft bereits ebenfalls über eine Studie „VRONI“. Es bietet im Alter von 5-14 Jahren ein Screening auf familiäre Hypercholesterinämie an.
Beim Lipoprotein A handelt es sich um ein „Taxi“ das Fette über die Blutbahn zum Zielort befördert. Bei einem hohen Wert kann zum frühen Auftreten von Gefäßablagerungen kommen und somit auch zu Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei erhöhten Werten sollten regelmäßige Untersuchungen des Herzkreislaufsystems erfolgen.
Wie sich erhöhte Lipoprotein(a)-Werte bereits im Kindesalter auf das kardiovaskuläre Risiko auswirken, ist bislang noch unzureichend untersucht. Im Erwachsenenalter wird das Apolipoprotein A bereits als eigener Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen gewertet
Diabetes mellitus stellt ebenfalls einen wesentlichen Risikofaktor für die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen dar. Dazu gehören sowohl die fehlende Insulinsekretion (Diabetes I) und auch die gestörte Insulinwirkung (Diabetes II).
Zu den diagnostischen Kriterien gehören der Nüchternblutzucker, der Langzeitzucker (HbA1c) und der orale Glucosetoleranztest. Bei unseren Untersuchungen werden die ersteren 2 durchgeführt.
Das proBNP (pro-BNP) ein sensibler Biomarker für Herzbelastung und Herzinsuffizienz. Ziel ist es, mögliche Herzbelastungen frühzeitig zu identifizieren, um dann präventive Maßnahmen ergreifen zu können. Für Kinder gibt es standardisierte altersbedingte Werte (z-scores).
Auch im Fall einer eingeschränkten Nierenfunktion kann dieser Wert erhöht sein.
- Detaillierter Fragebogen (Lifestyle, Ernährungsscore nach Bonaccorsi et al. 2020 und Risikofaktoren)
- Gründliche körperliche Untersuchung
- Biometrische Daten (Übergewicht? Waist-hip-ratio)
- Bestimmung des Körperfettanteils
- Blutdruckmessung und Sauerstoffkonzentration
- EKG mit mobilem Gerät
- Echokardiographie mit Handheld Ultraschall
- Standardisierter Belastungstest (durch unsere Abteilung in Studien evaluierter Treppensteigtest, Mall et al. 2024)
- Lungenfunktionsdiagnostik mit Peak-Flow-Meter
- Messen der Körperkraft durch Handgrip, Referenzwerte nach Ortega et al. 2023