Herzklappengesundheit auf Tour
Herzklappenerkrankungen entwickeln sich häufig schleichend und können im Verlauf zunehmend die körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Müdigkeit, Atemnot, nachlassende Belastbarkeit oder Brustschmerzen sind erste Warnzeichen. Gerade bei älteren Menschen werden solche Beschwerden häufig als Alterserscheinungen interpretiert. Eine frühzeitige ärztliche Abklärung kann helfen, eine Erkrankung rechtzeitig zu erkennen und geeignete Behandlungsmöglichkeiten zu prüfen.
Wenn eine zweite Behandlung zur Herausforderung wird
Bei Berend Jochem war genau das der Fall. Der heute 81-Jährige litt an Atemnot, war körperlich nicht mehr voll belastbar und wurde 2023 an einem anderen Krankenhaus an der Mitralklappe, also einer von insgesamt vier Herzklappen operiert. Doch die OP war komplex und bereits ein Jahr später verschlechterte sich sein Zustand erneut, die frisch operierte Mitralklappe schloss erneut nicht ausreichend „Ich habe eine Zweitmeinung eingeholt und die Einschätzung war ernüchternd“, erzählt er. Denn eine erneute Operation sei aufgrund des hohen Risikos nicht mehr möglich.
Dann kam er im August 2026 an das LMU Klinikum. Hier wurde sein Fall gemeinsam von Kardiologie und Herzchirurgie beurteilt. Die Spezialisten entschieden sich für einen kathetergestützten Eingriff und setzten einen Clip an der Mitralklappe ein. „Bei einem bereits voroperierten Herzen ist ein solcher Eingriff anspruchsvoll. Denn der Katheter muss sehr präzise durch die bestehende Konstruktion geführt werden“, erklärt Prof. Jörg Hausleiter, stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I.
Prof. Jörg Hausleiter und Patient Berend Jochem
So klein ist der Clip (weiß), der jetzt in Berend Jochems Mitralklappe sitzt
Prof. Jörg Hausleiter und Berend Jochem besprechen den Katheter-Eingriff
Prof. Jörg Hausleiter, im Hintergrund Aufnahmen der Herzklappen
Die Zusammenarbeit zwischen Kardiologie und Herzchirurgie ermöglicht es, für jeden Patienten eine individuelle Lösung zu finden. „Wir haben bei dem Patienten sehr genau abgewogen, welche Möglichkeit für ihn infrage kommt. Unser Ziel war es, eine Behandlung zu finden, die ihm Lebensqualität ermöglicht und das Risiko möglichst geringhält“, sagt Prof. Christian Hagl, Direktor der Herzchirurgischen Klinik und Poliklinik.
Der Eingriff verlief erfolgreich. „Ich durfte schon nach 24 Stunden wieder nach Hause und habe wieder mehr Energie. Das hätte ich gar nicht mehr erwartet, nach den letzten Vorgesprächen, umso erleichterter bin ich jetzt“, sagt Jochem.
FAQ: Edge to edge Mitralklappenreparatur
Die Mitralklappe ist eine der vier Herzklappen. Wenn sie nicht mehr richtig schließt, spricht man von einer Mitralklappeninsuffizienz. Diese ist der zweithäufigste erworbene Herzklappenfehler. Sie kann dazu führen, dass Betroffene im Alltag deutlich weniger belastbar sind und insbesondere bei körperlicher Anstrengung unter Luftnot leiden. Bei einer ausgeprägten Erkrankung kann auch die Lebenserwartung eingeschränkt sein.
Die operative Behandlung der Mitralklappe gilt grundsätzlich als bewährtes Standardverfahren. Neuere Erhebungen zeigen, dass für knapp die Hälfte aller Patientinnen und Patienten eine Operation jedoch mit einem zu hohen Risiko verbunden. Gründe dafür können beispielsweise schwere Begleiterkrankungen, ein hohes Lebensalter oder eine deutlich eingeschränkte Pumpfunktion des Herzens sein.
Für diese Patientinnen und Patienten kann die kathetergestützte Mitralklappenrekonstruktion eine Alternative darstellen, die ohne offene Herzoperation durchgeführt wird. Sie gehört zu den am besten etablierten interventionellen Behandlungsmöglichkeiten bei einer ausgeprägten Mitralklappeninsuffizienz.
Der Eingriff findet in Vollnarkose statt und dauert meist zwei bis fünf Stunden. Über eine Vene in der Leiste wird ein dünner Katheter bis zum Herzen vorgeschoben. Anschließend wird die Vorhofscheidewand punktiert, um Zugang zur Mitralklappe zu erhalten. Über den Katheter wird ein Clip-System vorgeschoben. Mit dem Clip können die Herzklappensegel gezielt gegriffen und einander angenähert werden. Die Lücke, die zuvor für die Schlussunfähigkeit der Mitralklappe verantwortlich war, wird so geschlossen und die Funktionsfähigkeit der Klappe wiederhergestellt.
Herzklappenerkrankungen früh erkennen
Durchschnittlich stirbt in Europa alle zehn Minuten ein Mensch an einer Herzklappenerkrankung. Eine der häufigsten Formen, die schwere Aortenstenose, kann anfangs symptomlos verlaufen und im fortgeschrittenen Stadium lebensbedrohlich werden; bei frühzeitiger Erkennung ist sie jedoch gut mit einem Routineeingriff behandelbar.
Ziel der gemeinsamen Initiative „DIE : ZEIT : LÄUFT“ von TUM Klinikum, LMU Klinikum und Edwards Lifesciences ist es, das Bewusstsein für Herzklappenerkrankungen zu stärken, Warnzeichen frühzeitig erkennbar zu machen und Menschen zu motivieren, bei ersten Symptomen rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Wie kann ich meine Herzgesundheit stärken?
Es gibt fünf Risikofaktoren für die Herzgesundheit: Rauchen, hohes Cholesterin, Bluthochdruck, Diabetes und familiäre Veranlagung.
Zur Prävention hilft es, einen gesunden Lebensstil zu führen, also sich gesund zu ernähren, regelmäßig Sport zu machen und nicht zu rauchen.
Interessierte können die Herzklappen-Busse täglich von 8:30 bis 18:30 Uhr kostenlos und ohne Voranmeldung besuchen:
- 28. bis 31. August: Schloss Nymphenburg
- 28. bis 31. August: Messe München (vor dem Westeingang)
- 28. bis 31. August: Schwabinger Tor (Trambahnhaltestelle)
- ab 29. August: Sendlinger-Tor-Platz