News | 28.06.2024
VERNACHLÄSSIGTE TROPENKRANKHEITEN

Deutscher Forschungsbeitrag zu vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTDs) steigt zu wenig

Mehr und langfristige deutsche Investitionen in Forschungszentren in endemischen Ländern nötig
Deutschland forscht zwar verstärkt zu vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTDs), liegt mit dieser Steigerung jedoch unter dem Durchschnitt der zehn produktivsten Länder der Welt. Zudem ist die Forschungsförderung in diesem Bereich seit 2018 zurückgegangen. Das hat eine Studie im Auftrag des Bundesforschungsministeriums (BMBF) unter der Federführung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) ergeben. Die Erhebung „Eine Einschätzung des Beitrags deutscher Institutionen bei der Forschung zu vernachlässigten Tropenkrankheiten“ wurde am Abend in Berlin vorgestellt. U.a. haben PD Dr. med. Inge Kroidl und PD Dr. med. Günter Fröschl vom Institut für Infektions- und Tropenmedizin am LMU Klinikum München an der NTD-Expertise mitgearbeitet.

Mehr als eine Milliarde Menschen leiden nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an sogenannten vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases, NTDs). Betroffen sind meist Bevölkerungsgruppen, die in extremer Armut leben und keinen Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung, Bildung, Wasser-, Hygiene- und Sanitärversorgung haben. Aktuell listet die WHO 21 vernachlässigte Tropenkrankheiten, darunter Schlangenbissvergiftungen und Erkrankungen durch Würmer, Einzeller, Bakterien oder Viren. Für einige dieser Krankheiten gibt es zwar Behandlungsmöglichkeiten oder Impfungen, diese sind aber in den meisten betroffenen Ländern schwer erhältlich oder unerschwinglich.

Bereits 2018 hatten NTD-Expertinnen und -Experten im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erstmals ermittelt, welchen Beitrag deutsche Institutionen bei der Forschung und Entwicklung zu vernachlässigten Tropenkrankheiten leisten. Die Analyse erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM), dem Deutschen Netzwerk gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten e.V. (DNTDs), der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (DTG) und der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie e.V. (DGP). Die vorliegende zweite Erhebung ist die erste nach der Unterzeichnung der Kigali-Erklärung durch die Bundesregierung im Jahr 2022. Darin bekennt sich Deutschland zu dem Ziel, beim globalen Kampf gegen NTDs auch im Bereich Forschung und Entwicklung mitzuwirken.

Die meisten Fördermittel gab es in absteigender Reihenfolge für Forschung zu Lymphatischer Filariose, Schistosomiasis, Onchozerkose und Schlafkrankheit. Die meisten Publikationen mit deutscher Beteiligung erschienen zu Leishmaniose, gefolgt von Dengue-Fieber und Schistosomiasis.

NTD-Expertise veröffentlicht

Die Erhebung „Eine Einschätzung des Beitrags deutscher Institutionen bei der Forschung zu vernachlässigten Tropenkrankheiten“ wurde von 31 NTD-Expertinnen und -Experten erstellt, die 16 deutschen Forschungseinrichtungen und Organisationen angehören. Soweit möglich bearbeitete ein Expertentandem jeweils eine spezifische vernachlässigte Tropenkrankheit. Dabei trug es evidenzbasierte Informationen, Daten und Bewertungen aus verschiedenen Quellen zusammen. Dazu gehörten eine systematische Literatursuche nach Artikeln mit mindestens einem/r Co-Autor/Autorin aus einer deutschen Einrichtung und eine systematische Suche nach sogenannten Publikationsmetriken, Patenten und klinischen Studien. Die genauen Finanzierungswege und -beträge der deutschen Forschung zu bestimmen, erwies sich als schwierig: Die Ergebnisse basieren auf Trackern in freiwilligen Datenbanken sowie auf Angaben deutscher Forschungseinrichtungen und -institutionen sowie zweier Bundesministerien. Eine weitere Empfehlung der Autorinnen und Autoren ist daher, in Deutschland eine strukturierte Datenbank für die deutsche NTD-Förderung einzurichten.

Originalmeldung und weitere Informationen (BNITM Website)