Cholangiozelluläres Karzinom (CCC) / Gallengangskrebs
Das cholangiozelluläre Karzinom (CCC) – auch Gallengangskarzinom oder Cholangiokarzinom genannt – entsteht aus den Zellen, die die Gallenwege auskleiden. Je nach Lage unterscheiden wir drei Formen, und diese Unterscheidung ist für Diagnostik und Therapie entscheidend:
- Intrahepatisches CCC (iCCC): innerhalb der Leber gelegen, wächst oft als solide Raumforderung. Wird in der Bildgebung manchmal zunächst mit einem HCC oder einer Metastase verwechselt.
- Perihiläres CCC (Klatskin-Tumor): an der Leberpforte, wo die Gallengänge aus der Leber austreten und sich vereinigen. Der häufigste Subtyp und therapeutisch besonders anspruchsvoll.
- Distales CCC: im Verlauf des Gallengangs bis zur Einmündung in den Zwölffingerdarm. Wird operativ wie ein Pankreaskopfkarzinom behandelt (Whipple-Operation).
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Risikofaktoren des Cholangiokarzinoms
Das CCC ist seltener als das HCC, nimmt aber in Deutschland und Europa an Häufigkeit zu. Die Ursachen sind nicht vollständig verstanden. Bekannte Risikofaktoren sind die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) – eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Gallenwege –, angeborene Fehlbildungen der Gallenwege (zum Beispiel Choledochuszysten, Caroli-Syndrom), chronische Gallensteinerkrankung, Leberzirrhose und chronische Hepatitis B und C. In Endemiegebieten spielen Leberegel-Infektionen (Opisthorchis, Clonorchis) eine Rolle. Ein großer Teil der CCC entsteht allerdings ohne erkennbaren Risikofaktor.
Symptome des Cholangiokarzinoms
Das wichtigste Frühsymptom beim perihilären und distalen CCC ist die schmerzlose Gelbsucht (Ikterus): Die Augen und die Haut färben sich gelb, der Urin wird dunkel, der Stuhl hell. Ursache ist ein Rückstau der Gallenflüssigkeit, weil der Tumor den Gallengang verengt. Zusätzlich treten häufig Juckreiz, Gewichtsverlust, Müdigkeit und Appetitlosigkeit auf. Intrahepatische CCC verursachen oft lange keine Beschwerden und werden zufällig in der Bildgebung entdeckt.
Diagnostik des Cholangiokarzinoms
Zentral sind hochauflösende Bildgebung (MRT mit MRCP – einer speziellen Darstellung der Gallenwege –, CT) und die endoskopische retrograde Cholangiographie (ERCP), bei der ein Endoskop bis in den Zwölffingerdarm vorgeschoben und über die Gallengangsmündung Kontrastmittel in das Gallenwegssystem eingebracht wird. Dabei können gleichzeitig ein Stent zur Entlastung des Gallenstaus eingelegt und Gewebeproben entnommen werden. Ergänzend kommen Endosonographie und – in ausgewählten Fällen – die Cholangioskopie (direkte Spiegelung der Gallengänge) zum Einsatz. Eine exakte Ausbreitungsdiagnostik entscheidet darüber, ob eine Operation mit heilender Zielsetzung möglich ist.
Molekulare Diagnostik
Das CCC ist molekular sehr heterogen. Eine molekulare Diagnostik (umfangreiches Genpanel aus Tumorgewebe) ist daher heute fester Bestandteil der Therapieplanung, weil sie in 30–50 % der Fälle eine zielgerichtete Therapieoption eröffnet.
Therapie des Cholangiokarzinoms
Die einzige potenziell heilende Therapie des CCC ist derzeit die Operation. Welche Operation in Frage kommt, hängt vom Subtyp ab:
- Intrahepatisches CCC: Leberresektion, häufig mit Lymphadenektomie am Leberhilus.
- Perihiläres CCC (Klatskin): ausgedehnte Leberresektion (meist rechte Hemihepatektomie erweitert um den Lobus caudatus) mit Gallenwegsrekonstruktion. Technisch eine der anspruchsvollsten Operationen der Viszeralchirurgie.
- Distales CCC: Whipple-Operation (partielle Pankreatoduodenektomie) mit Entfernung des Pankreaskopfes, des Zwölffingerdarms und der distalen Gallenwege.
Wenn eine Operation nicht möglich ist, kommen folgende Therapien in Betracht: systemische Chemotherapie (Standard ist derzeit die Kombination aus Cisplatin, Gemcitabin und dem Immuncheckpoint-Inhibitor Durvalumab), zielgerichtete Therapien bei bestimmten molekularen Markern (FGFR2-Fusionen, IDH1-Mutationen, BRAF-V600E-Mutationen, HER2-Amplifikationen, NTRK-Fusionen), Strahlentherapie (insbesondere SBRT beim intrahepatischen CCC) und interventionelle Verfahren (TACE, SIRT). In ausgewählten Fällen ist beim perihilären CCC auch eine Lebertransplantation nach speziellem Protokoll möglich.
Prognose des Cholangiokarzinoms
Die Prognose des CCC hängt stark vom Subtyp und vom Stadium bei Diagnose ab. Bei früher Diagnose und möglicher vollständiger Operation sind Langzeitheilungen möglich. Auch bei fortgeschrittenen Erkrankungen haben die neuen Kombinationstherapien und molekular gezielten Substanzen die Prognose in den letzten Jahren verbessert.