Transplantationschirurgie
Leber-, Nieren- Pankreas- und Dünndarmtransplantation
Das Transplantationszentrum des LMU Klinikums München ist eines der größten und erfahrensten Zentren für viszerale Organtransplantation in Deutschland. Seit Jahrzehnten behandeln wir Patienten mit terminalem Organversagen – von der ersten Diagnose und der Aufnahme auf die Warteliste über die Operation bis hin zur lebenslangen Nachsorge.
Wir bieten das vollständige Spektrum der viszeralen Organtransplantation: Leber (postmortal und Lebendspende), Niere (postmortal und Lebendspende), Pankreas sowie Dünndarm – für Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Die pädiatrische Transplantationsmedizin wird in enger Kooperation mit dem Dr. von Haunerschen Kinderspital durchgeführt, das auf demselben Campus angesiedelt ist.
Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal unseres Zentrums ist das größte und aktivste Programm zur maschinellen Organperfusion im Eurotransplant-Verbund. Mit über 60 Perfusionen pro Jahr sind wir führend in der Anwendung dieser Technologie, die die Organqualität verbessert, die sichere Konservierungszeit verlängert und die Beurteilung der Organvitalität vor Transplantation ermöglicht.
Neben unserer klinischen Arbeit engagiert sich das Transplantationszentrum intensiv in der klinischen und translationalen Forschung. Wir sind an zahlreichen multizentrischen Studien beteiligt und betreiben eigene Forschungsprogramme zu Maschinenperfusion, Immunsuppression und Langzeitergebnissen nach Transplantation.
Unser interdisziplinäres Team umfasst erfahrene Transplantationschirurgen, Hepatologen, Nephrologen, Endokrinologen, Intensivmediziner, Transplantationskoordinatoren, Psychologen, Sozialdienst sowie spezialisierte Transplantationspflegekräfte. Alle Entscheidungen werden im Rahmen einer wöchentlichen interdisziplinären Transplantationskonferenz getroffen.
Die Transplantationskoordinatoren des LMU Klinikums sind rund um die Uhr erreichbar und koordinieren alle Aspekte der Organspende, Zuteilung und Logistik. Sie sind erste Ansprechpartner für Patienten, Angehörige, Zuweiser und Partnerkliniken.
Das LMU Klinikum München ist anerkanntes Eurotransplant-Zentrum und nimmt an der nationalen und europäischen Organallokation über die DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation) und Eurotransplant teil. Alle Aktivitäten des Zentrums unterliegen der strengen Qualitätskontrolle nach §10 TPG sowie den Richtlinien der Bundesärztekammer.
Unsere Zentrumsphilosophie:
Patientensicherheit, chirurgische Exzellenz und klinische Innovation. Jeder Patient wird individuell und im Konsens des multidisziplinären Teams betreut – von der ersten Vorstellung bis zur lebenslangen Nachsorge.
Vollständiges Spektrum der Viszeralen Organtransplantation
Leistungsspektrum
Wir transplantieren alle viszeralen Organe – für Erwachsene und Kinder – mit höchster chirurgischer Expertise und umfassender Vor- und Nachsorge. Alle Verfahren werden am Campus Großhadern durchgeführt, der über modernste OP-Infrastruktur und eine spezialisierte Transplantations-Intensivstation verfügt.
Lebertransplantation
Leber (postmortale Spende)
Die Lebertransplantation ist die einzige kurative Therapieoption bei terminalem Leberversagen und bestimmten primären Lebertumoren. Am LMU Klinikum führen wir 70–80 Lebertransplantationen pro Jahr durch und gehören damit zu den volumenstärksten Zentren in Deutschland.
Spenderorgane werden im Rahmen des Eurotransplant-Verbundes über die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) zugeteilt. Die Allokation erfolgt anhand des MELD-Scores (Model for End-Stage Liver Disease), der die Dringlichkeit der Transplantation widerspiegelt. Hochdringliche Patienten (HU-Status) werden vorrangig berücksichtigt.
Operative Technik: Die erkrankte Leber wird vollständig entfernt (Hepatektomie) und die Spenderleber in orthotoper Position implantiert. Die Gallengänge werden in der Regel mittels End-zu-End-Choledochocholedochostomie rekonstruiert. In ausgewählten Fällen – insbesondere bei pädiatrischen Empfängern oder vorangegangenen Gallengangserkrankungen – wird eine Roux-en-Y-Hepaticojejunostomie angelegt.
