SAFE-ICU: Short AI-based Focused Exposure for ICU survivors
Nach einem Aufenthalt auf der Intensivstation entwickelt etwa jede vierte Patientin bzw. jeder vierte Patient Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Gleichzeitig besteht häufig eine Versorgungslücke zwischen der Entlassung aus der Klinik und der weiteren Betreuung in der hausärztlichen Praxis. Unsere Studie untersucht, ob ein KI-gestützter Sprachassistent diese Lücke unterstützen kann. Grundlage ist die Narrative Expositionstherapie (NET), ein wissenschaftlich gut untersuchtes Verfahren zur Behandlung von Traumafolgen, das hier in einer besonders kurzen Form eingesetzt wird. Theoretischer Hintergrund ist die „Generalized Unsafety Theory of Stress“, nach der anhaltende Gefühle von Unsicherheit wesentlich zur Entstehung und Aufrechterhaltung von chronischem Stress und PTBS-Symptomen beitragen.
In einem ersten Schritt prüfen wir gemeinsam mit Hausärztinnen und Hausärzten, Psychologinnen und Psychologen sowie Patientinnen und Patienten, ob der Sprachassistent technisch zuverlässig funktioniert und gut anwendbar ist. Anschließend folgt eine multizentrische, randomisierte Pilotstudie mit rund 75 Teilnehmenden. Die Intervention umfasst acht kurze Gespräche von jeweils etwa sieben Minuten in der Hausarztpraxis über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen. Untersucht wird, ob sich dadurch belastende, noch nicht voll ausgeprägte PTBS-Symptome verringern. Zusätzlich erfassen wir wahrgenommene Unsicherheit, Stress, Angst- und Depressionssymptome.
Wir erwarten, dass die KI-gestützte Kurzintervention zu einer spürbaren Reduktion von PTBS-Symptomen beiträgt und zugleich das Gefühl anhaltender Unsicherheit sowie chronischen Stress mindert. Die Studie verbindet erstmals ein KI-basiertes Gesprächsangebot mit einem modernen Stresstheorie-Modell. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl und möglicher Vorbehalte gegenüber KI in der psychischen Gesundheitsversorgung sind die Ergebnisse jedoch als erste, orientierende Befunde zu verstehen.
Kontakt
Bei Interesse oder Anfragen zur Studie wenden Sie sich gerne an:
Dr. med. Sebastian Handke
E-Mail: sebastian.handke@med.uni-muenchen.de