Die Leopoldina würdigt damit die wissenschaftlichen Leistungen Gensichens in der Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die hausärztliche Versorgung chronisch kranker und multimorbider Patientinnen und Patienten. „Mit dieser Aufnahme unterstreicht die Leopoldina die große wissenschaftliche Breite in der Medizin“, sagt Prof. Dr. Jochen Gensichen über die Auszeichnung.
Gensichen leitet seit 2016 das Institut für Allgemeinmedizin am LMU Klinikum. Zuvor war er von 2008 bis 2016 Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Jena. Seine akademische und klinische Laufbahn verbindet Medizin, Public Health und Pädagogik: Nach Studien in Erziehungswissenschaften und Humanmedizin sowie Gesundheitswissenschaften/Public Health arbeitete er in der hausärztlichen Versorgung und in der allgemeinmedizinischen Forschung. Seit 2013 ist er geschäftsführender Vorstand der Stiftung Allgemeinmedizin.
Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem die Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen, Multimorbidität sowie psychischer Gesundheit in der Primärversorgung. Seit 2021 ist er Sprecher des DFG-Graduiertenkollegs „POKAL – Prädiktoren und klinische Ergebnisse bei depressiven Erkrankungen in der hausärztlichen Versorgung“.
Charakteristisch für die Forschung von Jochen Gensichen ist die enge Verbindung zur Praxis. Aus klinisch-epidemiologischen Beobachtungen, Interventionsstudien und gesundheitsökonomischen Analysen entwickelt er Modelle, die sich unmittelbar in den hausärztlichen Alltag übertragen lassen. Zentral ist dabei das Konzept der „collaborative care“, die eine hausärztlicher Betreuung mit fachärztlichen, psychotherapeutischen und pflegerischen Kompetenzen verzahnt. Die Wirksamkeit dieses Ansatzes überprüft Jochen Gensichen in methodisch anspruchsvollen Studien, so beispielsweise mit der PICTURE-Studie, die eine Kurzform der Narrativen Expositions Therapie bei posttraumatischen Belastungssymptomen nach Intensivbehandlung untersuchte.