Indikationen (Auswahl)
- Leberzirrhose: verschiedener Ätiologie: äthyltoxisch, viral (HBV, HCV), autoimmun, nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH/MASH), kryptogen
- Hepatozelluläres Karzinom (HCC): innerhalb der Milan-Kriterien (≤ 1 Herd ≤ 5 cm oder ≤ 3 Herde ≤ 3 cm) sowie erweiterte Kriterien nach individueller Prüfung (UCSF-Kriterien)
- Cholangiozelluläres Karzinom (CCA): in ausgewählten Fällen nach neoadjuvanter Therapie
- Akutes Leberversagen: (z.B. durch Paracetamol-Intoxikation, Amanita-Vergiftung, akute Virushepatitis) – höchste Dringlichkeitsstufe HU
- Cholestatische Erkrankungen: Primär sklerosierende Cholangitis (PSC), Primär biliäre Cholangitis (PBC)
- Metabolische Erkrankungen: Morbus Wilson, α₁-Antitrypsinmangel, hereditäre Hämochromatose, familiäre Amyloidpolyneuropathie (FAP)
- Pädiatrische Indikationen: Gallengangsatresie (häufigste pädiatrische Indikation), Alagille-Syndrom, progressive familiäre intrahepatische Cholestase (PFIC)
- Budd-Chiari-Syndrom: bei Versagen konservativer und interventioneller Therapie
- Irresektable kolorektale Lebermetastasen (CRLM): Lebertransplantation bei streng selektierten Patienten mit auf die Leber beschränkten, chemotherapierefraktären oder irresektablen Metastasen eines kolorektalen Karzinoms – im Rahmen klinischer Studien (siehe unten)
Studienprogramm: Lebertransplantation bei kolorektalen Lebermetastasen
Die Transplantation bei irresektablen kolorektalen Lebermetastasen (CRLM) ist eine der spannendsten Entwicklungen in der modernen Transplantationsonkologie. Erste skandinavische Daten (SECA-Studien) haben gezeigt, dass sorgfältig selektierte Patienten von einer Lebertransplantation erheblich profitieren können – mit 5-Jahres-Überlebensraten von bis zu 83 % bei günstiger Tumorbiologie. Das LMU Klinikum hat als eines der ersten Zentren in Deutschland zwei eigene Studienprotokolle für diesen Ansatz initiiert und rekrutiert aktiv.
Postmortale Spende
TRANSMIT
Transplantation von postmortalen Spenderlebern bei Patienten mit irresektablen kolorektalen Lebermetastasen. Ziel der Studie ist die Evaluation von Sicherheit, Machbarkeit und onkologischen Langzeitergebnissen der Lebertransplantation als kuratives Konzept bei streng selektierten CRLM-Patienten im Rahmen des regulären Eurotransplant-Allokationssystems.
Lebendspende
RAPID-MUC
Basierend auf dem norwegischen RAPID-Konzept (Resection And Partial liver segment 2–3 transplantation with delayed total hepatectomy): Zunächst wird der Tumor-tragende Anteil der Eigenleber reseziert und ein Lebendspende-Segment implantiert. Nach Regeneration des Transplantats erfolgt in einem zweiten Schritt die Entfernung des verbleibenden Eigenleberanteils. Dieses Verfahren nutzt die Leberregeneration gezielt und ermöglicht eine kurative Transplantation ohne Inanspruchnahme des postmortalen Spenderpools.
Einschlusskriterien (allgemein): Histologisch gesichertes kolorektales Karzinom mit auf die Leber beschränkten Metastasen · Irresektabilität durch ein erfahrenes hepatobiliäres Chirurgenteam bestätigt · Stabile Erkrankung oder Ansprechen unter systemischer Therapie · Kein extrahepatischer Tumor · Ausreichende Leberfunktion und Allgemeinzustand · Ausführliche interdisziplinäre Fallbesprechung. Für eine individuelle Prüfung der Studieneignung wenden Sie sich bitte an unser Transplantationszentrum.
Listung und Warteliste
Die Entscheidung zur Listung wird in unserer wöchentlichen Transplantationskonferenz getroffen. Vorab erfolgt eine umfassende Evaluation durch alle beteiligten Fachdisziplinen: Hepatologie, Transplantationschirurgie, Kardiologie, Anästhesiologie, Psychosomatik und ggf. weitere Spezialisten.
Der MELD-Score (berechnet aus Kreatinin, Bilirubin und INR) bestimmt die Position auf der Eurotransplant-Warteliste und wird alle 90 Tage – oder bei klinischer Verschlechterung jederzeit – aktualisiert. Ausnahmen (Standard Exceptions, SE) ermöglichen eine höhere Einstufung für Diagnosen, die der MELD-Score unzureichend abbildet, insbesondere beim HCC.
Split-Leber-Transplantation
Die Split-Leber-Transplantation erlaubt es, eine einzige Spenderleber in zwei funktionsfähige Teilorgane aufzuteilen und damit zwei Empfänger gleichzeitig zu versorgen. Das LMU Klinikum ist eines der erfahrensten Zentren Deutschlands für dieses anspruchsvolle Verfahren.
Die Aufteilung erfolgt anatomisch entlang des Canthlie'schen Ligaments (Rex-Cantlie-Linie). Je nach Splitstrategie erhält ein erwachsener Empfänger den rechten Lappen (Segmente V–VIII, ca. 60–65 % des Organvolumens) und ein pädiatrischer Empfänger den linken Lappen (Segmente II–III, ca. 20–25 % des Organvolumens). Alternativ kann die Leber für zwei erwachsene Empfänger in rechten (Seg. V–VIII) und linken Lappen (Seg. II–IV) aufgeteilt werden.
Das Split-Verfahren erfordert besondere chirurgische Expertise und eine sorgfältige Planung der Gefäß- und Gallengangsanatomie. An unserem Zentrum wird die maschinelle Ex-situ-Perfusion (HOPE) routinemäßig genutzt, um auch gesplittete Teilorgane unter optimalen Bedingungen zu konditionieren.
Die Split-Leber-Transplantation ist ein wichtiges Instrument zur Erweiterung des Spenderpools. Am LMU Klinikum wird sie insbesondere eingesetzt, um pädiatrischen Patienten rasch Zugang zu einem geeigneten Organ zu verschaffen und gleichzeitig erwachsene Empfänger zu versorgen.
