Lebermetastasen
Lebermetastasen sind Absiedlungen eines Tumors, der ursprünglich in einem anderen Organ entstanden ist. Die Leber ist ein besonders häufiges Zielorgan für Metastasen, weil das venöse Blut aus dem gesamten Magen-Darm-Trakt über die Pfortader zuerst durch die Leber fließt. Tumorzellen, die aus Darm, Magen oder Bauchspeicheldrüse in den Blutkreislauf gelangen, können so in der Leber hängen bleiben und dort Tochtergeschwulste bilden. Am häufigsten metastasieren kolorektale Karzinome (Dickdarm- und Enddarmkrebs) in die Leber. Auch Karzinome der Bauchspeicheldrüse, des Magens, der Brust und der Lunge sowie neuroendokrine Tumoren und Melanome können Lebermetastasen bilden.
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Warum Lebermetastasen gesondert behandelt werden
Lange galt die Metastasierung generell als Zeichen für eine unheilbare Erkrankung. Heute wissen wir: Bei bestimmten Tumorarten – allen voran kolorektalen Karzinomen und neuroendokrinen Tumoren – ist eine langfristige Heilung möglich, wenn die Metastasen vollständig entfernt oder zerstört werden können. Voraussetzung ist eine sorgfältige interdisziplinäre Planung. Bei anderen Tumorarten sind Lebermetastasen eher ein Zeichen einer systemischen Erkrankung – dort steht die medikamentöse Therapie im Vordergrund, lokale Verfahren können aber zusätzlich helfen, wenn einzelne Metastasen besonders belastend sind oder der Tumor gut auf die Systemtherapie anspricht.
Wer behandelt welche Lebermetastasen?
Am LMU Klinikum sind die onkologischen Zentren eng vernetzt, aber mit klaren Zuständigkeiten – das sorgt dafür, dass Sie immer am richtigen Ort die passende Expertise erhalten:
- Lebermetastasen kolorektaler Karzinome (Dickdarm, Enddarm) und neuroendokriner Tumoren: werden federführend im Leberkrebszentrum behandelt, in enger Abstimmung mit den zuständigen Zentren
- Lebermetastasen gastrointestinaler Tumoren (Pankreas, Magen, Gallenwege, Ösophagus): werden grundsätzlich im jeweils zuständigen Organzentrum behandelt, weil die Therapie des Primärtumors und der Metastasen aus einer Hand erfolgen sollte. Das Leberkrebszentrum wird beteiligt, wenn eine Operation an der Leber, eine interventionelle Therapie oder eine Zweitmeinung zur Leberbeteiligung ansteht.
- Lebermetastasen anderer Tumoren (Mammakarzinom, Melanom, Sarkom, Lunge u. a.): werden vom behandelnden Organzentrum geführt; wir werden konsiliarisch für lokale Therapieoptionen (Resektion, Ablation, TACE, SBRT) hinzugezogen.
Im Zweifel rufen Sie uns einfach an – wir ordnen Ihr Anliegen gerne ein und vermitteln den richtigen Ansprechpartner, wenn ein anderes Zentrum besser geeignet ist.
Diagnostik von Lebermetastasen
Bei bereits bekannter Tumorerkrankung werden Lebermetastasen meist in Routine-Nachsorgeuntersuchungen entdeckt, typischerweise in CT oder MRT. In manchen Fällen ist eine Metastase die erste erkennbare Manifestation der Erkrankung – dann muss der Ursprungstumor gesucht werden. Neben Ultraschall, CT und MRT spielt die PET/CT eine zunehmende Rolle, um weitere Absiedlungen außerhalb der Leber auszuschließen. Für die Operationsplanung führen wir eine volumetrische Analyse durch: Wir berechnen, wie viel gesundes Lebergewebe nach der Operation verbleibt. Ist der verbleibende Anteil zu klein, setzen wir Verfahren zur Vergrößerung des Leberrests (Pfortaderembolisation, ALPPS-Technik) ein.
Therapiekonzepte von Lebermetastasen nach Tumorart
- Kolorektale Lebermetastasen: Die Kombination aus Operation und perioperativer Chemotherapie hat in den letzten 20 Jahren die Prognose dramatisch verbessert. Bei primär nicht operablen Befunden versuchen wir durch Konversionstherapie (Chemotherapie plus Antikörper) den Tumor zu verkleinern, um später doch operieren zu können. In ausgewählten Fällen kommt heute – nach den Ergebnissen der SECA- und TRANSMET-Studien – auch eine Lebertransplantation in Frage.
- Neuroendokrine Lebermetastasen: Neuroendokrine Tumoren wachsen oft über viele Jahre langsam. Hier kommen Operation, TACE, SIRT, Ablation und die Peptid-Radiorezeptor-Therapie (PRRT) zum Einsatz. Auch eine Lebertransplantation ist in ausgewählten Situationen möglich.
- Lebermetastasen gastrointestinaler Tumoren (Pankreas, Magen, Gallenwege): Federführung beim jeweiligen Organzentrum – das Pankreaskarzinom wird beispielsweise im Pankreaszentrum betreut, wo Chirurgie, Onkologie und Gastroenterologie gemeinsam die Therapie planen. Das Leberkrebszentrum wird beteiligt, wenn eine Leberoperation, eine interventionelle Therapie oder eine Zweitmeinung zur Leberbeteiligung ansteht.
- Lebermetastasen eines Mammakarzinoms: Entscheidung meist zugunsten systemischer Therapie durch das Brustkrebszentrum; lokale Verfahren bei umschriebenen, therapiestabilen Befunden in Abstimmung mit uns.
- Lebermetastasen anderer Tumoren: Entscheidung immer individuell im Tumorboard, in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Zentrum des Primärtumors.
Minimal-invasive und roboterassistierte Leberchirurgie bei Lebermetastasen
Gerade bei Lebermetastasen, die oft mehrfach im Laufe der Erkrankung operiert werden, sind schonende Zugangswege wichtig. Wir führen laparoskopische und roboterassistierte Leberoperationen bei geeigneten Befunden durch – mit kleineren Narben, weniger Schmerzen nach der Operation und einer schnelleren Erholung.
Abstimmung mit anderen Zentren
Eine Operation oder lokale Therapie der Metastasen ist kein Ersatz für die Behandlung des Grundtumors. Wir stimmen uns deshalb eng mit den behandelnden Onkologen und – falls noch vorhanden – mit dem Zentrum ab, das den Ursprungstumor behandelt. In vielen Fällen entsteht so eine gemeinsame Versorgung, in der die Leberchirurgie bei uns erfolgt und die onkologische Weiterbehandlung wohnortnah stattfindet.