Die Studie startete vor Beginn einer Fußballsaison, als die Jugendlichen – und auch die Kontrollpersonen - zum ersten Mal ausführlich analysiert wurden. „Unser Blickwinkel war bewusst breit“, sagt Inga Körte. Das bedeutet:
- Die Struktur, die Funktion und der Stoffwechsel der Gehirne der Teilnehmenden wurden mit einem Magnetresonanz-Tomographen (MRT) abgebildet.
- Die Jugendlichen wurden ausgiebig neuropsychologisch untersucht – Gedächtnis, Impulsunterdrückung, Reaktionsgeschwindigkeit und so weiter; außerdem wurden motorisches Vermögen und Balance analysiert.
- Dazu kam eine Untersuchung verschiedener Stoffe im Blut, die als „Biomarker“ Auskunft geben über verschiedene Funktionen und Erkrankungen des Gehirns, zum Beispiel ein Schädelhirntrauma.
Dieser ganze Satz an Analysen wurde am Ende der Fußballsaison wiederholt und nochmals genau ein Jahr nach Studienbeginn. Dazu berichteten die fußballspielenden Jugendlichen, wie viele Kopfbälle sie ungefähr gemacht haben. „Insgesamt ein immenser Aufwand für die Teilnehmer und alle beteiligten Kollegen aus sieben verschiedenen Ländern in Europa und den USA“, sagt die Neurowissenschaftlerin.
Ergebnis: Nach einer Saison fanden die Forscher keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen jugendlichen Fußballspielern und Jugendlichen aus kontaktarmen Sportarten in Kognition, Verhalten, Gleichgewicht, Hirnstruktur und -funktion. Auch die selbst berichtete Zahl der Kopfbälle war nicht mit Veränderungen in den untersuchten Parametern verbunden. Kurzum, so Körte: „Wer kompetitiv in diesem Alter Fußball spielt, bei dem zeigt eine weitere Saison Fußball keine wesentlichen Veränderungen des Gehirns.“
Eine langfristige Entwarnung bedeuten die neuen Ergebnisse aber nicht. „Die bisherige weltweite Studienliteratur zeigt, dass häufiges Kopfballspiel langfristig nicht gut für das Gehirn ist“, sagt Inga Körte. Und: „In unserer Studie waren einzelne Biomarker, die mit Hirnschädigung in Verbindung gebracht werden, am Anfang der Saison höher als in der Kontrollgruppe. Das muss weiter untersucht werden.“
Die Studie wurde über ERA-NET NEURON aus europäischen Forschungsmitteln gefördert. Die Koordination des Konsortiums lag in München bei Prof. Dr. Inga Körte.