Nachsorge nach Lebertransplantation
Die lebenslange Nachsorge ist ein integraler Bestandteil der Transplantationsmedizin. In unserem spezialisierten Transplantationszentrum werden die Patienten engmaschig betreut: In den ersten drei Monaten nach Transplantation erfolgen wöchentliche, danach monatliche und schließlich vierteljährliche Kontrollen.
Inhalte der Nachsorge umfassen Überwachung der Immunsuppression (Tacrolimus-Spiegel, Nebenwirkungsmanagement), Transplantatfunktion (Laborparameter, Bildgebung, ggf. Biopsie), Prävention von Transplantatarteriopathie und Malignomen sowie metabolisches Monitoring (Diabetes, Dyslipidämie, Knochengesundheit).
Leberlebendspende
Was ist Leberlebendspende?
Bei der Leberlebendspende (Living Donor Liver Transplantation, LDLT) wird ein definierter Teil der Leber eines gesunden, freiwilligen Spenders entnommen und dem Empfänger transplantiert. Die Leber besitzt eine einzigartige Regenerationsfähigkeit: Sowohl das beim Spender verbleibende Organ als auch das transplantierte Teilorgan regenerieren sich innerhalb von 6–8 Wochen auf nahezu ihr ursprüngliches Volumen.
Die Leberlebendspende ermöglicht es, Patienten auf der Warteliste frühzeitig und unabhängig von der Verfügbarkeit postmortaler Spenderorgane zu transplantieren. Dies ist besonders bedeutsam für Kinder mit Gallengangsatresie und anderen pädiatrischen Lebererkrankungen, bei denen geeignete kindgerechte Postmortalspenden selten sind.
Spender
Entnommener Lappen regeneriert sich vollständig (6–8 Wochen) · Stationärer Aufenthalt ca. 7–10 Tage
Empfänger
Rechter Lappen für Erwachsene · Linker Lappen für Kinder und kleinere Erwachsene
Sicherheit des Spenders hat absoluten Vorrang: Das Spenderrisiko ist bei sorgfältiger Selektion und erfahrenem Zentrum gering. Die perioperative Mortalität liegt international bei < 0,1–0,5 %. Schwere Komplikationen (z.B. Galleleck, Blutung) treten in spezialisierten Zentren in weniger als 5 % der Fälle auf. Am LMU Klinikum steht der Schutz des Spenders an erster Stelle – eine Spende findet nur dann statt, wenn das Risiko für den Spender als vertretbar eingestuft wird.
Wer kann spenden?
Nach deutschem Transplantationsgesetz (§8 TPG) darf die Lebendspende nur zwischen genetisch verwandten Personen (bis zum dritten Grad), Ehepartnern, eingetragenen Lebenspartnern oder Personen stattfinden, die dem Empfänger in besonderer persönlicher Verbundenheit nahestehen. Eine kommerzielle Organvermittlung ist strikt untersagt.
Medizinische Voraussetzungen
- Alter 18–60 Jahre (Ausnahmen nach individueller Prüfung möglich)
- Guter Allgemeinzustand, BMI idealerweise < 30 kg/m²
- Keine relevanten Komorbiditäten (Herz, Lunge, Niere, Stoffwechsel)
- Keine maligne Erkrankung in der Vorgeschichte
- Verbleibendes Lebervolumen beim Spender > 30 % des Gesamtvolumens
- Günstige Gefäßanatomie (Arterie, Pfortader, Lebervene)
- Unkomplizierte Gallengangsanatomie ohne relevante Varianten
- Normwertige Leberfunktion, Lebersteatose < 10 %
Spendersegmente und Empfänger
- Rechter Lappen (Seg. V–VIII): Für erwachsene Empfänger. Größtes Segment, ca. 60–65 % des Lebervolumens. Höheres Risiko für den Spender.
- Linker Lappen (Seg. II–IV): Für kleinere Erwachsene oder Jugendliche. Ca. 35–40 % des Lebervolumens.
- Linker Lateralsegment (Seg. II–III): Für Kleinkinder und Säuglinge. Geringstes Risiko für den Spender, ca. 20–25 % des Lebervolumens.
Evaluationsprozess – Schritt für Schritt
Die Evaluation eines potenziellen Leberlebendspenders ist ein strukturierter, mehrstufiger Prozess, der mehrere Wochen in Anspruch nimmt. Er dient ausschließlich dem Schutz des Spenders und folgt den Richtlinien der Bundesärztekammer sowie den Vorgaben des Transplantationsgesetzes.
- Erstkontakt & Informationsgespräch: Ausführliches Informationsgespräch mit einem Transplantationsarzt und einem Transplantationskoordinator. Übergabe des Aufklärungsmaterials. Keine Verpflichtung, kein Druck – der Spender kann sich jederzeit ohne Konsequenzen zurückziehen.
- Blutuntersuchungen & Blutgruppenbestimmung: Großes Blutbild, Leberfunktionsparameter, Nierenretentionswerte, Gerinnung, HbA1c, Lipidstatus, Schilddrüsenwerte. Serologie auf Hepatitis B/C, HIV, CMV, EBV. Blutgruppenbestimmung und Kreuzprobe mit dem Empfänger.
