Helminthen-Infektionen und Ko-Infektionen

Der Schwerpunkt der Gruppe liegt auf der Erforschung von Veränderungen des Immunsystems durch Helminthen und dessen Konsequenzen. In verschiedenen Studien wird der Einfluss von Wuchereria bancrofti und Schistosoma haematobium auf Ko-Infektionen mit HIV, HPV, SARS-CoV-2 oder Tuberkulose untersucht.

Helminthen sind parasitäre Würmer, die unverhältnismäßig häufig die Armen der Welt befallen und bei einem Viertel der Weltbevölkerung einen chronischen Krankheitszustand hervorrufen. Je nach ihren Überlebensbedingungen und ihrem Aufenthaltsort im Wirt können Helminthen eine Reihe von Symptomen und Pathologien hervorrufen. Zum Beispiel Leberfibrose, Blasenkrebs und genitale Veränderungen bei Schistosomiasis, oder Lymphödeme und Hydrozelen bei lymphatischer Filariose (LF), hervorgerufen durch Wuchereria bancrofti. Neben der mit den Infektionen verbundenen Morbidität wurden auch immunologische Veränderungen beschrieben. Diese tragen dazu bei, dass der Wurm eine für den Wirt erträgliche Situation schaffen kann, die ein Überleben über mehrere Jahre und eine weitere Vermehrung des Helminthen ermöglicht.

Die unverhältnismäßig hohe Prävalenz des Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) in afrikanischen Gemeinden südlich der Sahara hatte bereits früher zu der Hypothese geführt, dass Helmintheninfektionen das Risiko einer HIV-Übertragung erhöhen könnten. Dieses Konzept beruhte ursprünglich auf der Erkenntnis, dass Helmintheninfektionen beim Wirt eine Immunantwort vom Typ Th2 auslösen und gleichzeitig die antivirale Reaktion des Wirts vom Typ Th1 herunterregulieren, somit die Anfälligkeit einer Person für eine HIV-Infektion erhöhen können und damit ein wesentlicher Faktor für die HIV-Pandemie sein könnte, die sich in Afrika südlich der Sahara ausgebreitet hat. In einer großen epidemiologischen Studie der Normalbevölkerung in Tansania wurde dieser Zuammenhang bestätigt 2016 von unserer Arbeitsgruppe bestätigt für Infektionen mit dem Blut- und Gewebsnematoden W. bancrofti.

In der RHINO-Studie (Risk of HIV Infections through Nematode Organism) werden Untersuchungen des peripheren Blutes sowie der Genitalzellen durchgeführt von Studienteilnehmern, die mit Wuchereria bancrofti infiziert, um pathophysiologische Veränderungen, die für die erhöhte Suszeptibilität für HIV verantwortlich sind, genauer zu charakterisieren. Desweiteren wird eine mögliche Assoziation mit humanen Papilloma-Viren (HPV) untersucht.

Das TAKeOFF Netzwerk konzentriert sich auf die pathologischen Veränderungen, die durch W. bancrofti hervorgerufen werden. Dabei konzentriert sich unsere Arbeitsgruppe am Klinikum der LMU auf Lymphödeme und eine mögliche Verschlechterung nach Immunrekonstitution durch antiretrovirale Therapie (FIRE-Studie (Filarial Induced Immune REconstitution). Ein weiterer Aspekt ist die Behandlung des Lymphödems mit Doxycyclin (LEDoxy-Studie), einem Antibiotikum, welches die Würmer nicht direkt tötet, sondern durch Elimination der symbiontischen Wolbachien langsam zum Absterben der Filarien führt. In der zweiten Förderperiode der Forschungsnetzwerke des BMBF von 2023-2028 wird der Einfluss von nicht-übertragbaren Erkrankungen (non-communicable diseases (NCD) auf den Progress des Lymphödems untersucht, des weiteren werden „Hot-Spots“ (Gegenden mit hoher Prävalenz) näher betrachtet, um mittels Xenomonitoring, sozialwissenschaftlichen Ansätzen, sowie einer „Test-& Treat“- Strategie, diese letzte Hürden für die Elimination der lymphatischen Filariose zu überwinden.

Durch das Netzwerk “Malaria und vernachlässigte Tropenerkrankungen“ des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) werden die Erkrankungen Schistosomiasis, Flussblindheit (Onchozerkose), lymphatische Filariose und Malaria studiert. Hierbei untersucht unsere Arbeitsgruppe (EliNTD) diagnostische Probleme bei Ko-infektionen mit HIV, sowie die Diagnostik und Behandlung der genitalen Form der Schistosomiasis. Unsere Gruppe ist zudem beteiligt an Studien über SARS-CoV-2 Infektion während der KoCo19-Studienaktivitäten. Hierbei wurde die Rekrutierung und Betreuung von Patienten mit akuter SARS-CoV-2 Infektion in der KoCo19-Immu Studie von PD Dr. Inge Kroidl übernommen. Dr. Horn war involviert in die Labortätigkeiten bei den SARS-CoV-2 Vakzin-Studien. Weitere Untersuchen bezüglich der Immunantwort, oder auch dem Einfluss einer Wurminfektion auf diese, sind geplant.

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