Fach- und Arztinfos
Seit 2021 bieten wir im Hautkrebszentrum am CCC München LMU neben zahlreichen klinischen Studien ein interdisziplinäres Tox-Board und haben ein immunonkologisches Infusionszentrum eröffnet. Damit ist es uns möglich, neben der sicheren Gewährleistung einer leitliniengerechten, individuellen Patienten-Behandlung in besonderem Maße auch an der Entwicklung neuer Therapien und diagnostischer Verfahren mitzuwirken.
Aktuelle Projekte
Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt MelAutim hat das Ziel, die molekularen und zellulären Mechanismen im Zusammenspiel von Krebs und Autoimmunität aufzudecken – insbesondere mit Hinblick auf Faktoren, die bei einer Immuntherapie an der Entstehung oder der Exazerbation bereits bestehender Autoimmunerkrankungen beteiligt sind. Mit Methoden der Systemmedizin soll ein Modell entwickelt werden, das bereits vor Therapiebeginn eine Einschätzung des individuellen Patientenrisikos ermöglicht und somit Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen und Patienten bei der Auswahl der Therapie und des Nachsorgeschemas unterstützt.
Im Hauttumorzentrum der LMU München konzentrieren wir uns insbesondere auf die Sammlung und den Vergleich von Daten von Melanompatientinnen und -patienten sowie von Patientinnen und Patienten mit Autoimmunität, um prädisponierende oder protektive Marker für Autoimmunität bei Krebspatientinnen und -patienten zu identifizieren. Hierfür werden neben klinischen Daten auch Blut, Stuhlproben und Gewebe von Tumorpatientinnen und -patienten unter Immuntherapie mit und ohne Nebenwirkungen ebenso wie von Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen analysiert. Im Rahmen von MelAutim arbeiten wir europaweit und darüber hinaus eng mit verschiedenen Kooperationspartnern zusammen.
SERIO ist ein internationales Online-Register für Nebenwirkungen von Immuntherapien (sog. immune-related adverse events, irAE). Ziel ist insbesondere die Erfassung schwerer, seltener, komplexer und therapierefraktärer autoimmuner Nebenwirkungen sowie von irAE in speziellen Patientengruppen (z. B. Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen oder mit einem Organtransplantat).
Das SERIO Online-Register wird in Kooperation mit dem Paul-Ehrlich-Institut betrieben; in den letzten 13 Jahren wurden mehr als 1832 Fälle von seltenen, komplexen oder sehr schweren Nebenwirkungen aus 27 Zentren in sechs Ländern gesammelt. Es besteht eine Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Dermatoonkologie (ADO) und Nebenwirkungsspezialisten weltweit.
- Ziel der Datenbank ist die Sammlung und Analyse von Patientenfällen zur Verbesserung des Nebenwirkungsmanagments. Das Online-Register finden Sie hier.
- Zu unseren Aufgaben gehört weiterhin die Beratung ärztlicher Kolleginnen und Kollegen zur Diagnose und Therapie komplexer irAE. Wir sind erreichbar unter Tel. +49 (0)89 4400 56154.
- Komplexe Patientenfälle werden in unserem monatlichen interdisziplinären ToxBoard unter Leitung von Prof. Dr. med. Heinzerling (MPH) besprochen und als Case of the Month auf der SERIO-Webseite veröffentlicht.
- Weiterhin ist unser Ziel, Einblicke in die Pathogenese von irAE zu gewinnen und Vorhersagen über irAE treffen zu können. Hierfür führen wir in internationaler Zusammenarbeit verschiedene Forschungsprojekte durch. Eine Übersicht unserer Projekte finden Sie hier.
Die Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren wie anti-programmed death-1 (anti-PD-1), anti-PD-Ligand 1 (anti-PD-L1) und anti-cytotoxic T-lymphocyte antigen-4 (anti-CTLA-4)-Antikörper kann einerseits das Überleben von Tumorpatientinnen und -patienten verlängern. Andererseits induzieren Checkpoint-Inhibitoren durch Aktivierung des Immunsystems bei 86–96 % der Patientinnen und Patienten autoimmune Nebenwirkungen. Bei 17–59 % der Patientinnen und Patienten sind diese schwer oder lebensbedrohlich. Mit dem richtigen Monitoring können diese früh erkannt werden und sind meist gut beherrschbar.
Schwere, seltene, komplexe und therapierefraktäre autoimmune Nebenwirkungen sowie unerwünschte Ereignisse in speziellen Patientengruppen (z. B. Patientinnen und Patienten mit Autoimmunerkrankungen oder mit einem soliden Organtransplantat) erfordern jedoch besondere Aufmerksamkeit. Hier sollte das Nebenwirkungsmanagement durch erfahrene Zentren koordiniert und interdisziplinär besprochen werden.
Das interdisziplinäre ToxBoard der Klinik und Poliklinik für Dermatologie des LMU Klinikums unter Leitung von Prof. Dr. med. Heinzerling findet monatlich statt und bespricht komplexe Patientenfälle und interessante Publikationen. Eindrückliche Patientenfälle werden als „Case of the month“ auf der SERIO-Webseite veröffentlicht (serio-registry.org/case-of-the-month). Die Teilnahme externer KollegInnen, auch zur Vorstellung eigener PatientInnen, ist nach Anmeldung möglich.
Das Board findet einmal monatlich donnerstags von 15-16 Uhr statt.
Ort: Online-Veranstaltung.
Veranstalter: Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU München.
Verantwortliche: Prof. Dr. med. L. Heinzerling, MPH.
Auskunft: toxboard@med.uni-muenchen.de