- Bildgebung: MRT-Volumetrie & CT-Angiographie: Dreidimensionale Darstellung der Leberanatomie, präzise Volumetrie der einzelnen Lebersegmente. Beurteilung der arteriellen und portalvenösen Anatomie sowie der Gallengänge. Ausschluss von Lebersteatose oder anderen Parenchymveränderungen.
- Internistische & kardiologische Evaluation: Vollständige internistische Untersuchung inkl. EKG, Belastungs-EKG, Echokardiographie und Lungenfunktion. Beurteilung der Narkosefähigkeit durch die Anästhesiologie. Ausschluss relevanter kardiovaskulärer Risikofaktoren.
- Gastroenterologische Untersuchung: Koloskopie zum Ausschluss kolorektaler Neoplasien. Ggf. Gastroskopie. Beurteilung des Allgemeinzustands des Gastrointestinaltrakts.
- Psychologische & psychosomatische Evaluation: Ausführliches Gespräch mit einem unabhängigen Psychologen oder Psychosomatiker. Beurteilung der Freiwilligkeit, des Informationsstands, der emotionalen Stabilität sowie der Motivationslage. Ausschluss psychischer Erkrankungen, die einer Spende entgegenstehen.
- Sozialberatung: Beratung zu rechtlichen Aspekten, Lohnfortzahlung während der Erholungszeit, Kostenübernahme und langfristiger Nachsorge. Klärung versicherungsrechtlicher Fragen.
- Ethikvotum der Lebendspendekommission: Unabhängige Begutachtung durch die Lebendspendekommission gemäß §8 TPG. Die Kommission prüft insbesondere die Freiwilligkeit der Spende und das Ausschlussverfahren für Kontraindikationen. Erst nach positivem Votum kann die Operation geplant werden.
- Abschlussgespräch & OP-Planung: Letzte Fragen werden im Vier-Augen-Gespräch mit dem Chirurgen besprochen. Individuelle OP-Planung anhand der Bilddaten. Koordination der Aufnahme- und Operationstermine für Spender und Empfänger.
Potentielle Spender können jederzeit und ohne Angabe von Gründen aus dem Evaluationsprozess aussteigen – an jedem Punkt, bis unmittelbar vor der Operation, und ohne jegliche Konsequenz für das Verhältnis zum Empfänger. Das Transplantationsteam steht ausschließlich auf der Seite des Spenders und ist dem Empfänger gegenüber zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Nierentransplantation
Niere (postmortale Spende)
Die Nierentransplantation ist die Therapie der Wahl bei terminaler Niereninsuffizienz (Glomeruläre Filtrationsrate < 15 ml/min). Im Vergleich zur chronischen Hämodialyse oder Peritonealdialyse verbessert sie Lebensqualität und Langzeitüberleben erheblich. Patienten mit funktionierendem Nierentransplantat haben eine etwa doppelt so hohe 5-Jahres-Überlebensrate wie dialysepflichtige Patienten auf der Warteliste.
Das LMU Klinikum transplantiert sowohl postmortale Spendernieren als auch Nieren von Lebendspendern – für Erwachsene und Kinder. Die Zuteilung postmortaler Organe erfolgt über Eurotransplant nach den Kriterien Wartezeit, Blutgruppenkompatibilität, HLA-Übereinstimmung und medizinischer Dringlichkeit.
Das operative Prinzip
Die Spenderniere wird heterotop implantiert – d.h. nicht an der anatomischen Position der Eigennieren, sondern in der rechten oder linken Fossa iliaca (Beckenschaufel). Die eigenen, erkrankten Nieren werden in der Regel belassen. Die Nierenarterie wird an die Arteria iliaca externa oder interna, die Nierenvene an die Vena iliaca externa anastomosiert. Der Ureter wird direkt in die Harnblase implantiert (Ureterozystoneostomie nach Lich-Gregoir).
Die heterotope Implantation bietet praktische Vorteile: Die neue Niere liegt oberflächlich und ist für Biopsien gut zugänglich. Die Eigennieren müssen nicht entfernt werden (es sei denn, sie verursachen Beschwerden, z.B. bei Zystennieren).
Häufige Indikationen
- Diabetische Nephropathie: Häufigste Ursache der terminalen Niereninsuffizienz in Deutschland (ca. 30 % der Listungen)
- Chronische Glomerulonephritis: IgA-Nephropathie, membranoproliferative GN, fokal-segmentale Glomerulosklerose (FSGS)
- Hypertensive Nephropathie: Chronische Nierenschädigung durch nicht eingestellten Bluthochdruck
- Autosomal dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD): Häufigste erbliche Nierenerkrankung, Zystenbildung führt zur terminalen Insuffizienz
- Lupusnephritis: Nierenbeteiligung bei systemischem Lupus erythematodes
- Interstitielle Nephritis: Durch Infektionen, Medikamente oder immunologische Prozesse
- Pädiatrische Nierenerkrankungen: Kongenitale Fehlbildungen, Nephronophthise, Alport-Syndrom
Re-Transplantation: Bei Transplantatversagen nach vorangegangener Nierentransplantation
Warteliste und Zuteilung
Die Aufnahme auf die Warteliste erfolgt nach umfassender interdisziplinärer Evaluation. Die mediane Wartezeit für eine Nierentransplantation beträgt in Deutschland derzeit 7–8 Jahre. Die Lebendspendetransplantation ermöglicht eine signifikante Verkürzung dieser Wartezeit und wird daher aktiv gefördert.
