Leber & Galle
Leber- und Gallenwegchirurgie am LMU Klinikum München
Die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie des LMU Klinikums München gehört zu den führenden Zentren Deutschlands für die chirurgische Behandlung von Erkrankungen der Leber und der Gallenwege. Wir behandeln das gesamte Spektrum gutartiger und bösartiger Lebererkrankungen – von der laparoskopischen Cholezystektomie bis zur komplexen Mehrfach-Segmentresektion, von benignen Zysten bis zum fortgeschrittenen hepatozellulären Karzinom.
Unser Zentrum verbindet chirurgische Exzellenz mit einem tiefen Verständnis der Leberbiologie. Alle Patienten mit Lebertumoren werden vor einer Therapieentscheidung im interdisziplinären HPB-Tumorboard besprochen, das wöchentlich tagt und Expertise aus Onkologie, Hepatologie, interventioneller Radiologie, Nuklearmedizin, Pathologie und Chirurgie vereint.
Die enge strukturelle Verknüpfung mit dem Transplantationszentrum des LMU Klinikums schafft einzigartige Behandlungsmöglichkeiten: Für Patienten, bei denen eine Resektion nicht möglich ist, kann nahtlos auf eine Listung zur Transplantation übergegangen werden – oder umgekehrt. Beide Wege werden von denselben erfahrenen Chirurgen begleitet.
In der Gallenwegchirurgie bieten wir das gesamte Spektrum – von der minimal-invasiven Cholezystektomie bis zur komplexen Rekonstruktion des Gallengangs bei Strikturen, iatrogenen Verletzungen oder Tumoren. Die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) wird in enger Kooperation mit dem Leberzentrum behandelt.
Wir setzen alle drei etablierten operativen Zugangswege ein: laparoskopisch (minimal-invasiv), roboterassistiert (da Vinci-System) und offen. Die Wahl des Zugangs richtet sich nach der Tumoranatomie, der Resektionsausdehnung, dem Allgemeinzustand des Patienten und der individuellen Risikoabwägung – nicht nach dem verfügbaren Equipment.
Ein besonderes Merkmal unseres Zentrums ist die intensive Forschungsaktivität: Wir führen eigene klinische Studien durch, darunter internationale Studienprogramme zur Lebertransplantation bei kolorektalen Lebermetastasen (TRANSMIT, RAPID-MUC), und beteiligen uns an multizentrischen Studien zu Leberresektion, Systemtherapie und lokoregionären Verfahren.
Unser Behandlungsversprechen:
Jeder Patient erhält ein individuelles, im interdisziplinären Konsens erarbeitetes Therapiekonzept. Chirurgische Machbarkeit und onkologische Sinnhaftigkeit werden stets gemeinsam bewertet – das Ziel ist nicht maximale Resektion, sondern das beste Ergebnis für jeden einzelnen Patienten.
Leber, Gallenwege & Gallenblase
Unser Leistungsangebot
Wir behandeln das vollständige Spektrum gutartiger und bösartiger Erkrankungen von Leber und Gallenwegen. Für jeden Patienten wird ein individuelles, interdisziplinäres Therapiekonzept erarbeitet.
Leberresektion
Leber (postmortale Spende)
Die Leberresektion ist die chirurgische Entfernung von Teilen der Leber. Sie kann als kurativer Eingriff bei primären Lebertumoren (HCC, CCA) und Lebermetastasen indiziert sein, aber auch bei benignen Erkrankungen wie symptomatischen Hämangiomen, großen Leberadenomen oder Echinokokkuszysten notwendig werden.
Die Leber ist einzigartig in ihrer Fähigkeit zur Regeneration: Nach einer Resektion wächst das verbleibende Lebergewebe innerhalb von 4–8 Wochen auf nahezu das ursprüngliche Volumen nach. Diese Eigenschaft erlaubt auch ausgedehnte Resektionen – vorausgesetzt, das verbleibende Leberparenchym (Future Liver Remnant, FLR) ist funktionell ausreichend.
Anatomie nach Couinaud – die Segmentierung der Leber
Die moderne Lebertransplantations- und Resektionschirurgie basiert auf der Segmenteinteilung nach Couinaud (1954): Die Leber wird in acht funktionell unabhängige Segmente unterteilt, von denen jedes über eine eigene arterielle und portalvenöse Versorgung, einen eigenen Gallengang sowie eine eigene Lebervenendrainagen verfügt.
Diese Unabhängigkeit ist die Voraussetzung für anatomische Segmentresektionen: Ein Segment kann vollständig entfernt werden, ohne die Durchblutung oder Gallendrainage der benachbarten Segmente zu beeinträchtigen.
Resektionstypen der Leber
EINGRIFF
ENTFERNTE SEGMENTE
BEZEICHNUNG
Rechte Hemihepatektomie
V, VI, VII, VIII
Major-Resektion
Linke Hemihepatektomie
II, III, IV
Major-Resektion
Erweiterte rechte Hemihepatektomie
IV–VIII (± I)
Trisegmentektomie
Erweiterte linke Hemihepatektomie
II, III, IV, V, VIII
Trisegmentektomie
Linke Lateralsegmentektomie
II, III
Minor-Resektion
Anatomische Segmentresektion
1–3 Segmente
Minor-Resektion
Nicht-anatomische Resektion
Tumornahe Keilresektion
Atypische Resektion
Präoperative Planung
Vor jeder Leberresektion erfolgt eine standardisierte präoperative Evaluation: CT- oder MRT-basierte 3D-Volumetrie des geplanten Resektats und des verbleibenden Lebers (Future Liver Remnant, FLR). Liegt der FLR unter dem sicheren Schwellenwert (< 20–25 % bei gesunder Leber, < 30–40 % bei vorgeschädigtem Parenchym), wird eine Pfortaderembolisation (PVE) oder – in selektierten Fällen – eine ALPPS-Prozedur vorgeschaltet, um das verbleibende Lebervolumen präoperativ zu vergrößern.
Die Indocyaningrün (ICG)-Clearance dient der funktionellen Leberreservebeurteilung und ergänzt die volumetrische Planung. Alle Befunde werden im multidisziplinären HPB-Tumorboard besprochen, bevor eine endgültige Operationsindikation gestellt wird.
