Krankheitsbilder

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Was ist eine Kniearthrose?

Die Arthrose des Kniegelenks – auch Gonarthrose genannt – bezeichnet den fortschreitenden Verschleiß des Knorpels im Kniegelenk. Sie kann das gesamte Gelenk oder nur einzelne Bereiche betreffen.

Ist nur ein Teil des Gelenks betroffen, spricht man von einer unikompartimentellen Arthrose. Häufig tritt diese auf der Innenseite des Knies auf – insbesondere bei einer O-Bein-Fehlstellung. Diese Form der Arthrose heißt Varusgonarthrose. Umgekehrt kann bei einer X-Bein-Stellung die Außenseite betroffen sein – in diesem Fall spricht man von einer Valgusgonarthrose.

Varusgonarthrose bei O-Beinfehlstellung

Valgusgonarthrose bei X-Beinfehlstellung 

Bei einer Pangonarthrose sind alle drei Gelenkabschnitte betroffen: innen (medial), außen (lateral) und hinter der Kniescheibe (retropatellar). 

Pangonarthrose

Ist nur das Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen verschlissen, handelt es sich um eine patellofemorale Arthrose.

Patellofemoralarthrose

Typische Beschwerden

Je nach Lokalisation der Arthrose unterscheiden sich die Beschwerden:

  • Mediale Gonarthrose (Innenseite): Schmerzen vor allem beim Gehen, besonders morgens oder nach Ruhephasen (Anlaufschmerz).
  • Laterale Gonarthrose (Außenseite): Belastungsschmerzen auf der Außenseite des Knies.
  • Patellofemorale Arthrose: Schmerzen beim Treppensteigen, Hinknien oder Aufstehen.
  • Bakerzyste: Schwellung und Druckgefühl in der Kniekehle durch Flüssigkeitsansammlung.

Diagnostik

Die Diagnose wird in der Regel durch:

  • Klinische Untersuchung: Anamnese und körperliche Untersuchung
  • Röntgenaufnahme im Stehen: zur Bestimmung des Ausmaßes der Arthrose
  • MRT (Magnetresonanztomografie): bei beginnender Arthrose oder zur Abklärung von Knorpelschäden

Therapiemöglichkeiten

Unser Ziel ist stets: Das Kniegelenk erhalten, wenn möglich.


Konservative Therapie

  • Krankengymnastik
  • Schmerzmedikation
  • Physiotherapie
  • Injektionen (z. B. Hyaluronsäure oder Thrombozytenreiches Plasma)

Operative Therapie

1. Umstellungsosteotomie

Bei jungen Patienten mit leichter Arthrose und Fehlstellung (z. B. O- oder X-Bein) kann durch eine Achskorrektur die Belastung vom erkrankten Gelenkanteil auf den gesunden Teil verlagert werden.

Die Operation erfolgt meist am Unterschenkel (bei medialer Arthrose) mit Fixierung durch eine stabile Platte.


2. Teilprothese (Schlittenprothese)

Bei fortgeschrittener, einseitiger Arthrose wird eine Teilendoprothese implantiert. Vorteile:

  • Erhalt der gesunden Gelenkanteile
  • Natürliche Kniebeweglichkeit bleibt erhalten
  • Rasche Schmerzreduktion und Wiederherstellung der Funktion

Schlittenprothese bei einer medialen Gonarthrose

3. Bikondyläre Knieprothese (Doppelschlitten)

Wenn sowohl Innen- als auch Außenseite betroffen sind, wird eine Vollprothese eingesetzt. Ziel ist die vollständige Schmerzfreiheit und Wiederherstellung der Beweglichkeit – auch sportliche Aktivitäten sind häufig wieder möglich.

Bikondyläre Knieprothese (sog. Doppelschlitten)

4. Patellofemorale Prothese (Wave-Prothese)

Bei isolierter Arthrose der Kniescheibe wird nur dieser Bereich ersetzt – das übrige Gelenk bleibt unberührt.

Isolierter retropatellarer Gleitflächenersatz

Nachbehandlung & Rehabilitation

Wir verfolgen ein modernes Fast-Track-Konzept („Schneller Weg zur Genesung“), das darauf abzielt, die Erholungszeit nach einer Knieoperation deutlich zu verkürzen – ohne Kompromisse bei der Sicherheit oder Qualität.


Was bedeutet Fast Track konkret?