Immunsuppression nach Nierentransplantation
Eine lebenslange Immunsuppression ist nach Nierentransplantation notwendig, um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern. Standardprotokoll am LMU Klinikum ist eine Dreifachimmunsuppression mit Tacrolimus, Mycophenolatmofetil (MMF) und einem Kortikosteroid. Die Dosen werden individuell anhand von Talspiegelmessungen und klinischem Verlauf angepasst.
Maschinelle Nierenperfusion (HMP – Hypothermic Machine Perfusion) wird am LMU Klinikum routinemäßig eingesetzt. Sie verbessert die Organqualität, reduziert die Rate an Delayed Graft Function (DGF) und ermöglicht eine Beurteilung der Organvitalität vor Transplantation.
Nierenlebendspende
Niere (Lebendspende)
Was ist Nierenlebendspende?
Bei der Nierenlebendspende wird eine der beiden gesunden Nieren eines freiwilligen Spenders entnommen und dem Empfänger transplantiert. Der Spender lebt dauerhaft mit nur einer Niere: Die verbleibende Niere übernimmt durch kompensatorische Hypertrophie die Funktion beider Organe nahezu vollständig. Die Lebenserwartung des Spenders wird durch die Spende nicht verkürzt – Studien belegen, dass gut selektierte Lebendspender eine normale Lebenserwartung haben.
Die Nierenlebendspende bietet gegenüber der postmortalen Spende entscheidende Vorteile: Die Wartezeit auf der Eurotransplant-Liste entfällt, die Operation kann elektiv und optimal geplant werden, die Ischämiezeit ist wesentlich kürzer (meist unter 60 Minuten), und die Langzeitergebnisse sind deutlich besser. Lebendspende-Nierentransplantate funktionieren im Median 15–20 Jahre, postmortale Spendernieren 10–12 Jahre.
Spender
Lebt dauerhaft mit einer Niere · Normale Lebenserwartung · Stationärer Aufenthalt ca. 5–7 Tage · Arbeitsfähigkeit nach ca. 4–6 Wochen
Empfänger
Niere wird heterotop in Fossa iliaca implantiert · Kurze Ischämiezeit · Exzellente Langzeitergebnisse
Wer kann spenden?
Wie bei der Leberlebendspende gelten die Bestimmungen des §8 TPG: Die Spende ist nur zwischen genetisch oder emotional nahestehenden Personen erlaubt. Zusätzlich bieten wir das Crossover-Programm an, bei dem blutgruppeninkompatible Spender-Empfänger-Paare untereinander getauscht werden.
Medizinische Eignungskriterien
Alter 18–70 Jahre (individuelle Prüfung)
Normwertige Nierenfunktion beidseits (GFR > 80 ml/min)
Keine relevante Proteinurie (< 300 mg/24h)
Normaler oder gut eingestellter Blutdruck
Kein insulinpflichtiger Diabetes mellitus
Keine maligne Erkrankung in der Anamnese (Ausnahmen möglich)
Geeignete Gefäßanatomie (Nierenarterie, Nierenvene)
Kein Nierensteinleiden, keine chronischen Harnwegsinfekte
Besondere Angebote
Laparoskopische Spendernephrektomie: Minimal-invasiv, kleine Narben, kurze Hospitalisierung, rasches Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit
Crossover-Spendeprogramm: Vermittlung über Eurotransplant bei ABO-Inkompatibilität oder positivem Crossmatch
Langzeit-Spendernachsorge: Strukturierte Kontrollen über 10 Jahre nach Spende mit Nierenprotektionsberatung
Präemptive Transplantation: Transplantation vor Dialysepflicht, wenn GFR unter 15 ml/min
Evaluationsprozess – Schritt für Schritt
Der Evaluationsprozess für Nierenlebendspender ist dem der Leberlebendspende ähnlich und folgt denselben rechtlichen Anforderungen. Er dauert in der Regel 4–8 Wochen.
- Erstkontakt & Informationsgespräch: Ausführliches Aufklärungsgespräch mit einem Transplantationsnephrologen und Transplantationskoordinator. Übergabe von Informationsmaterial. Keine Verpflichtung.
- Labordiagnostik & Blutgruppenbestimmung: Nierenfunktionsparameter (Kreatinin, Cystatin C, GFR-Bestimmung nach CKD-EPI), 24-Stunden-Urinsammlung (Proteinurie, Kreatinin-Clearance). Blutbild, Gerinnung, Leberwerte. Virusserologie. HLA-Typisierung und Kreuzprobe mit dem Empfänger.
- Bildgebung: CT-Angiographie (oder MRT): Dreidimensionale Darstellung der renalen Gefäßanatomie beider Nieren. Beurteilung von Anzahl und Verlauf der Nierenarterien und -venen. Ausschluss von Zysten, Steinen oder Tumoren. Grundlage der Seitenauswahl (in der Regel wird die anatomisch weniger günstige Niere entnommen).
- Internistische & kardiologische Untersuchung: EKG, ggf. Ergometrie und Echokardiographie. Langzeit-Blutdruckmessung. Ausschluss von Diabetes mellitus (oGTT). Beurteilung des metabolischen Risikoprofils. Narkosefähigkeitsbeurteilung durch die Anästhesiologie.
- Urologische Evaluation: Urinkultur zum Ausschluss von Harnwegsinfekten. Bildgebung der ableitenden Harnwege. Ausschluss behandlungsbedürftiger Nierensteine.