ALPPS – Associating Liver Partition and Portal vein ligation for Staged hepatectomy
ALPPS ist ein zweizeitiges Verfahren, das bei Patienten eingesetzt wird, deren geplantes Resektat so groß wäre, dass das verbleibende Lebervolumen für eine sichere Funktion nicht ausreicht. Im ersten Schritt werden Leberteilung und Pfortaderligatur kombiniert, was eine sehr rasche Hypertrophie des verbleibenden Leberanteils (in 7–14 Tagen auf 60–80 % des Ausgangswerts) induziert. Im zweiten Schritt wird dann die eigentliche Resektion durchgeführt. Das LMU Klinikum verfügt über umfangreiche Erfahrung mit diesem anspruchsvollen Verfahren.
Die präoperative Planung ist entscheidend für die Sicherheit großer Leberresektionen. Am LMU Klinikum führen wir für jeden Patienten eine individuelle Volumetrie durch und planen die Resektion dreidimensional – mit dem Ziel, onkologische Radikalität und Restleberfunktion optimal in Einklang zu bringen.
Hepatozelluläres Karzinom (HCC)
Lebertumoren (primär maligne)
Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist der häufigste primäre Lebertumor und entsteht in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle auf dem Boden einer Leberzirrhose oder einer chronischen Hepatitis. Die Therapie des HCC erfordert stets eine individuelle Abwägung im multidisziplinären Team, da die Wahl des Verfahrens wesentlich vom Tumorstadium, der Leberfunktion (Child-Pugh-Score, MELD) und dem Allgemeinzustand des Patienten abhängt.
Am LMU Klinikum werden alle HCC-Patienten im wöchentlichen HPB-Tumorboard besprochen. Die Therapieentscheidung folgt dem Barcelona Clinic Liver Cancer (BCLC) Staging System und orientiert sich an den aktuellen EASL-Leitlinien.
Therapieverfahren nach BCLC-Stadium
- BCLC 0 / A (Frühstadium): Resektion bei ausreichender Leberfunktion und günstiger Tumoranatomie als bevorzugte Ersttherapie. Transplantation innerhalb der Milan-Kriterien (≤ 1 Herd ≤ 5 cm oder ≤ 3 Herde ≤ 3 cm) als kurative Alternative. Ablationsverfahren (Radiofrequenz, Mikrowelle) bei nicht operablen Patienten oder als Bridging zur Transplantation.
- BCLC B (Intermediärstadium): Transarterielle Chemoembolisation (TACE) als Standardtherapie. Selektive interne Radiotherapie (SIRT / TARE) als Alternative. In ausgewählten Fällen „Down-Staging" zur Transplantation oder Resektion angestrebt.
- BCLC C (Fortgeschrittenes Stadium): Systemtherapie (Atezolizumab + Bevacizumab als First-Line, Sorafenib/Lenvatinib als Alternativen). Lokoregionäre Verfahren in Kombination.
- BCLC D (Endstadium): Bestmögliche supportive Behandlung, Palliativmedizin.
Chirurgische Resektion beim HCC
Die Resektion ist die bevorzugte kurative Therapie beim HCC in nicht-zirrhotischer Leber oder bei kompensierter Zirrhose (Child-Pugh A) mit ausreichendem FLR. Ziel ist eine R0-Resektion mit ausreichendem Sicherheitsabstand (≥ 1 cm), wobei leberanatomische Grenzen berücksichtigt werden (anatomische Resektion bevorzugt). Die 5-Jahres-Überlebensrate nach kurativer Resektion beträgt 40–70 %.
Bei Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose (Child-Pugh B) oder eingeschränkter Leberfunktion, bei denen eine ausreichende Resektion nicht möglich ist, stellt die Lebertransplantation die bessere Option dar – mit dem Vorteil, gleichzeitig die Grunderkrankung (Zirrhose) zu behandeln.
BCLC-Stadien im Überblick
STADIUM
KRITERIEN
ERSTTHERAPIE
0 / A
1–3 Herde, PS 0, Child A
Resektion / Transplantation
B
Multinodulär, PS 0
TACE / SIRT
C
Pfortaderinvasion, PS 1–2
Immuntherapie
D
Child C oder PS 3–4
Supportiv
Surveillance: Patienten mit Leberzirrhose oder chronischer Hepatitis B sollten alle 6 Monate eine Ultraschalluntersuchung der Leber erhalten – unabhängig von Symptomen. Früh erkannte HCC sind resezierbar und heilbar.
Lokoregionäre Verfahren in der HPB-Kooperation
- TACE (Transarterielle Chemoembolisation): Intraarterielle Applikation von Zytostatika kombiniert mit Embolisation der Tumorversorgung. Standardtherapie im intermediären Stadium. Auch als Bridging zur Transplantation.
- SIRT (Selektive interne Radiotherapie / Y90-Radioembolisation): Intraarterielle Injektion von mit Yttrium-90 beladenen Mikrosphären. Besonders geeignet bei Pfortaderinvasion oder als Alternative zur TACE.
- Ablationsverfahren (RFA / MWA): Radiofrequenz- oder Mikrowellenablation kleiner Herde (< 3 cm). Perkutan oder intraoperativ (laparoskopisch / offen). Vergleichbare Ergebnisse zur Resektion bei kleinen Tumoren.
- Stereotaktische Radiochirurgie (SBRT): Hochpräzise externe Strahlentherapie bei nicht-ablationsfähigen Tumoren.
Das LMU Klinikum bietet alle verfügbaren Therapieverfahren für das HCC unter einem Dach – von der Chirurgie über Transplantation, Ablation, Embolisation und Systemtherapie bis zur Strahlentherapie. Die Abstimmung im Tumorboard sichert, dass jeder Patient das in seiner individuellen Situation beste Verfahren erhält.
Cholangiozelluläres Karzinom (CCA)
Lebertumoren (Gallengangskarzinom)
Das cholangiozelluläre Karzinom (CCA, Gallengangskarzinom) ist ein bösartiger Tumor, der von den Epithelzellen der Gallengänge ausgeht. Er ist selten, aber aufgrund seiner oft späten Diagnose mit ungünstiger Prognose behaftet. Die chirurgische Resektion ist die einzige kurative Therapie und erfordert je nach Lokalisation sehr unterschiedliche operative Strategien.
Klassifikation nach Lokalisation
- Intrahepatisches CCA (iCCA): Entsteht innerhalb des Leberparenchyms, wird oft als Leberraumforderung diagnostiziert und ist histologisch nicht immer sicher vom HCC zu unterscheiden. Therapie: anatomische Leberresektion mit ausreichendem Sicherheitsabstand. Häufig erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt.
