Hepatozelluläres Karzinom (HCC)
Das hepatozelluläre Karzinom – kurz HCC – ist der häufigste primäre Leberkrebs. „Primär“ bedeutet: Der Tumor entsteht aus den Leberzellen selbst und ist keine Absiedlung (Metastase) eines anderen Tumors. Weltweit ist das HCC eine der häufigsten krebsbedingten Todesursachen; in Deutschland wird die Erkrankung bei etwa 9.000 Menschen pro Jahr neu diagnostiziert, Männer sind etwa dreimal häufiger betroffen als Frauen.
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Wie entsteht ein HCC?
Ein HCC entsteht fast immer auf dem Boden einer vorbestehenden chronischen Lebererkrankung – besonders der Leberzirrhose. Die Zirrhose führt über viele Jahre zu einer andauernden Entzündung, zu einer Umbauarbeit der Leber und schließlich zu einer erhöhten Rate an genetischen Veränderungen in den Leberzellen. Aus einzelnen veränderten Zellen können mit der Zeit dysplastische Knoten und daraus ein invasives Karzinom entstehen.
Die wichtigsten Risikofaktoren des HCC
- Leberzirrhose jeder Ursache: der mit Abstand wichtigste Risikofaktor.
- Chronische Hepatitis B und Hepatitis C: auch ohne Zirrhose kann eine chronische Hepatitis B zum HCC führen.
- Alkoholbedingte Leberschädigung: langjähriger schädlicher Alkoholkonsum.
- Nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD/MASLD): in Deutschland und anderen westlichen Ländern der am schnellsten wachsende Risikofaktor, oft im Zusammenhang mit Übergewicht, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen.
- Hämochromatose und andere Stoffwechselerkrankungen: z. B. Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, Porphyrien.
- Aflatoxine: Schimmelpilzgifte, in Mitteleuropa kaum relevant, in manchen Regionen Afrikas und Asiens aber ein Hauptfaktor.
Früherkennung des HCC
Ein HCC im Frühstadium verursacht keine Beschwerden. Je früher es entdeckt wird, desto besser sind die Therapiechancen – im besten Fall ist eine heilende Therapie durch Operation, Transplantation oder lokale Ablation möglich. Deshalb empfehlen die aktuellen Leitlinien: Menschen mit Leberzirrhose und Menschen mit chronischer Hepatitis B mit erhöhtem Risiko sollten alle sechs Monate einen Ultraschall der Leber erhalten, häufig ergänzt durch die Bestimmung des Tumormarkers AFP (Alpha-Fetoprotein). Wer zu einer Risikogruppe gehört, sollte mit seinem Hausarzt oder Hepatologen besprechen, welche Kontrollen sinnvoll sind.
Symptome des HCC
Weil die Leber selbst keine Schmerzfasern in ihrem Inneren hat, bleibt ein wachsender Tumor lange unbemerkt. Symptome treten meist erst auf, wenn der Tumor größer ist, die Leberkapsel spannt oder die Leberfunktion eingeschränkt ist. Häufig sind unspezifische Beschwerden wie Gewichtsverlust, Müdigkeit und Leistungsminderung. Hinzu kommen können Oberbauchschmerzen oder ein Druckgefühl im rechten Oberbauch, Gelbsucht (Ikterus), Wasseransammlungen im Bauch (Aszites) sowie Juckreiz oder dunkler Urin. Keines dieser Symptome ist für ein HCC beweisend – sie können auch andere Ursachen haben.
Diagnostik des HCC
Die Diagnose eines HCC wird bei Risikopatienten häufig allein anhand der Bildgebung gestellt: Eine MRT oder CT mit Kontrastmittel zeigt ein charakteristisches Muster – starke Anreicherung in der arteriellen Phase und anschließendes „Wash-out“ in der venösen oder späten Phase. Ist dieses Muster eindeutig und liegt eine Leberzirrhose vor, ist eine Biopsie oft nicht zwingend erforderlich. In unklaren Fällen sichern wir die Diagnose durch eine gezielte, bildgeführte Gewebeentnahme. Ergänzend gehören zur Abklärung die Bestimmung der Leberfunktion (Child-Pugh-Score, MELD-Score), des Allgemeinzustands und – bei geplanter Therapie – eine erweiterte Ausbreitungsdiagnostik.
Therapieoptionen des HCC
- Operation (Leberresektion): bei kleinen bis mittelgroßen Tumoren und guter Leberfunktion.
- Lebertransplantation: bei HCC auf dem Boden einer Zirrhose innerhalb bestimmter Kriterien (klassisch die Mailand-Kriterien).
- Lokal-ablative Verfahren: Radiofrequenzablation (RFA), Mikrowellenablation (MWA) – besonders bei kleinen Tumoren eine gleichwertige Alternative zur Operation.
- Interventionelle Verfahren: TACE (Transarterielle Chemoembolisation) und SIRT (Radioembolisation) bei mehrherdiger Erkrankung ohne extrahepatische Ausbreitung, als alleiniges Verfahren oder in Kombination mit Systemtherapien.
- Systemtherapie: Immuncheckpoint-Inhibitoren und zielgerichtete Medikamente bei fortgeschrittener Erkrankung oder in Kombination mit lokalen Verfahren in früheren Stadien.
- Stereotaktische Strahlentherapie (SBRT): in ausgewählten Situationen als Alternative oder Ergänzung.
- Palliative Versorgung: symptomorientierte Behandlung bei weit fortgeschrittener Erkrankung.
Prognose und Nachsorge des HCC
Die Prognose eines HCC hängt stark vom Stadium bei Diagnose und von der zugrundeliegenden Lebererkrankung ab. Bei früher Diagnose und möglicher heilender Therapie sind Langzeitüberleben und Heilung realistisch. Nach jeder Therapie – insbesondere nach Operation, Ablation oder Transplantation – ist eine engmaschige Nachsorge nötig: in den ersten zwei Jahren typischerweise alle drei Monate mit Bildgebung und Laborkontrollen, später in längeren Abständen. Ein Rückfall (Rezidiv) ist nicht selten, aber auch dann sind häufig weitere Therapien möglich.