- Psychologische Evaluation: Gespräch mit einem unabhängigen Psychologen. Beurteilung von Freiwilligkeit, Motivation, Informationsstand und psychischer Belastbarkeit. Ausschluss von Erkrankungen oder äußerem Druck als Kontraindikation.
- Ethikvotum der Lebendspendekommission: Unabhängige Begutachtung gemäß §8 TPG durch die Lebendspendekommission der Landesärztekammer Bayern.
- OP-Planung & Terminierung: Individuelle chirurgische Planung, koordinierte Termine für Spender und Empfänger. Präoperative Aufklärung durch den Operateur.
Auch bei der Nierenlebendspende gilt: Potentielle Spender können jederzeit und ohne Angabe von Gründen aussteigen – ohne Konsequenzen. Das Transplantationsteam ist dem Spender gegenüber zur absoluten Vertraulichkeit verpflichtet.
Pankreastransplantation
Die Pankreastransplantation ist die einzige Therapie, die bei Patienten mit Typ-1-Diabetes mellitus eine dauerhafte Normoglykämie ohne exogene Insulinzufuhr wiederherstellt. Das transplantierte Pankreas übernimmt die endokrine Funktion vollständig und reguliert den Blutzucker physiologisch, sodass die Patienten keine Insulininjektionen mehr benötigen.
Da Typ-1-Diabetes häufig mit einer terminalen Niereninsuffizienz einhergeht (diabetische Nephropathie), wird die Pankreastransplantation in den meisten Fällen gleichzeitig mit einer Nierentransplantation durchgeführt. Diese kombinierte Operation bietet die besten Langzeitergebnisse und ist mit einer Transplantation effizienter als sequenzielles Vorgehen.
Technisch wird das Spenderpankreas mit einem Duodenalsegment abdominell implantiert. Die Anastomosen werden an die Iliacalgefäße angelegt; der exokrine Anteil des Pankreas wird in der Regel enteral drainiert (Duodenojejunostomie).
Verfahren im Überblick
- SPK – Simultane Pankreas-Nieren-Transplantation: Gleichzeitige Transplantation von Pankreas und Niere in einer einzigen Operation. Häufigste und erfolgreichste Form. Langzeitfunktionsraten des Pankreasgrafts bei 5 Jahren > 70 %. Indiziert bei Typ-1-Diabetes mit GFR < 20 ml/min oder Dialysepflicht.
- PAK – Pankreas nach Niere: Pankreastransplantation bei einem Patienten, der bereits eine Nierentransplantation erhalten hat und ein gut funktionierendes Nierentransplantat besitzt. Erlaubt die sequenzielle Optimierung beider Organe. Etwas schlechtere Langzeitergebnisse als SPK.
- PTA – Isolierte Pankreastransplantation: Seltenere Indikation ohne begleitende Niereninsuffizienz. Indiziert bei Patienten mit instabilem, schlecht einstellbarem Typ-1-Diabetes mit rezidivierenden schweren Hypoglykämien, Hypoglykämiewahrnehmungsstörung oder progredienten sekundären Komplikationen trotz optimaler medizinischer und technologischer Therapie (z.B. Insulinpumpe, CGM).
Indikationen und Patientenselektion
- Typ-1-Diabetes mellitus mit terminaler Niereninsuffizienz (primäre Indikation SPK)
- Instabiler Typ-1-Diabetes: schwere, rezidivierende Hypoglykämien trotz optimierter Therapie
- Hypoglykämiewahrnehmungsstörung (Hypoglycemia Unawareness) mit lebensbedrohlichen Episoden
- Progrediente Sekundärkomplikationen: Neuropathie, Retinopathie, autonome Dysfunktion
- Ausgewählte Fälle von Typ-3c-Diabetes (pankreatopriver Diabetes, z.B. nach Pankreatektomie)
Kontraindikationen (Auswahl)
- Schwere kardiovaskuläre Erkrankung (Herzinsuffizienz, kürzlicher Herzinfarkt) ohne Sanierbarkeit
- Aktive maligne Erkrankung oder maligne Erkrankung in den letzten 2–5 Jahren (je nach Entität)
- Schwere periphere arterielle Verschlusskrankheit
- Aktive Infektion oder laufende Dialyse ohne ausreichende Compliance
Ergebnisse und Nachsorge
Nach erfolgreicher SPK sind die meisten Patienten dauerhaft insulin- und dialysefrei. Die 1-Jahres-Pankreasfunktionsrate beträgt international ca. 85–90 %, die 5-Jahres-Rate ca. 70–75 %. Neben dem Blutzucker normalisieren sich bei vielen Patienten auch die diabetischen Sekundärkomplikationen (Neuropathie, Gastroparese).
Die Nachsorge umfasst engmaschige Blutzuckerkontrollen, Überwachung der Immunsuppression sowie regelmäßige Bildgebung des Transplantats. Abstoßungsreaktionen des Pankreas werden oft anhand der Nierenfunktion (beim SPK) oder durch Biopsie diagnostiziert.
Nach erfolgreicher Pankreastransplantation sind Patienten in der Regel dauerhaft insulinunabhängig und dialysefrei. Viele berichten von einer transformativen Verbesserung ihrer Lebensqualität – ohne Insulininjektionen, ohne kontinuierliches Glukosemonitoring und ohne Dialyse.
