News | 23.09.2026

Gedruckt, getestet, geheilt

3D-Drucker erzeugt lebensechte Gewebe und Herzmodelle
Die Herzchirurgen am LMU Klinikum sind in Sachen individualisierter Medizin gut aufgestellt. Ob Herzklappen oder Prothesen für den Aortenbogen – bevor diese in einem Patienten ihre lebenserhaltende Aufgabe übernehmen, kann deren Funktion getestet und geprüft werden. Maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt ist Klaus Zeeh, ein ehemaliger Patient und heutiger Großspender. Zu dessen Ehren stellten LMU Mediziner und Ingenieure die dazu verfügbare Technologie und deren Möglichkeiten im „Interfaculty Center for Endocrine and Cardiovascular Disease Network Modelling and Clinical Transfer“ (ICON) vor.
Bis zu 14 Mikrometer dünne Schichten kann der neue Multimaterial-3D-Drucker im ICON drucken. Um einzelne Teile besser unterscheiden bzw. erkennen zu können, kann auch farbig gedruckt werden.

Ein Mittwochabend im ICON, dem neuen Zentrum zur Erforschung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen am Campus Großhadern. Eine illustre Runde trifft sich, um den ehemaligen Patienten Klaus Zeeh, 90 Jahre, zu ehren. Zeeh hat vor etlichen Jahren eine Mitralklappen-OP im LMU Klinikum gut überstanden. Jetzt sitzt er im Publikum und lauscht der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CSU im Bayerischen Landtag, Tanja Schorer-Dremel, dem Ärztlichen Direktor des LMU Klinikums, Prof. Markus M. Lerch, dem Vorsitzenden des Fördervereins der Herzchirurgischen Klinik, Dr. Manfred Prymusala, den Herzchirurgen Prof. Christian Hagl und Dr. Linda Grefen, sowie den Kardiologen PD Dr. Sebastian Clauß und Dr. Jakob Sandmeyer und dem Ingenieur Christopher Herz. Es geht darum, was Klaus Zeeh nach seiner erfolgreichen Operation und Genesung ausgelöst hat.

Eine Million für die Zukunft

„Ich bin zu Prof. Hagl und habe gesagt, ich würde Euch gerne unterstützen“, erzählt der ehemalige Unternehmer. „Was könnten Sie denn so gebrauchen?“ So beginnt Zeehs Geschichte. Die Gegenfrage des Herzchirurgen lautete, wie denn die Unterstützung aussehen könnte? „Eine Million Euro“, antwortete Zeeh, worauf der Klinikdirektor „schier in Ohnmacht gefallen und sprachlos gewesen sei“. Schon kurz darauf sind Spender, Ärzte und Förderverein allerdings in die Planung eingestiegen, haben Perspektiven und Projekte besprochen. Herausgekommen ist der Kauf eines hochmodernen Multimaterial-3D-Druckers, dem Stratasys J850 Digital Anatomy Drucker.

3D-Drucker erzeugt lebensechte Herzmodelle

Die AG Tissue Engineering und kardiovaskuläre Medizintechnik der Herzchirurgischen Klinik von Dr. Grefen und Laborleiter Herz arbeitet als interdisziplinäre Forschungsgruppe mit der Radiologie, Gefäßchirurgie, Viszeralchirurgie, Kinderherzchirurgie, Kardiologie und dem Max von Pettenkofer-Institut zusammen. Es geht beispielsweise um medizinische Modelle zur prä-operativen Planung. Dabei ist es möglich, biomechanische Eigenschaften von menschlichem Gewebe und von Blutgefäßen nachzuahmen – letztlich eine besondere Form der individualisierten Medizin. Darüber hinaus entstehen im 3D-Druck maßgeschneiderte Bauteile für Forschungsaufbauten, Bioreaktoren und medizintechnische Prototypen. Für Anwendungen mit direktem Kontakt zu Blut oder Zellen stehen dabei auch biokompatible und sterilisierbare Materialien zur Verfügung.

Alles auch in Farbe

„Zudem können die Modelle, die wir aus den CT- und MRT-Aufnahmen der Patienten erstellen, auch mit chirurgischem Nahtmaterial genäht werden. Damit haben wir ein sehr realistisches Abbild. Das ist besonders für die Lehre, aber auch die Ausbildung der Assistenzärzte hilfreich“, sagt Dr. Linda Grefen. „Wir können mit der Polyjet-Technologie bis zu 14 Mikrometer dünne Schichten drucken.“ Hinzu kommt, dass auch farbig gedruckt werden kann, um einzelne Teile besser unterscheiden bzw. erkennen zu können.

Modelle des Aortenbogens können im Vorfeld einer OP dazu beitragen, den Strömungsverlauf des Blutes zu prüfen, um zu sehen, ob das spätere Implantat sicher im Patienten funktioniert. Gleiches gilt für Herzklappen. Bevor man allerdings Menschen behandelt, sind Versuche im Großtiermodell nötig. Hier hat sich insbesondere das Schwein als physiologisch und anatomisch geeignet erwiesen. Deshalb ist das ICON von derart großem Vorteil, bestätigt Prof. Markus M. Lerch: „In diesem Translationsgebäude, das zu je 50 Prozent vom Freistaat Bayern und vom Bund finanziert worden ist, können die notwendigen Untersuchungen vorgenommen werden.“ Tanja Schorer-Dremel, die in Vertretung von CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek an der Veranstaltung teilgenommen hat, sagt: „Im ICON kommen medizinische Spitzenforschung und konkrete Patientenversorgung zusammen.“ Und sie lobt Klaus Zeeh. „Was Sie hier an Zukunft ermöglichen, ist außergewöhnlich.“

So sieht das auch Klinikdirektor Prof. Christian Hagl: „Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, wie intensiv sich Herr Zeeh nach seiner altruistischen Spende mit dem 3D-Druck und der Ultraschallbildgebung auseinandergesetzt hat. In den Gesprächen spürt man sofort die tiefe Weisheit und Lebenserfahrung des Alters, die er mitbringt. Seine Begeisterungsfähigkeit und seine klugen Fragen haben meine jungen Forscher nicht nur motiviert, sondern auch menschlich tief beeindruckt.“