Extrakorporale Organperfusion
Aktuell werden Spenderorgane unmittelbar vor der Entnahme vom Blutkreislauf abgekoppelt und mit einer speziellen Lösung durchgespült. Im Anschluss werden sie in mit Trockeneis gefüllten Styroporkisten verpackt und – auf diese Weise konserviert – vom Entnahmekrankenhaus schnellstmöglich ins Transplantationszentrum verbracht (Abbildung 1).
Die unphysiologische Lagerung in sehr kalter Umgebung kann jedoch die Qualität der Organe beeinträchtigen.
Extrakorporale Organperfusion
Diesem Problem begegnen wir, indem wir das Organ nach Ankunft in unserem Zentrum in einen mechanisch betriebenen, künstlichen Kreislauf integrieren (Abbildung 2). In diesem Kreislauf werden die Organe mit 8-10°C kalter Perfusionslösung, die mit Nährstoffen und vor allem Sauerstoff angereichert wird, kontinuierlich durchströmt (Hypotherme Oxygenierte MaschinenPErfusion = HOPE). So können eventuell entstandene Schäden vor der Transplantation verringert werden.
Das System bietet uns darüber hinaus auch die Möglichkeit, einen nahezu physiologischen künstlichen Kreislauf bei Körpertemperatur (37°C) zu simulieren, bei dem die Organe mit einer blutähnlichen Perfusionslösung kontinuierlich durchspült werden ( Abbildung 3). Der Vorteil dieser Normothermen Oxygenierten MaschinenPErfusion (= NOPE) liegt in der Möglichkeit, Spenderorgane unter „körperähnlichen“ Bedingungen zu erproben und gegebenenfalls vorzubehandeln. Dadurch kann letztendlich eine Vorhersage über die Güte der Organe getroffen und die Transplantation noch sicherer gemacht werden.
Die ersten Spenderlebern wurden bereits 2018 in unserer Klinik unter Verwendung der HOPE-Technik erfolgreich transplantiert. Mittlerweile ist die HOPE-Technik als Standardverfahren vor der Transplantation etabliert.
Die NOPE-Technik wird derzeit unter Studienbedingungen erprobt und in naher Zukunft Einzug in den klinischen Alltag halten.
Darüber hinaus untersuchen wir aktuell in einem experimentellen Ansatz, ob sich Spenderorgane während dieser Organperfusion immunologisch so reprogrammieren lassen, dass sie von der körpereigenen Abwehr des Empfängers nicht erkannt werden. Dadurch wäre es nach der Transplantation möglich, auf die bisher notwendigen Medikamente zur Immunsuppression zu verzichten.
Haben Sie Fragen zu den beschriebenen Behandlungsmethoden?
Unser Team beantwortet diese gerne!
Dr. med. Dionysios Koliogiannis