Nachruf zu Prof. Dr. med. Dr. h.c. Peter Christian Scriba
Leben und akademischer Werdegang
Peter Christian Scriba wurde am 19. August 1935 in Hamburg als erster Sohn des Pathologen Prof. Dr. Karl Scriba geboren. Nach dem Abitur 1954 in Hamburg studierte er Medizin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wo er 1959 das Staatsexamen ablegte und seine Promotion mit summa cum laude abschloss.
Im Anschluss an eine Postdoktoranden-Zeit an der Harvard Medical School in Boston (1962/63) begann Scriba seine fachärztliche Ausbildung zum Internisten bei Prof. Gustav Bodechtel an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort wurde er 1966 Oberarzt und habilitierte sich bereits 1967 im Fach Innere Medizin. 1972 erhielt er die außerplanmäßige Professur; 1978 erwarb er zusätzlich die Facharztbezeichnung für Endokrinologie.
Im Jahr 1980 folgte er dem Ruf auf eine C4-Professur an die Medizinische Universität zu Lübeck, deren Direktor der Klinik für Innere Medizin er wurde. Von 1987 bis 1989 war er zudem Rektor dieser Universität. 1990 kehrte er an die LMU München zurück: Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2000 leitete er als Lehrstuhlinhaber die Medizinische Klinik Innenstadt und war von 1991 bis 1999 Ärztlicher Direktor des Klinikums Innenstadt.
Wissenschaftliches Werk
Die Schwerpunkte von Prof. Scribas wissenschaftlicher Tätigkeit lagen in der Erforschung endokrinologischer Erkrankungen, der Entwicklung von Methoden zur Bestimmung von Hormonen sowie der Aufklärung hormoneller Wirkungsmechanismen. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, die Laboratoriumsdiagnostik endokriner Erkrankungen in Deutschland zu etablieren.
Besonders am Herzen lag ihm die Prävention von Jodmangelerkrankungen. Als Gründungsmitglied und langjähriger Sprecher des Arbeitskreises Jodmangel (gegründet 1984) setzte er sich erfolgreich dafür ein, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz von Jodsalz in Haushalten, der Nahrungsmittelindustrie und Großküchen zu verbessern. Die Jodversorgung der deutschen Bevölkerung wurde nicht zuletzt durch sein Engagement signifikant verbessert und die Häufigkeit von Jodmangelerkrankungen nachhaltig gesenkt. Er hat mehr als 800 Publikationen, Abstracts und Buchbeiträge veröffentlicht.
Wissenschaftspolitik und Gremienarbeit
Über seine klinische und wissenschaftliche Tätigkeit hinaus prägte Prof. Scriba die Gesundheitspolitik und das Wissenschaftssystem Deutschlands. Er war von 1984 bis 1987 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie und hatte 1994/95 den Vorsitz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin inne. Als Mitglied des Wissenschaftsrates – ab 1987 als Vorsitzender des Medizinausschusses – war er maßgeblich an der Umstrukturierung der ostdeutschen Universitätskliniken nach der Wiedervereinigung beteiligt.
Von 1990 bis 1994 engagierte er sich als Mitglied und Vorsitzender des Gesundheitsforschungsrates des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Seit 1995 war er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer, dessen Vorsitz er von 2002 bis Ende 2022 führte. Scriba war zudem Präsident der Stiftung Initiative Qualitätsmedizin (IQM), in der sich Krankenhäuser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz für mehr medizinische Qualität bei der Behandlung ihrer Patienten engagieren – so auch das LMU Klinikum. Peter Scriba war Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.
Ehrungen und Auszeichnungen
Die außergewöhnliche Lebensleistung von Prof. Scriba wurde durch zahlreiche Ehrungen gewürdigt. Er erhielt u.a. das Verdienstkreuz 1. Klasse (1992) sowie das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2002), den Bayerischen Verdienstorden (1998), die Berthold-Medaille (1992) und die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (2004), die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (2001), die Ludwig-Heilmeyer-Medaille in Gold (2002) sowie die Gustav-von-Bergmann-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (2008). Die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft, die Paracelsus-Medaille der Bundesärztekammer, wurde ihm im Jahr 2015 verliehen.
Abschied und Dank
„Das LMU Klinikum verliert mit Peter Scriba einen Arzt und Wissenschaftler, der klinische Exzellenz, wissenschaftliche Neugier, pädagogisches Talent und gesundheitspolitische Weitsicht in sich vereinte“, sagt Prof. Dr. Markus M. Lerch, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des LMU Klinikums. „Sein Lebenswerk hat die medizinische Versorgung von Millionen von Menschen in Deutschland verbessert.“
„Wir haben einen hochgeschätzten Kollegen, lieben Freund, geachteten Kliniker, beliebten akademischen Lehrer und angesehenen Forscher verloren“ ergänzt Prof. Dr. Thomas Gudermann, Dekan der Medizinischen Fakultät der LMU. „Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.“
„Generationen von Studierenden, Ärztinnen und Ärzten sowie Kolleginnen und Kollegen verdanken ihm Wissen, Inspiration und menschliche Orientierung“, bestätigt Prof. Dr. Nicole Reisch-Pawlu, Klinikdirektorin (komm.) der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV. „Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Familie.“