Dünndarmtransplantation
Dünndarm (hochspezialisierte Versorgung)
Die Dünndarmtransplantation ist eines der technisch anspruchsvollsten und immunologisch komplexesten Verfahren der gesamten Transplantationsmedizin. Sie bleibt Patienten mit schwerem intestinalem Versagen vorbehalten, bei denen eine dauerhafte parenterale Ernährung nicht mehr möglich ist oder zu lebensbedrohlichen Komplikationen geführt hat.
Das LMU Klinikum München gehört zu den wenigen Zentren in Deutschland, die Dünndarmtransplantationen regelmäßig durchführen. Durch die enge Kooperation mit der Kindergastroenterologie des Dr. von Haunerschen Kinderspitals können auch pädiatrische Patienten mit schweren angeborenen oder erworbenen Darmerkrankungen versorgt werden.
Technisch wird der Spenderdünndarm nach Entnahme und sorgfältiger Konditionierung orthotop oder heterotop implantiert. Die mesenterialen Gefäße werden an die Aorta und die Vena cava oder an Mesenterikalgefäße anastomosiert. Ein temporäres Ileostoma ermöglicht in der Frühphase die endoskopische Überwachung und Biopsie.
Verfahren und Varianten
- Isolierte Dünndarmtransplantation: Transplantation des Spenderdünndarms (ca. 200 cm) bei erhaltener Leberfunktion. Angezeigt, wenn die Leber trotz Parenteralernährung gut funktioniert und keine strukturellen Leberschäden bestehen.
- Kombinierte Leber-Dünndarm-Transplantation: Bei gleichzeitiger Leberinsuffizienz infolge parenteraler Ernährung (intestinal failure-associated liver disease, IFALD). Beide Organe werden gemeinsam transplantiert. Aufwändigstes Verfahren mit sehr guten Langzeitergebnissen an spezialisierten Zentren.
- Multiviszerale Transplantation: En-bloc-Transplantation von Magen, Duodenum, Pankreas, Dünndarm, Dickdarm und ggf. Leber. Indiziert bei ausgedehnten Mesenterialvenenthrombosen, Desmoid-Tumoren mit Verlust des gesamten Mesenteriums oder schwerer intestinaler Dismotilität.
Indikationen
- Kurzdarmsyndrom nach ausgedehnter Resektion: Z.B. nach Mesenterialischämie, Volvulus, nekrotisierender Enterokolitis (Kinder), ausgedehntem Morbus Crohn oder Trauma. Verbleibendes funktionsfähiges Dünndarmrest < 50–100 cm bei Erwachsenen.
- Intestinales Versagen mit schweren Komplikationen der parenteralen Ernährung: Rezidivierende katheterassoziierte Sepsis (> 2 Episoden/Jahr), Verlust von Zentralvenenzugängen, IFALD (Leberfibrose oder -zirrhose durch Parenteralernährung).
- Chronische intestinale Pseudo-Obstruktion (CIPO): Schwere Motilitätsstörung des gesamten GI-Trakts ohne mechanische Ursache, therapierefraktär.
- Desmoid-Tumoren: Mesenteriale Fibromatose mit Verlust der mesenterialen Gefäßversorgung und Darmfunktion.
- Pädiatrische Sonderindikationen: Mikrovilli-Einschlusskrankheit, intestinale Epithelialdysplasie, kongenitaler Megacolon mit ausgedehnter Beteiligung.
Besondere Herausforderungen
Der Dünndarm ist immunologisch besonders reaktiv: Er enthält große Mengen an Lymphgewebe (Peyer-Plaques, mesenterialer Lymphknoten) und reagiert auf Alloreize mit Abstoßungsreaktionen, die schwer zu erkennen und zu behandeln sein können. Gleichzeitig besteht das Risiko einer Graft-versus-Host-Reaktion (GvHD), bei der Spenderlymphozyten den Empfänger angreifen. Die Immunsuppression nach Dünndarmtransplantation ist daher intensiver als bei anderen Organtransplantationen.
Zur Überwachung wird in den ersten Wochen nach Transplantation eine engmaschige endoskopische Kontrolle mit Biopsie durchgeführt – zunächst alle 2–3 Tage, später wöchentlich, dann monatlich. Die Protokollbiopsien ermöglichen eine frühzeitige Diagnose und Behandlung von Abstoßungsreaktionen.
Die Dünndarmtransplantation ist ein Verfahren, das umfangreiche Erfahrung, enge interdisziplinäre Zusammenarbeit und spezialisierte Infrastruktur erfordert. Jede Indikation wird an unserem Zentrum individuell und im multidisziplinären Konsens geprüft.
Organ Recovery Unit
Maschinelle Organperfusion am LMU Klinikum
Das LMU Klinikum betreibt das größte und aktivste Programm zur maschinellen Organperfusion im Eurotransplant-Verbund. Mit über 60 Perfusionen pro Jahr ist die Maschinenperfusion bei uns kein Versuchsverfahren – sie ist etablierter klinischer Standard für Leber- und Nierenorgane.
Was ist maschinelle Organperfusion?
Die traditionelle Methode der Organkonservierung – statische Kaltlagerung (Static Cold Storage, SCS) auf Eis bei 4 °C – hat sich über Jahrzehnte bewährt, stößt jedoch bei langen Ischämiezeiten und Organen mit eingeschränkter Qualität an ihre Grenzen. Die maschinelle Organperfusion überwindet diese Limitationen: Das entnommene Organ wird aktiv mit einer speziellen Perfusionslösung durchspült, die Sauerstoff und Nährstoffe liefert. Dadurch werden Zellschäden durch Ischämie und Reperfusion minimiert.
