Forschende, darunter die Co-Erstautorin Dr. med. Laura Olbrich, DPhil, vom Institut für Infektions- und Tropenmedizin am LMU Klinikum, untersuchten diesen Zusammenhang eingehender. In ihrer im Fachmagazin The Lancet Global Health veröffentlichten narrativen Übersichtsarbeit diskutieren sie die vorhandene Forschung zu CHEU, um besser zu verstehen, wie sich Tuberkulose auf diese Kinder auswirkt und um bestehende Lücken für künftige Forschung und Präventionsmaßnahmen aufzuzeigen.
Hierfür nutzten die Autorinnen und Autoren eine iterative Suchstrategie, bei der sie schrittweise Literatur suchten und ihre Suche kontinuierlich verfeinerten. Dabei überprüften und passten sie wiederholt Suchbegriffe und -ergebnisse an, um zentrale Studien und Erkenntnisse zur Tuberkulose bei Kindern zu identifizieren: Jährlich infizieren sich schätzungsweise 7,5 Millionen Kinder mit Mycobacterium tuberculosis und mehr als eine Million entwickeln eine Tuberkuloseerkrankung. Besonders gefährdet sind junge Kinder. Das Risiko für schwere Verläufe und Todesfälle ist bei Kindern unter fünf Jahren sowie bei immungeschwächten Kindern, beispielsweise bei HIV-Infektion, am größten.
Zudem legen Befunde nahe, dass bereits die HIV-Exposition per se das Risiko für eine Tuberkuloseinfektion und -erkrankung erhöhen kann, vermutlich bedingt durch immunologische Veränderungen, eine reduzierte Wirksamkeit der BCG-Impfung gegen TB sowie durch soziale und ernährungsbezogene Faktoren. Die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen und sozialen Faktoren sind jedoch bislang nicht vollständig geklärt.
Die Autorinnen und Autoren heben daher die Notwendigkeit weiterer Kohortenstudien hervor, in denen CHEU, HIV-unexponierte Kinder sowie Kinder mit HIV in Regionen mit hoher Krankheitslast vergleichend untersucht werden. „Mit der weltweit zunehmenden Zahl von CHEU ist ein besseres Verständnis ihres Tuberkuloserisikos entscheidend für die Entwicklung zielgerichteter Präventions- und Versorgungsstrategien“, sagt Dr. med. Laura Olbrich, DPhil.