Thrombosen sind der zentrale Auslöser von Herzinfarkt, Schlaganfall und venösen Thromboembolien – den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Trotz klinisch etablierter Vorsorgemaßnahmen, die auf Blutplättchen (Thrombozyten) und die Blutgerinnung abzielen, bleiben sie damit auch die häufigste Ursache für Krankheit und Tod. Darüber hinaus können Thrombosen auch den Verlauf von Infektionen und anderen entzündlichen Erkrankungen beeinflussen; ihr Auftreten entscheidet oft über deren Schweregrad. Forschende sehen deshalb dringenden Bedarf, die Mechanismen besser zu verstehen, die Thrombosen in ganz verschiedenen Krankheitskontexten auslösen und verstärken.
Der Ansatz des neuen, an der LMU angesiedelten SFB 1784 InTraC (The Interplay of Thrombosis and Inflammation – Translating molecular mechanisms into Clinical applications) markiert dabei einen Paradigmenwechsel: Thrombose ist nicht nur eine Frage von Blutplättchen und Gerinnung, sondern eng mit dem Immunsystem verknüpft – und umgekehrt. „Wir müssen die enge Verzahnung von Thrombose und Entzündung mechanistisch verstehen, um gezielt eingreifen zu können“, sagt Professor Steffen Massberg, Sprecher des SFB und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am LMU Klinikum.
Das Wechselspiel ist Ausdruck einer evolutionär konservierten Notfallstrategie, der sogenannten Immunthrombose. Diese ist für die Abwehr von Infektionen durch den Wirt entscheidend, indem sie das Eindringen und die Ausbreitung von Krankheitserregern eindämmt. Gerät sie aus dem Gleichgewicht, entsteht eine sogenannte Thromboinflammation. Dabei verstärken sich Entzündung und Gerinnung gegenseitig, dies führt zu schweren Gewebeschäden. Typische Beispiele hierfür sind schwere COVID-19-Verläufe oder bestimmte Autoimmunerkrankungen, die zu Organschäden führen.
InTraC will genau hier ansetzen: Teams an der LMU und ihren nationalen und internationalen Partnereinrichtungen bündeln ihre Expertise, um das mechanistische Verständnis der gegenseitigen Wechselwirkung zwischen Thrombose und Entzündung voranzutreiben. Sie kombinieren systembiologische Analysen mit Tiermodellen und moderner Bildgebung und entwickeln neue, fortschrittliche Therapien – von kleinen Inhibitor-Molekülen bis zu RNA-, Gen- und Zelltherapien. „Ziel ist eine präzisere Diagnostik und eine gezielte Behandlung thromboinflammatorischer Erkrankungen“, berichtet Professor Konstantin Stark, Co-Sprecher des Verbunds, von der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am LMU Klinikum.
Neben der LMU sind als Partner auch das Max-Planck-Institut für Biochemie München, das Helmholtz Zentrum München, die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, die Julius-Maximilians-Universität Würzburg und die Charité in Berlin beteiligt.