Am LMU Klinikum wird die maschinelle Perfusion für Lebern und Nieren eingesetzt. Sie ermöglicht die Verlängerung der sicheren Konservierungszeit, die Verbesserung der Organqualität, die Beurteilung der Organvitalität vor Transplantation und die gezielte pharmakologische Konditionierung des Organs ex vivo.
HOPE (Hypothermic Oxygenated Perfusion) ist die am LMU Klinikum am häufigsten eingesetzte Methode. Mehrere randomisierte Studien – darunter die HOPE-Studien aus München – belegen, dass HOPE die Rate schwerer Komplikationen nach Lebertransplantation signifikant reduziert: weniger Ischämie-Reperfusionsschäden, weniger ischämische Cholangiopathien, verbesserte 5-Jahres-Überlebensraten.
Methoden der Maschinenperfusion
Hypotherme Maschinenperfusion
Temperatur: 4–8 °C. Kontinuierliche Durchspülung mit oxygenierter Perfusionslösung. HOPE = Hypothermic Oxygenated Perfusion (mit aktiver O₂-Zufuhr). Standardverfahren für Leber und Niere am LMU Klinikum. Nachgewiesene Reduktion des Reperfusionsschadens durch Aktivierung mitochondrialer Schutzwege. Typische Perfusionsdauer für Lebern: 2–4 Stunden.
Subnormotherme Perfusion
Temperatur: 20–25 °C. Kombiniert die Vorteile von Kälteschutz und ausreichender Zellstoffwechselaktivierung. Ermöglicht eine bessere Regeneration von Zellschäden als HMP. Aktives klinisches Forschungsfeld am LMU Klinikum, insbesondere für die Nierenkonservierung. Noch kein Standardverfahren, aber vielversprechend für marginale Organe.
Normotherme Maschinenperfusion
Temperatur: 37 °C. Organ wird mit oxygeniertem, erythrozytenhaltigem Perfusat durchspült. Ermöglicht die direkte Beurteilung der Organvitalität: Galleproduktion, Laktatclearance, Glukosestoffwechsel. Gibt dem Chirurgen eine fundierte Entscheidungsgrundlage. Am LMU Klinikum insbesondere für hochmarginals Organe und zur Verlängerung der Konservierungszeit eingesetzt.
Klinische Vorteile im Detail
1. Reduktion von Delayed Graft Function (DGF)
Bei der Nierentransplantation tritt DGF bei maschinenperfundierten Organen signifikant seltener auf (ca. 20–30 % weniger als bei SCS). DGF erfordert Dialyse nach Transplantation und verschlechtert die Langzeitprognose.
2. Weniger ischämische Cholangiopathie
Nach Lebertransplantation reduziert HOPE das Risiko der ischämischen Cholangiopathie (IC) – einer gefürchteten Komplikation mit Gallengangsnekrosen – um bis zu 50 % gegenüber SCS.
3. Verlängerte sichere Konservierungszeit
Maschinenperfusion ermöglicht eine deutliche Verlängerung der sicheren Konservierungszeit. Dies erleichtert die logistische Planung, schafft mehr Zeit für optimale Empfängervorbereitung und reduziert Nacht- und Notfalloperationen.
4. Vitalitätsbeurteilung vor Transplantation
Insbesondere bei der NMP kann die Organfunktion in vitro gemessen werden, bevor die Entscheidung zur Transplantation getroffen wird. Dies reduziert Organverwürfe und erhöht die Sicherheit bei marginalen Organen.
5. Bessere Nutzung marginaler Organe
Organe von älteren Spendern oder Spendern mit Vorerkrankungen (sogenannte Extended Criteria Donor-Organe, ECD) profitieren besonders stark von der Maschinenperfusion. Dies erweitert den nutzbaren Spenderpool.
6. Pharmakologische ex-vivo-Konditionierung
Die Maschinenperfusion eröffnet die Möglichkeit, Organe während der Konservierungsphase gezielt mit Substanzen zu behandeln: Anti-Inflammatoria, Gentherapeutika oder Deimmunisierungsstrategien – aktives Forschungsfeld am LMU Klinikum.
Forschung & Innovation
Das LMU Klinikum ist weltweit eines der führenden Zentren in der klinischen Erforschung der Maschinenperfusion. Prof. Markus Rentsch und sein Team haben wegweisende klinische Studien zur HOPE-Perfusion publiziert, die internationale Leitlinien beeinflusst haben. Derzeit laufen mehrere prospektive Studien zur Optimierung von Perfusionsprotokollen, zu Biomarkern der Organvitalität und zur ex-vivo-Konditionierung von Lebern und Nieren.
Die Organ Recovery Unit ist eine dedizierte, speziell ausgestattete Einheit innerhalb des Transplantationszentrums, in der alle Perfusionen von einem spezialisierten Team durchgeführt werden. Sie ist rund um die Uhr besetzt und arbeitet eng mit den Transplantationskoordinatoren, den Chirurgen und den anästhesiologischen Teams zusammen.
Kontakt & Anmeldung
Transplantationsambulanz
Weitere Informationen zum Thema Transplantation erhalten Sie unter folgendem Link: