INTEGRATION-Programm
Neues individualisiertes Bewegungs- und Ernährungstherapieprogramm vom G-BA für Krebspatienten empfohlen
Multizentrische randomisierte Studie zeigt reduzierten Unterstützungsbedarf nach onkologischer Erstlinientherapie
Das Versorgungsprogramm „INTEGRATION“, das Krebspatientinnen und -patienten bereits frühzeitig während ihrer onkologischen Behandlung durch eine individualisierte Ernährungs- und Bewegungstherapie unterstützt, wurde an der Uniklinik Köln von Prof. Dr. Freerk Baumann und Prof. Dr. Sebastian Theurich (LMU Klinikum München) entwickelt. Ziel des Programms ist die Integration sport- und ernährungstherapeutischer Maßnahmen in die ambulante onkologische Erstlinientherapie, um Betroffene von Beginn an umfassend zu begleiten. Dank einer Förderung von mehr als fünf Millionen Euro durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) konnte die Wirksamkeit des Programms im Rahmen einer großen multizentrischen, randomisierten Studie gemeinsam mit zwölf Partnerzentren untersucht werden.
Die Ergebnisse zeigen, dass Patientinnen und Patienten mit einer neu diagnostizierten Krebserkrankung deutlich von einer frühzeitigen und individualisierten Betreuung durch spezialisierte onkologische Sport- und Ernährungstherapeutinnen und -therapeuten profitieren. Die Evaluation des Projekts durch den G-BA fiel positiv aus: Neben nachweislich positiven Effekten auf therapiebedingte Belastungen und Nebenwirkungen konnten auch gesundheitsökonomisch relevante Erkenntnisse gewonnen werden, die in die Bewertung des Innovationsausschusses eingeflossen sind. In der Folge hat der G-BA den Verbänden der Kranken- und Pflegekassen empfohlen, die Umsetzbarkeit des Versorgungskonzepts im Rahmen von Vertragsvereinbarungen für die Regelversorgung zu prüfen. Damit könnte „INTEGRATION“ künftig einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der onkologischen Versorgung in Deutschland leisten.
Im INTEGRATION-Studienarm erhielten die Teilnehmenden nach einer Eingangsuntersuchung ein individuell abgestimmtes und supervidiertes Bewegungs- und Ernährungstherapieprogramm mit dem Ziel, Ressourcen zu stärken und Nebenwirkungen der Krebstherapie entgegenzuwirken. Im Kontrollarm erhielten Patienten Standardempfehlungen und Verordnungen zur Physiotherapie und Ernährungsberatung. In beiden Studienarmen wurden die Patienten parallel zu einer ambulanten onkologischen Therapie über vier bis sechs Monate betreut. Insgesamt wurden 454 Patientinnen und Patienten in Interventions- und Kontrollgruppen randomisiert. Die detaillierten Ergebnisse sollen zeitnah in einer Fachpublikation erscheinen.
„Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass gezielte Bewegung und Ernährung bereits während der Erstlinientherapie einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Patientinnen und Patienten leisten können. Wir hoffen sehr, dass dies auch die Verbände überzeugt und wir bald den Schritt in den Versorgungsalltag gehen können“, sagt Prof. Dr. Freerk Baumann, Leiter „INTEGRATION“ und Leiter der Onkologischen Bewegungsmedizin in der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln.
Auch der Onkologe und Studienleiter Prof. Dr. Sebastian Theurich von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am LMU Klinikum München betont die Bedeutung dieser neuen Versorgungsform:
„Mit dem interdisziplinären Projekt konnten wir zeigen, dass multiprofessionelle Unterstützungsangebote nicht nur praktikabel umsetzbar sind, sondern auch einen messbaren Nutzen für die Patientinnen und Patienten haben. Die Ergebnisse liefern eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung der onkologischen Versorgung. Wir sind sehr dankbar für die großartige Unterstützung aller Studienzentren.“
In München wurde die Studie gemeinsam mit Experten beider Universitätsklinika LMU und TUM durchgeführt.