Gutartige (benigne) Lebertumore
Nicht jeder Leberherd ist Krebs
Zufallsbefunde in der Leber sind häufig: Bei Ultraschall-, CT- oder MRT-Untersuchungen wird bei fast jedem dritten Erwachsenen irgendwann einmal ein Leberherd entdeckt. Die gute Nachricht: Die meisten dieser Befunde sind gutartig. Trotzdem ist es wichtig, sie richtig einzuordnen – einerseits, um bösartige Befunde nicht zu übersehen; andererseits, um unnötige Operationen bei eindeutig gutartigen Befunden zu vermeiden.
Die wichtigsten gutartigen Lebertumore
Leberhämangiom
Ein Gefäßkonglomerat, der häufigste gutartige Lebertumor. Etwa 5 % aller Erwachsenen haben ein Hämangiom, meist als Zufallsbefund. Hämangiome wachsen sehr langsam oder gar nicht und haben praktisch kein Entartungsrisiko. In aller Regel ist keine Therapie nötig. Nur bei sehr großen Hämangiomen (>10 cm) mit Beschwerden oder bei Unsicherheit in der Bildgebung kann eine Operation sinnvoll sein.
Fokale noduläre Hyperplasie (FNH)
Eine gutartige Wucherung aus normalen Leberzellen, besonders häufig bei jungen Frauen. Die FNH hat keine Entartungstendenz und führt praktisch nie zu Blutungen. Eine Operation ist nur in Ausnahmefällen nötig. Meist reicht die eindeutige Diagnose in der MRT mit leberspezifischem Kontrastmittel, und eine Verlaufskontrolle nach 6–12 Monaten bestätigt die Stabilität.
Leberzelladenom (hepatozelluläres Adenom)
Hier ist Vorsicht geboten. Adenome sind deutlich seltener als FNH und Hämangiome und treten bevorzugt bei Frauen im gebärfähigen Alter unter langjähriger Einnahme hormoneller Kontrazeptiva auf. Abhängig von Größe, Subtyp (es gibt molekulare Untergruppen mit unterschiedlichem Verhalten) und Beschwerden besteht ein Risiko für Blutung ins Bauchfell und – in einzelnen Subtypen – für eine Entartung in ein HCC. Die Therapie reicht von engmaschiger Verlaufskontrolle über Absetzen der Hormontherapie bis zur operativen Entfernung.
Einfache Leberzysten und zystische Läsionen
Einfache Leberzysten sind sehr häufig und harmlos. Komplexere zystische Läsionen – zum Beispiel biliäre Zystadenome, Echinokokkuszysten (parasitäre Infektionen) oder polyzystische Lebererkrankung – brauchen eine gezielte Abklärung.
Weitere seltene gutartige Lebertumoren
Dazu zählen zum Beispiel biliäre Hamartome, Lipome, Angiomyolipome und entzündliche Pseudotumoren. Die Einordnung erfolgt immer interdisziplinär aus Bildgebung und – wenn nötig – Pathologie.