- Perihiläres CCA (pCCA) / Klatskin-Tumor: Häufigste Form (ca. 50–60 % der CCA). Sitzt an der Gabelung des Ductus hepaticus communis. Klassifikation nach Bismuth-Corlette (Typ I–IV) bestimmt das Ausmaß der notwendigen Resektion. Erfordert meist Hemihepatektomie mit Gallengangsresektion und bilioenterischer Anastomose (Hepatikojejunostomie).
- Distales CCA (dCCA): Liegt im Ductus choledochus unterhalb des Leberhilus. Klinisch und chirurgisch eng verwandt mit dem Pankreaskopfkarzinom. Therapie: Pyloruserhaltende Pankreatikoduodenektomie (PPPD / Whipple-Operation) – wird an der Klinik für Viszeralchirurgie in enger Kooperation mit der Pankreaschirugie durchgeführt.
Klassifikation nach Lokalisation
- Intrahepatisches CCA (iCCA): Entsteht innerhalb des Leberparenchyms, wird oft als Leberraumforderung diagnostiziert und ist histologisch nicht immer sicher vom HCC zu unterscheiden. Therapie: anatomische Leberresektion mit ausreichendem Sicherheitsabstand. Häufig erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt.
- Perihiläres CCA (pCCA) / Klatskin-Tumor: Häufigste Form (ca. 50–60 % der CCA). Sitzt an der Gabelung des Ductus hepaticus communis. Klassifikation nach Bismuth-Corlette (Typ I–IV) bestimmt das Ausmaß der notwendigen Resektion. Erfordert meist Hemihepatektomie mit Gallengangsresektion und bilioenterischer Anastomose (Hepatikojejunostomie).
- Distales CCA (dCCA): Liegt im Ductus choledochus unterhalb des Leberhilus. Klinisch und chirurgisch eng verwandt mit dem Pankreaskopfkarzinom. Therapie: Pyloruserhaltende Pankreatikoduodenektomie (PPPD / Whipple-Operation) – wird an der Klinik für Viszeralchirurgie in enger Kooperation mit der Pankreaschirugie durchgeführt.
Besonderheiten des Klatskin-Tumors
Der perihiläre Klatskin-Tumor stellt die technisch und onkologisch anspruchsvollste Situation in der Hepatobiliären Chirurgie dar. Die Tumornähe zu Pfortaderaufzweigung, Leberarterien und beiden Lebervenenhauptstämmen erfordert präzise präoperative Bildgebung (CT, MRT/MRCP, ggf. PET-CT) und sorgfältige chirurgische Planung.
Eine R0-Resektion ist der entscheidende Prognosefaktor: Die 5-Jahres-Überlebensrate nach R0-Resektion beträgt 20–40 %, nach R1/R2-Resektion fällt sie auf unter 10 %. Daher wird am LMU Klinikum bei Klatskin-Tumoren eine ausgedehnte Resektion (Hemihepatektomie + Gallengangsmanschette + lokoregionäre Lymphadenektomie) konsequent verfolgt.
In ausgewählten Fällen eines perihilären CCA kann nach neoadjuvanter Radiochemotherapie eine Lebertransplantation erwogen werden – ein Konzept, das an spezialisierten Zentren in Europa und den USA zunehmend evaluiert wird und am LMU Klinikum individuell geprüft wird.
Bismuth-Corlette Klassifikation (Klatskin)
TYP
AUSDEHNUNG
RESEKTION
I
Unterhalb der Konfluenz
Gallengangsresektion
II
Konfluenz befallen
+ Quadratsegmentresektion
IIIa
R. hepaticus dexter
Rechte Hemihepatektomie
IIIb
R. hepaticus sinister
Linke Hemihepatektomie
IV
Beide Äste / multifok.
Erweiterte Resektion / Tx
Kein diagnostisches Stenting vor Tumorboard: Eine präoperative endoskopische oder perkutane Gallengangsdrainageanlage sollte bei resektablem Klatskin-Tumor nicht ohne vorherige Tumorborddiskussion erfolgen, da sie die spätere chirurgische Sanierung erschweren kann.
Adjuvante Therapie
Nach R0-Resektion eines CCA wird eine adjuvante Chemotherapie mit Capecitabin über 6 Monate empfohlen (BILCAP-Studie). Bei lokal fortgeschrittenem oder nicht resezierbarem CCA ist eine Kombinations-Immunchemotherapie (Gemcitabin + Cisplatin + Durvalumab) Standard der Erstlinientherapie.
Das CCA ist eine Erkrankung, bei der frühzeitige Diagnose und die Expertise des behandelnden Zentrums entscheidend sind. Wir empfehlen bei Verdacht auf ein CCA die unmittelbare Vorstellung an einem spezialisierten HPB-Zentrum – noch vor einer diagnostischen Biopsie, die bei resektablen Tumoren in der Regel nicht indiziert ist.
Lebermetastasen
Lebermetastasen (Kolorektal & Weitere)
Die Leber ist das häufigste Organ für hämatogene Metastasen. Bei etwa 50 % aller Patienten mit kolorektalem Karzinom (KRK) treten im Verlauf Lebermetastasen auf – bei 15–25 % bereits zum Zeitpunkt der Erstdiagnose (synchrone Metastasen). Die chirurgische Resektion der Lebermetastasen, sofern möglich, ist die einzige Therapie mit kurativem Potenzial und erzielt 5-Jahres-Überlebensraten von 30–50 %.
Am LMU Klinikum werden alle Patienten mit Lebermetastasen im interdisziplinären Tumorboard besprochen. Das Ziel ist es, bei jedem Patienten die Möglichkeit einer kurativen Resektion zu prüfen – auch wenn dies eine intensive präoperative Systemtherapie, mehrzeitige chirurgische Eingriffe oder innovative Verfahren wie ALPPS erfordert.
- Primär resektable Metastasen: Direkte Resektion mit kurativer Intention. Perioperative Chemotherapie (FOLFOX/FOLFIRI ± Bevacizumab/Cetuximab) wird im Tumorboard individuell entschieden.
- Potenziell resektable Metastasen: Neoadjuvante Chemotherapie zum Down-Sizing, anschließend Resektion. Enge interdisziplinäre Abstimmung und Re-Staging nach 3–4 Zyklen essentiell.