  • Kurze Operationszeit durch geübte OP-Techniken
  • Schonende Narkoseverfahren und effektive Schmerztherapie
  • Frühmobilisation bereits am Operationstag
  • Gezielte Physiotherapie ab Tag 1
  • Enge interdisziplinäre Betreuung durch Orthopädie, Anästhesie und Physiotherapie


Ablauf der Nachbehandlung:

  • Bereits am Tag der Operation starten erste Mobilisationsübungen an Unterarmgehstützen.
  • In der Physiotherapieabteilung beginnen aktive Bewegungsübungen sowie Lymphdrainage zur Abschwellung.
  • Die Prothese ist stabil im Knochen verankert und in der Regel sofort voll belastbar.
  • Der Einsatz von Krücken ist meist nur bis zur abgeschlossenen Wundheilung notwendig.
  • Nach wenigen Tagen in der Klinik erfolgt eine gezielte, ambulante oder stationäre Anschlussheilbehandlung (Reha) – individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt.

Ziel des Fast-Track-Programms:

Sie sollen sich möglichst schnell wieder sicher, aktiv und schmerzfrei im Alltag bewegen können – mit mehr Eigenständigkeit und Lebensqualität.

Unser Ziel

Wir möchten, dass Sie sich wieder schmerzfrei bewegen können – im Alltag, im Beruf und beim Sport. Mit individueller Diagnostik und modernsten Therapieverfahren begleiten wir Sie auf dem Weg zu neuer Lebensqualität.

Innovative Premium-Optionen in der Knieendoprothetik

Für Patienten mit besonderen Anforderungen oder dem Wunsch nach modernster Technik bieten wir zwei hochpräzise Verfahren an, die eine individuellere und schonendere Behandlung ermöglichen:

Patientenspezifische Implantate (PSI)

Maßgeschneidert für Ihr Knie

Bei dieser Technik wird anhand eines präoperativen MRTs oder CTs ein Implantat individuell für Ihre Anatomie angefertigt. Zusätzlich kommen patientenspezifische Schnittschablonen zum Einsatz, die eine exakt passende Implantation ermöglichen.

Ihre Vorteile:

  • Perfekte Passform für das natürliche Gelenk
  • Minimalinvasiver Eingriff mit geringerem Knochenverlust
  • Höhere Genauigkeit bei der Implantatpositionierung
  • Häufig kürzere OP-Dauer und schnellere Mobilisierung
Ideal bei: Anatomischen Besonderheiten, Wunsch nach maximaler Individualisierung


Roboter-assistierte Knieendoprothetik

Höchste Präzision – mit modernster Technik

Bei dieser Methode wird die Positionierung der Prothese millimetergenau geplant und in Echtzeit gesteuert. Ein computergestütztes Navigationssystem analysiert Ihre individuelle Anatomie und unterstützt den Operateur bei jedem Schritt.

Ihre Vorteile:

  • Maximale Präzision bei der Ausrichtung der Prothese
  • Schonung von Bändern, Muskeln und Weichteilen
  • Exaktere Wiederherstellung der natürlichen Beinachse
  • Geringeres Risiko von Komplikationen und Nachoperationen
  • Verbesserte Gelenkfunktion und längere Haltbarkeit der Prothese
Ideal bei: Komplexen Fehlstellungen, hohem Aktivitätsanspruch oder Wunsch nach Hightech-Lösung

Eine O-Bein Fehlstellung (Genu varum) oder eine X-Bein Fehlstellung (Genu valgum) des Beines kann angeboren sein oder nach Unfällen bzw. Operationen entstehen. Ein sehr häufiger Auslöser ist auch eine Teil- oder komplette Entfernung des Meniskus oder ein Knochenschaden.

Durch die Achsenfehlstellung wird das Knie nicht mehr gleichmäßig belastet. Das Körpergewicht wird nicht mehr gleichmäßig auf die Innen- und die Außenseite des Kniegelenkes verteilt. Es kommt zu einer übermäßigen Belastung der Innenseite des Kniegelenkes bei einem O-Bein bzw. der Außenseite des Kniegelenkes bei einem X-Bein. Das führt zu einer zunehmenden Schädigung des Kniegelenkes. Der Knorpel wird dünner und es entsteht frühzeitig eine Arthrose.

O-Bein Fehlstellung beidseits

Der Gelenkknorpel nimmt eine wichtige Rolle bei der Funktionsfähigkeit von Gelenken ein. Seine Hauptfunktion in den Gelenken ist die Bildung einer glatten Oberfläche, was zu einer „reibungslosen“ Beweglichkeit führt.

Der Gelenkknorpel kann durch akute Verletzungen oder chronische Fehlbelastungen beschädigt werden, was zu Knorpeldefekten führt. Diese Beschädigungen können lediglich oberflächlich bestehen, oder über die gesamte Dicke des Gelenkknorpels auftreten. Dadurch kann der Gelenkknorpel seine Funktion nicht mehr wahrnehmen, was zu einer eingeschränkten Beweglichkeit des Gelenks mit Schmerzen führt.

Knorpeldefekt

Durch einen Sportunfall wie zum Beispiel einer Kniescheibenluxation kann ein Knorpelschaden akut entstehen. Häufiger handelt es sich jedoch um chronische Fehlbelastungen, die über mehrere Jahre zu einem Knorpelschaden führen. Gründe hierfür können Kniefehlstellungen (O-Bein, X-Bein), sowie ein vorangegangener Bruch des Kniegelenkes (Frakturen) oder Fehlbildungen der Kniescheibe (Patelladysplasie) sein. Dadurch kommt es zu einer ungleichmäßigen Belastungsverteilung mit Überbeanspruchung des Gelenkknorpels. Unbehandelte Knorpeldefekte führen im Verlauf zu einer frühzeitigen Kniegelenksarthrose, was zu einer Zerstörung des Kniegelenkes führt.

Der Meniskus besitzt eine wichtige Puffer- und Stabilisierungsfunktion im Kniegelenk. Bei einer Verletzung des Meniskus unterschiedet man zwischen akuten Meniskusverletzungen und chronischen Meniskusverletzungen.

Akute Meniskusverletzungen können nach einem Sportunfall entstehen, da der Meniskus vor allem durch Drehung in Beugestellung des Kniegelenkes belastet wird. 

Chronische Meniskusverletzungen können ohne Unfall auftreten und entstehen durch eine zunehmende Degeneration des Meniskus.


Das vordere und das hintere Kreuzband stabilisieren das Kniegelenk und verhindern das Weggleiten des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkelknochen.

Das vordere Kreuzband ist die am häufigsten verletzte bandhafte Struktur des Kniegelenkes. Zu einer Verletzung der Kreuzbänder kommt es durch eine Außendrehung des Unterschenkels bei gebeugtem und nach innen gekipptem Kniegelenk. Beispielhaft ist hier der Skifahrer, welcher an einer Torstange mit dem Ski einfädelt, wobei es den Unterschenkel nach außen wegdreht

Vordere Kreuzbandruptur im MRT

Bei der Patellaluxation springt die Kniescheibe aus ihrer v-förmigen knöchernen Führungsrinne am Oberschenkelknochen zur Außenseite heraus. Dabei kommt es häufig zu einer Verletzung des inneren Halteapparates sowie des Gelenkknorpels der Kniescheibe oder des Oberschenkelknochens.

Typischerweise sind junge sportliche Patienten von dieser Verletzung betroffen. Das Erstereignis einer Patellaluxation tritt in der Regel vor dem 20. Lebensjahr auf.

Meist entsteht eine Patellaluxation durch ein Verdrehen des leicht gebeugten Kniegelenks bei gleichzeitiger Anspannung der Oberschenkelstreckmuskulatur (z.B. Tanzen, Turnen, Basketball). Sehr selten ist ein direkter seitlicher Anprall die Verletzungsursache.

Risikofaktoren für eine Patellaluxation sind eine allgemeine Bindegewebeschwäche (Hyperlaxität), weibliches Geschlecht, Achsenfehlstellungen (X-Bein Fehlstellung), angeborene Fehlbildungen von Kniescheibe (Patelladysplasie) oder Kniescheibengleitlager (Trochleadysplasie), ein angeborener oder unfallbedingter Hochstand der Kniescheibe (Patella alta) sowie eine Schwäche oder ein Ungleichgewicht der Oberschenkelstreckmuskulatur.

Kernspintomographie (MRT) des Kniegelenks nach Patellaluxation. Man erkennt einen blutigen Kniegelenkserguss. Der Gelenkknorpel ist an der Kniescheibe beschädigt. Der innere Halteapparat (mediales Retinaculum) ist an der Kniescheibe ausgerissen.

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