- Irresektable Metastasen – FLR-Problem: Pfortaderembolisation (PVE) oder ALPPS zur Induktion einer Leberhypertrophie vor geplanter erweiterter Resektion.
- Irresektable Metastasen – Tumorlast: Studienprogramme TRANSMIT (postmortale Transplantation) und RAPID-MUC (Lebendspendetransplantation) als investigativer kurativer Ansatz (s. unten).
Weitere Metastasenentitäten
- Neuroendokrine Lebermetastasen (NET): Resektion oder Debulking auch bei hoher Tumorlast sinnvoll, da lange Überlebenszeiten und hormonelle Symptomkontrolle. Kombination mit SIRT oder Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie (PRRT).
- Lebermetastasen des Mammakarzinoms: Resektion in ausgewählten Fällen bei isolierter hepatischer Progression und günstiger Tumorbiologie.
- Lebermetastasen des Magenkarzinoms: Resektion nur in hochselektierten Fällen; Indikationsstellung im Tumorboard obligat.
- Uvealmelanommetastasen: Seltene Indikation; Resektion oder Perfusionsverfahren (IHP) in spezialisierten Zentren
Resektabilität – Kriterien
Moderne Resektabilitätskriterien sind funktionell, nicht rein anatomisch:
- FLR ≥ 20–30 % des Gesamtlebervolumens
- R0-Resektion erreichbar
- Erhalt ausreichender Gefäßversorgung
- Kein nicht kontrollierbarer extrahepatischer Tumor
- Ausreichende Patientenkonstitution (PS 0–1)
„Irresektabel" ist kein statischer Befund – nach Systemtherapie, PVE oder ALPPS können viele zunächst nicht resektable Patienten doch noch operiert werden. Frühzeitige Vorstellung im HPB-Tumorboard ist entscheidend.
Studienprogramm: Lebertransplantation bei kolorektalen Lebermetastasen
Die Lebertransplantation bei irresektablen kolorektalen Lebermetastasen ist einer der bedeutendsten innovativen Ansätze der aktuellen Transplantationsonkologie. Erste nordeuropäische Daten (SECA-I/II) zeigten, dass sorgfältig selektierte Patienten 5-Jahres-Überlebensraten von bis zu 83 % erreichen können – Ergebnisse, die mit palliativer Chemotherapie nicht erzielbar sind. Das LMU Klinikum hat zwei eigene Studienprogramme initiiert und rekrutiert aktiv:
Postmortale Spende
TRANSMIT
Transplantation postmortaler Spenderlebern bei Patienten mit irresektablen kolorektalen Lebermetastasen über das reguläre Eurotransplant-Allokationssystem. Die Studie evaluiert Sicherheit, Machbarkeit und onkologische Langzeitergebnisse der Lebertransplantation als kuratives Konzept bei streng selektierten CRLM-Patienten ohne extrahepatische Manifestation.
Lebendspende
RAPID-MUC
Basierend auf dem norwegischen RAPID-Konzept: Im ersten Schritt wird die Eigenleber teilweise reseziert und ein Lebendspende-Segment (Seg. II–III) implantiert. Nach Regeneration des Lebendspende-Anteils wird in einem zweiten Schritt die restliche Eigenleber (und damit alle Metastasen) entfernt. Dieses innovative zweizeitige Konzept nutzt die Leberregeneration als therapeutisches Instrument und ermöglicht eine kurative Transplantation ohne Nutzung des postmortalen Spenderpools.
Einschlusskriterien (allgemein): Histologisch gesichertes kolorektales Karzinom · Auf die Leber beschränkte Metastasierung (kein extrahepatischer Tumor) · Irresektabilität durch ein erfahrenes HPB-Chirurgenteam bestätigt · Stabile Erkrankung oder Ansprechen unter Systemtherapie · Ausreichender Allgemeinzustand · Mindestens 3 Monate beobachteter stabiler Verlauf ohne Progression. Für die individuelle Prüfung der Studieneignung wenden Sie sich bitte an unser Transplantationszentrum.
Benigne Lebertumoren & Zysten
Leberchirurgie (Gutartige Erkrankungen)
Benigne Lebertumoren werden mit zunehmender Häufigkeit durch moderne Schnittbildgebung (CT, MRT, Ultraschall) als Zufallsbefunde entdeckt. Die überwiegende Mehrzahl erfordert keine Therapie. Eine chirurgische Intervention ist nur in klar definierten Situationen indiziert: bei Symptomen, bei malignem Entartungsrisiko, bei diagnostischer Unsicherheit oder bei Größenprogress.
Hämangiom der Leber
Das kavernöse Hämangiom ist der häufigste benigne Lebertumor (Prävalenz ca. 5 %). Er ist in aller Regel asymptomatisch und erfordert keine Therapie. Eine Resektion ist nur bei sehr großen, symptomatischen Hämangiomen (Schmerzen, Raumverdrängung, selten: Kasabach-Merritt-Syndrom) indiziert. Spontane Rupturen sind bei typischer Lage und normaler Gerinnung extrem selten. Biopsien sind kontraindiziert.
Fokale noduläre Hyperplasie (FNH)
Die FNH ist die zweithäufigste benigne Lebertumor. Sie hat kein Malignitätspotenzial und entartet nicht. Die Diagnose gelingt in der Regel sicher durch MRT mit leberspezifischem Kontrastmittel (Primovist). Bei sicherer Diagnose ist keine Therapie und keine Verlaufskontrolle erforderlich. Eine Resektion ist nur bei diagnostischer Unsicherheit oder Symptomen indiziert.
Hepatozelluläres Adenom (HCA)
Das Leberadenom ist ein seltener Tumor, der vor allem bei Frauen unter hormoneller Kontrazeption auftritt. Im Gegensatz zu FNH und Hämangiom hat das Adenom ein relevantes Blutungs- und (abhängig vom Subtyp) Malignitätsrisiko. Die Einteilung in molekulare Subtypen (HNF1α-inaktiviert, β-Catenin-aktiviert, inflammatorisch, unklassifiziert) bestimmt das weitere Vorgehen:
- Adenome > 5 cm: Resektion empfohlen, unabhängig vom Subtyp
- β-Catenin-aktivierte Adenome: Resektion unabhängig von der Größe wegen Malignitätsrisiko
- Adenome unter hormoneller Exposition: Zunächst Absetzen der Kontrazeptiva, Verlaufskontrolle nach 6 Monaten
- Adenome < 5 cm, kein β-Catenin, kein Hormonstatus: engmaschige Bildgebungskontrolle
Einfache und polyzystische Leberzysten
Einfache Leberzysten sind häufig (Prävalenz 5–10 %) und haben keinen Krankheitswert. Eine Therapie ist nur bei Symptomen indiziert (Schmerzen, Raumverdrängung, Ikterus). Optionen: laparoskopische Fenestrierung (Dachziegel-Technik). Bei symptomatischer polyzystischer Lebererkrankung (PLD) im Rahmen einer ADPKD sind in schweren Fällen auch ausgedehnte Resektionen oder eine Lebertransplantation möglich.
Echinokokkose (parasitäre Leberzysten)
Die Echinokokkose der Leber wird durch den Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) oder den Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) verursacht. Die zystische Echinokokkose (E. granulosus) wird je nach Stadium der WHO-Klassifikation medikamentös (Albendazol), interventionell (PAIR: Punktion, Aspiration, Injektion, Re-Aspiration) oder chirurgisch behandelt. Die alveoläre Echinokokkose (E. multilocularis) ist malignomähnlich infiltrierend und erfordert die radikale Resektion; bei irresektablem Befall ist die Lebertransplantation unter dauerhafter Albendazol-Prophylaxe die einzige kurative Option.
Benigne Tumoren – Kurzübersicht
TUMOR
MALIGNITÄTSRISIKO
THERAPIE
Hämangiom
Keines
Keine (außer Symptome)
FNH
Keines
Keine
Adenom < 5 cm
Gering–mittel
Hormonpause, Kontrolle
Adenom > 5 cm
Mittel–hoch
Resektion
Adenom (β-Cat+)
Hoch
Resektion unabh. von Größe
Einfache Zyste
Keines
Keine (außer Symptome)
Bei jedem Leberbefund, der als Zufallsbefund entdeckt wurde, ist eine strukturierte radiologische Abklärung vor Biopsie oder Therapieentscheidung entscheidend. Am LMU Klinikum bieten wir eine spezialisierte Befundungsambulanz für Zufallsbefunde der Leber an – mit Zugang zu allen modernen Bildgebungsmodalitäten und direkter HPB-chirurgischer Expertise
Gallenblasenerkrankungen
Gallenwegchirurgie (Gallenblase)
Cholezystolithiasis – Gallensteine
Gallensteine (Cholezystolithiasis) sind mit einer Prävalenz von ca. 15 % in der deutschen Bevölkerung eine der häufigsten gastrointestinalen Erkrankungen. Die Mehrzahl ist asymptomatisch und erfordert keine Therapie. Symptomatische Gallensteine (Gallenkolik, Cholezystitis) sind die Hauptindikation zur Cholezystektomie.
Die laparoskopische Cholezystektomie ist der Goldstandard der symptomatischen Cholezystolithiasis. Sie wird in der Regel als Eintageschirurgie (Same-Day-Surgery) oder mit einer Übernachtung durchgeführt. Das Verfahren ist sicher, effektiv und hat eine sehr geringe Komplikationsrate in erfahrenen Händen.
Bei gleichzeitiger Choledocholithiasis (Steine im Gallengang) erfolgt entweder eine präoperative endoskopische Steinextraktion (ERCP) oder eine intraoperative Choledochoskopie mit Steinentfernung.
Akute Cholezystitis
Die akute Cholezystitis (Entzündung der Gallenblase) erfordert eine zügige Therapieentscheidung. Bei milder bis moderater Cholezystitis (Tokyo-Klassifikation I–II) ist die frühelektive laparoskopische Cholezystektomie innerhalb von 72 Stunden nach Symptombeginn der bevorzugte Ansatz – mit besseren Ergebnissen als eine intervallmäßige Cholezystektomie. Bei schwerer Cholezystitis (Grad III) mit Organversagen erfolgt zunächst Intensivtherapie und ggf. perkutane Cholezystostomie, gefolgt von der elektiven Cholezystektomie nach Stabilisierung.
Gallenblasenkarzinom
Das Gallenblasenkarzinom ist selten, aber bösartig und häufig erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt – nicht selten als Zufallsbefund nach Cholezystektomie (inzidentelles Gallenblasenkarzinom). Das operative Vorgehen richtet sich nach dem pT-Stadium:
- pT1a: Cholezystektomie allein ausreichend, keine Nachresektion erforderlich
- pT1b: Diskussion im Tumorboard; bei R0-Resektion ggf. keine Nachresektion notwendig
- pT2: Nachresektion mit Resektion des Leberbetts (Segmente IVb/V) und lokoregionärer Lymphadenektomie empfohlen
- pT3/T4: Ausgedehnte Resektion (ggf. Hemihepatektomie, Gallengangsresektion, Gefäßrekonstruktion) bei Resektabilität; sonst systemische Therapie
Bei inzidentellem Gallenblasenkarzinom nach laparoskopischer Cholezystektomie ist die sofortige Vorstellung im HPB-Tumorboard obligat – vor einer weiteren Intervention oder Biopsie.
Gallenblasenkarzinom – pT-Stadien
STADIUM
INVASION
VORGEHEN
pT1a
Mukosa
Cholezystektomie
pT1b
Muskularis
Tumorboard
pT2
Perimusk. Bindegewebe
Nachresektion IVb/V + LK
pT3
Serosa / Leber ≤2cm
Erweiterte Resektion
pT4
Gefäße / Nachbarorgane
Systemtherapie oder Resektion
Wann zur Cholezystektomie?
Indikation besteht bei: symptomatischer Cholezystolithiasis (Koliken, Cholezystitis) · Porzellangallenblase · Gallenblasenpolypen > 10 mm · Gallenblasenpolypen mit Risikomerkmalen · Zufallsbefund Gallenblasenkarzinom. Asymptomatische Gallensteine ohne Risikomerkmale: keine Indikation zur prophylaktischen Cholezystektomie.
Bei der laparoskopischen Cholezystektomie ist die kritische Sichtebene (Critical View of Safety, CVS) vor jeder Durchtrennung am Gallenblasen-Hals obligat. Am LMU Klinikum wird diese Sicherheitstechnik standardmäßig eingesetzt und durch intraoperative Cholangiographie oder ICG-Fluoreszenz ergänzt
Gallenwegchirurgie
Gallenwegchirurgie ·(Rekonstruktion & Striktur)
Die Gallenwegchirurgie umfasst operative Eingriffe am Ductus choledochus, den Leberpfortenstrukturen und der Papilla Vateri. Sie wird erforderlich bei benignen Strikturen, iatrogenen Gallengangsläsionen nach Cholezystektomie, Choledocholithiasis, Gallengangstumoren sowie angeborenen Fehlbildungen (z.B. Choledochuszyste).
Iatrogene Gallengangsläsionen
Die Verletzung des Ductus choledochus oder hepaticus ist die gefürchtetste Komplikation der Cholezystektomie (Inzidenz ca. 0,3–0,5 %). Sie reicht von der partiellen Stenose bis zur vollständigen Durchtrennung. Die Behandlung richtet sich nach dem Läsionstyp (Bismuth-Strasberg-Klassifikation) und dem Zeitpunkt der Entdeckung:
- Intraoperative Entdeckung: Sofortige Rekonstruktion durch erfahrenen Chirurgen, bevorzugt als bilioenterische Anastomose (Hepatikojejunostomie nach Roux-en-Y)
- Postoperative Entdeckung (früh): Abhängig von Läsionstyp und Zustand des Patienten – endoskopische/interventionelle Behandlung oder operative Rekonstruktion nach Bildgebungsabklärung
- Spätstriktur: Operative Rekonstruktion als Hepatikojejunostomie nach Roux-en-Y; Ergebnisse sind bei frühzeitiger und erfahrener Versorgung gut (Langzeitoffenheitsrate > 85 %)
Iatrogene Gallengangsläsionen sollten an einem spezialisierten HPB-Zentrum rekonstruiert werden – die Ergebnisse sind an Zentren mit hohem Volumen signifikant besser als bei dezentraler Versorgung.
Benigne Gallengangstrikturen
Benigne Strikturen des Gallengangs entstehen als Folge von chronischer Pankreatitis, vorangegangenen Operationen, Entzündungen (z.B. IgG4-assoziierte Cholangitis) oder nach Lebertransplantation (ischämische Strikturen). Bei symptomatischen Strikturen mit Cholestase sind endoskopische Dilatation und Stenting (kurzfristig) oder eine operative Rekonstruktion (dauerhaft) indiziert.
Choledochuszysten
Choledochuszysten (Todani-Klassifikation Typ I–V) sind angeborene Erweiterungen der Gallengänge mit erhöhtem Karzinomrisiko. Die vollständige Resektion der Zyste mit bilioenterischer Rekonstruktion ist die Therapie der Wahl und beseitigt gleichzeitig das Karzinomrisiko.
Choledocholithiasis
Gallengangssteine (Choledocholithiasis) können symptomatisch werden durch Koliken, Ikterus, Cholangitis oder Pankreatitis. Therapie: Endoskopische Steinextraktion via ERCP (primäre Methode). Bei Versagen oder Unmöglichkeit der ERCP: operative Choledocholithotomie (laparoskopisch oder offen) mit Steinextraktion und T-Drain-Ableitung oder primärer Choledochojejunostomie bei multiplen Steinen / erweitertem Gallengang.
Gallenwegchirurgie
Gallenwegchirurgie ·(Rekonstruktion & Striktur)
Die Gallenwegchirurgie umfasst operative Eingriffe am Ductus choledochus, den Leberpfortenstrukturen und der Papilla Vateri. Sie wird erforderlich bei benignen Strikturen, iatrogenen Gallengangsläsionen nach Cholezystektomie, Choledocholithiasis, Gallengangstumoren sowie angeborenen Fehlbildungen (z.B. Choledochuszyste).
Iatrogene Gallengangsläsionen
Die Verletzung des Ductus choledochus oder hepaticus ist die gefürchtetste Komplikation der Cholezystektomie (Inzidenz ca. 0,3–0,5 %). Sie reicht von der partiellen Stenose bis zur vollständigen Durchtrennung. Die Behandlung richtet sich nach dem Läsionstyp (Bismuth-Strasberg-Klassifikation) und dem Zeitpunkt der Entdeckung:
- Intraoperative Entdeckung: Sofortige Rekonstruktion durch erfahrenen Chirurgen, bevorzugt als bilioenterische Anastomose (Hepatikojejunostomie nach Roux-en-Y)
- Postoperative Entdeckung (früh): Abhängig von Läsionstyp und Zustand des Patienten – endoskopische/interventionelle Behandlung oder operative Rekonstruktion nach Bildgebungsabklärung
- Spätstriktur: Operative Rekonstruktion als Hepatikojejunostomie nach Roux-en-Y; Ergebnisse sind bei frühzeitiger und erfahrener Versorgung gut (Langzeitoffenheitsrate > 85 %)
Iatrogene Gallengangsläsionen sollten an einem spezialisierten HPB-Zentrum rekonstruiert werden – die Ergebnisse sind an Zentren mit hohem Volumen signifikant besser als bei dezentraler Versorgung.
Benigne Gallengangstrikturen
Benigne Strikturen des Gallengangs entstehen als Folge von chronischer Pankreatitis, vorangegangenen Operationen, Entzündungen (z.B. IgG4-assoziierte Cholangitis) oder nach Lebertransplantation (ischämische Strikturen). Bei symptomatischen Strikturen mit Cholestase sind endoskopische Dilatation und Stenting (kurzfristig) oder eine operative Rekonstruktion (dauerhaft) indiziert.
Choledochuszysten
Choledochuszysten (Todani-Klassifikation Typ I–V) sind angeborene Erweiterungen der Gallengänge mit erhöhtem Karzinomrisiko. Die vollständige Resektion der Zyste mit bilioenterischer Rekonstruktion ist die Therapie der Wahl und beseitigt gleichzeitig das Karzinomrisiko.
Choledocholithiasis
Gallengangssteine (Choledocholithiasis) können symptomatisch werden durch Koliken, Ikterus, Cholangitis oder Pankreatitis. Therapie: Endoskopische Steinextraktion via ERCP (primäre Methode). Bei Versagen oder Unmöglichkeit der ERCP: operative Choledocholithotomie (laparoskopisch oder offen) mit Steinextraktion und T-Drain-Ableitung oder primärer Choledochojejunostomie bei multiplen Steinen / erweitertem Gallengang.
Gallenwegschirurgie
Gallenwegchirurgie (Rekonstruktion & Striktur)
Die Gallenwegchirurgie umfasst operative Eingriffe am Ductus choledochus, den Leberpfortenstrukturen und der Papilla Vateri. Sie wird erforderlich bei benignen Strikturen, iatrogenen Gallengangsläsionen nach Cholezystektomie, Choledocholithiasis, Gallengangstumoren sowie angeborenen Fehlbildungen (z.B. Choledochuszyste).
Iatrogene Gallengangsläsionen
Die Verletzung des Ductus choledochus oder hepaticus ist die gefürchtetste Komplikation der Cholezystektomie (Inzidenz ca. 0,3–0,5 %). Sie reicht von der partiellen Stenose bis zur vollständigen Durchtrennung. Die Behandlung richtet sich nach dem Läsionstyp (Bismuth-Strasberg-Klassifikation) und dem Zeitpunkt der Entdeckung:
- Intraoperative Entdeckung: Sofortige Rekonstruktion durch erfahrenen Chirurgen, bevorzugt als bilioenterische Anastomose (Hepatikojejunostomie nach Roux-en-Y)
- Postoperative Entdeckung (früh): Abhängig von Läsionstyp und Zustand des Patienten – endoskopische/interventionelle Behandlung oder operative Rekonstruktion nach Bildgebungsabklärung
- Spätstriktur: Operative Rekonstruktion als Hepatikojejunostomie nach Roux-en-Y; Ergebnisse sind bei frühzeitiger und erfahrener Versorgung gut (Langzeitoffenheitsrate > 85 %)
Iatrogene Gallengangsläsionen sollten an einem spezialisierten HPB-Zentrum rekonstruiert werden – die Ergebnisse sind an Zentren mit hohem Volumen signifikant besser als bei dezentraler Versorgung.
Benigne Gallengangstrikturen
Benigne Strikturen des Gallengangs entstehen als Folge von chronischer Pankreatitis, vorangegangenen Operationen, Entzündungen (z.B. IgG4-assoziierte Cholangitis) oder nach Lebertransplantation (ischämische Strikturen). Bei symptomatischen Strikturen mit Cholestase sind endoskopische Dilatation und Stenting (kurzfristig) oder eine operative Rekonstruktion (dauerhaft) indiziert.
Choledochuszysten
Choledochuszysten (Todani-Klassifikation Typ I–V) sind angeborene Erweiterungen der Gallengänge mit erhöhtem Karzinomrisiko. Die vollständige Resektion der Zyste mit bilioenterischer Rekonstruktion ist die Therapie der Wahl und beseitigt gleichzeitig das Karzinomrisiko.
Choledocholithiasis
Gallengangssteine (Choledocholithiasis) können symptomatisch werden durch Koliken, Ikterus, Cholangitis oder Pankreatitis. Therapie: Endoskopische Steinextraktion via ERCP (primäre Methode). Bei Versagen oder Unmöglichkeit der ERCP: operative Choledocholithotomie (laparoskopisch oder offen) mit Steinextraktion und T-Drain-Ableitung oder primärer Choledochojejunostomie bei multiplen Steinen / erweitertem Gallengang.
Strasberg-Klassifikation iat. Gallengangsläsionen
TYP
LÄSION
A
Zystikusleck oder Leck kleiner Gallengänge
B
Abklippung eines aberranten R. hepaticus
C
Leck aus aberrantem R. hepaticus ohne Abklippung
D
Partielle Inzision des Choledochus
E1 - E5
Vollständige Durchtrennung (Bismuth I–V)
Bei Verdacht auf Gallengangsläsion nach Cholezystektomie: Sofortige Vorstellung an einem spezialisierten HPB-Zentrum. Keine Primärversuche durch nicht spezialisierte Chirurgen – Nachresektionen verschlechtern das Rekonstruktionsergebnis erheblich.
Bei der operativen Rekonstruktion des Gallengangs ist die Hepatikojejunostomie nach Roux-en-Y die Methode mit den besten Langzeitergebnissen. Am LMU Klinikum wird sie standardmäßig mit Einzelknopfnähten in atraumatischer Technik angelegt und bietet eine Langzeitoffenheitsrate von über 90 % nach 10 Jahren.
Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)
Gallenwegerkrankung (Chronisch-entzündlich)
Die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Gallengänge unbekannter Ätiologie, die zu progressiver Vernarbung und Strikturen der intra- und extrahepatischen Gallenwege führt. Sie ist die häufigste chronische Gallenwegerkrankung bei Erwachsenen in Deutschland und geht in bis zu 80 % der Fälle mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED, meist Colitis ulcerosa) einher.
Die PSC hat kein etabliertes medikamentöses Therapieprinzip – Ursodiol, das über Jahre eingesetzt wurde, hat in randomisierten Studien keinen Überlebensvorteil gezeigt. Die Therapie ist daher im Wesentlichen endoskopisch-interventionell (Dilatation dominanter Strikturen), symptomatisch (Pruritus, Cholangitis) und letztlich transplantationsorientiert.
Chirurgische Therapieoptionen
- Endoskopische Ballondilatation dominanter Strikturen: Bei symptomatischer Cholestase oder rezidivierender Cholangitis durch dominante Strikturen. Mehrfachdilatationen oft erforderlich. Bougierung und Stentanlage als Überbrückung.
- Operative Gallengangssanierung: Selten und nur in ausgewählten Fällen indiziert. Bei dominanter Striktur am Hepatikus-Konfluenz kann eine operative Resektion mit Hepatikojejunostomie erwogen werden.
- Lebertransplantation: Einzige kurative Therapie. Indiziert bei fortgeschrittener Leberinsuffizienz (MELD ≥ 15), rezidivierenden Cholangitiden, hochgradiger Lebensqualitätseinschränkung oder Verdacht auf CCA-Entstehung. Die 5-Jahres-Überlebensrate nach Lebertransplantation bei PSC beträgt 80–85 %.
PSC und Karzinomrisiko
Patienten mit PSC haben ein signifikant erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines cholangiozellulären Karzinoms (CCA): Das Lebenszeitrisiko beträgt 10–15 %. Das CCA bei PSC entsteht häufig auf dem Boden vorbestehender Strikturen und ist radiologisch schwer von benignen Stenosen zu unterscheiden. Die jährliche Surveillance mit MRT/MRCP, CA 19-9 und ggf. ERCP mit Bürstenzytologie ist obligat.
Darüber hinaus besteht bei Patienten mit PSC und Colitis ulcerosa ein erhöhtes kolorektales Karzinomrisiko, das jährliche Koloskopien erforderlich macht.
PSC-Charakteristika
PARAMERER
WERT
Assoziation mit CED
70–80 % (meist CU)
CCA-Lebenszeitrisiko
10–15 %
Kolorekt. Karzinomrisiko (mit CU)
Erhöht, jährl. Koloskopie
Tx-Überleben 5 Jahre
80–85 %
PSC-Rezidiv nach Tx
Ca. 20 % nach 10 Jahren
Surveillance-Empfehlung bei PSC: MRT/MRCP jährlich · ERCP bei klinischer Verschlechterung oder auffälligem MRT · CA 19-9 halbjährlich · Koloskopie jährlich (bei PSC+CU) · Leberfunktionsparameter alle 3–6 Monate.
Bei der operativen Rekonstruktion des Gallengangs ist die Hepatikojejunostomie nach Roux-en-Y die Methode mit den besten Langzeitergebnissen. Am LMU Klinikum wird sie standardmäßig mit Einzelknopfnähten in atraumatischer Technik angelegt und bietet eine Langzeitoffenheitsrate von über 90 % nach 10 Jahren.
Interdisziplinäre Betreuung am LMU Klinikum
PSC-Patienten werden am LMU Klinikum im Rahmen eines spezialisierten multidisziplinären Programms betreut, das Gastroenterologie/Hepatologie, interventionelle Endoskopie, HPB-Chirurgie, Transplantationsmedizin und Pathologie vereint. Ziel ist es, den Zeitpunkt zur Listung zur Lebertransplantation optimal zu bestimmen – weder zu früh noch zu spät.
Die PSC ist eine komplexe Erkrankung, die eine lebenslange, spezialisierte multidisziplinäre Betreuung erfordert. Das LMU Klinikum bietet als Lebertransplantationszentrum mit integrierter Hepatologie und Gallenwegchirurgie optimale Voraussetzungen für die umfassende Versorgung von PSC-Patienten.
Operative Zugänge
Laparoskopisch, Roboterassistiert & Offen
Am LMU Klinikum stehen alle drei operativen Zugangswege zur Verfügung. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach der Erkrankung, der Anatomie, dem Allgemeinzustand des Patienten und onkologischen Erfordernissen – nicht nach dem verfügbaren Equipment.
Minimal-invasiv
Laparoskopische Chirurgie
Der laparoskopische Zugang ist der Standard für die Cholezystektomie und zunehmend auch für Leberresektionen kleiner und mittlerer Ausdehnung. Kleinste Schnitte (5–12 mm Trokare), HD-Kamera mit 10–30-facher Vergrößerung, präzise Gewebedarstellung. Vorteile: signifikant weniger postoperative Schmerzen, kürzerer Krankenhausaufenthalt, schnellere Erholung und Rückkehr zur Arbeit, geringere Wundkomplikationen.
Eingesetzt bei: Cholezystektomie · Leberresektionen bis zur Hemihepatektomie (selektiert) · Linke Lateralsegmentektomie · Ablationsverfahren
Roboterassistiert
Robotische Chirurgie (da Vinci)
Das da Vinci-Robotersystem ergänzt die laparoskopische Chirurgie durch artikulierbare Instrumente (EndoWrist-Technologie), dreidimensionale HD-Visualisierung, Zittertremor-Filterung und verbesserte Ergonomie. Die erhöhte Beweglichkeit der Instrumente ermöglicht präzisere Nähte und Dissektionen in engen Räumen – besonders vorteilhaft bei Gallengangsrekonstruktionen, Hilusresektionen und anatomisch komplexen Leberresektionen. Am LMU Klinikum wird das roboterassistierte Verfahren zunehmend für komplexere HPB-Eingriffe eingesetzt.
Eingesetzt bei: Komplexe Cholezystektomien · Gallengangsrekonstruktionen · Ausgewählte Leberresektionen · Erweiterte Eingriffe am Leberhilus
Klassisch-offen
Offene Chirurgie
Der offene Zugang – in der Lebertransplantations- und HPB-Chirurgie meist als rechtsseitige Subkostalschnitt (J-Schnitt) oder Oberbauchquerschnitt – bleibt der Standard für große onkologische Resektionen, komplexe Rekonstruktionen, ALPPS-Prozeduren und alle Transplantationen. Er bietet die optimale Übersicht und taktile Kontrolle bei maximaler Resektionsausdehnung. Für Patienten ist er mit einer längeren Erholungszeit verbunden, die durch unser erfahrenes interdisziplinäres Nachsorgeteam strukturiert begleitet wird.
Eingesetzt bei: Hemihepatektomien · Trisegmentektomien · ALPPS · Lebertransplantation · Alle Gallengangsrekonstruktionen bei Läsion Typ E
Intraoperative Technologien
Intraoperativer Ultraschall (IOUS)
Standardmäßig bei allen Leberresektionen. Identifikation okkulter Läsionen, Beurteilung von Resektionsgrenzen, Darstellung von Gefäßanatomie in Echtzeit.
ICG-Fluoreszenz-Navigation
Intraoperative Darstellung von Tumorgrenzen, Gallengangsanatomie und Segmentgrenzen unter Nah-Infrarot-Licht (NIR). Zunehmend Standard in der laparoskopischen und robotischen HPB-Chirurgie.
Intraoperative Schnellschnitthistologie
Unmittelbare histologische Beurteilung von Resektionsrändern, Lymphknoten und unklaren Befunden während der Operation. Ermöglicht Anpassung der Resektionsstrategie in Echtzeit.
Intraoperative Cholangiographie
Röntgendarstellung der Gallengänge nach Kontrastmittelinjektion. Identifikation der Gallengangsanatomie vor Durchtrennung, Ausschluss verbliebener Gallengangskonkremente.
Enhanced Recovery After Surgery (ERAS): Das LMU Klinikum implementiert konsequent das ERAS-Protokoll für alle HPB-Eingriffe: präoperative Kohlenhydratbeladung, kurze Nüchternzeiten, Regionalanästhesie/TAP-Block, restriktives Infusionsmanagement, frühzeitige Mobilisation und enterale Ernährung. Dies verkürzt den Krankenhausaufenthalt und reduziert Komplikationen signifikant.
Informationen über unsere Sprechstundenzeiten und die Terminvereinbarung finden Sie unter folgendem Link:
Stationäre Patienten melden Sie bitte bei unserem Zentralen Patientenmanagement an. Weitere Informationen erhalten Sie unter folgendem Link: