Arzneimitteltherapiesicherheit

Arzneimittel sind wichtiger Bestandteil der Versorgung von Palliativpatientinnen und -patienten. Dabei müssen potentieller Nutzen und potentielle Risiken der Arzneimitteltherapie im aktuellen Kontext ausbalanciert werden. So stellt beispielsweise die Unterscheidung zwischen unerwünschter Arzneimittelwirkung und Krankheitssymptom eine große Herausforderung dar. Der Forschungsbereich Arzneimitteltherapiesicherheit bündelt verschiedene Forschungsprojekte rund um die palliativmedizinische Arzneimitteltherapie. Die großen Themenbereiche sind der zulassungsüberschreitende Arzneimitteleinsatz „Off-Label-Use“, die palliativmedizinische Infusionstherapie, Arzneimittelinformation sowie das Deprescribing, also das Identifizieren und Absetzen überflüssiger Therapien.

Ziel aller Forschungsprojekte des Bereichs Arzneimitteltherapiesicherheit ist es, die Bereiche in der medikamentösen Versorgung, die eine potentielle Gefährdung für Patientinnen und Patienten darstellen, zu identifizieren und Strategien im Umgang mit diesen zu entwickeln und zu analysieren.

Leitung und Ansprechpartnerin: PD Dr. Constanze Rémi

Aktuelle Forschungsprojekte zur Arzneimitteltherapiesicherheit in der Palliativmedizin

Hintergrund

Der Ursprung zum Projekt „pall-OLU.de“ wurde auf dem ersten Dr. Werner‐Jackstädt-Experten‐Workshop "Off‐Label-Use in der Palliativmedizin" in 2016 gelegt. Hier beschäftigten sich verschiedene Experten aus den Bereichen Medizin, Pharmazie und Pflege, außerdem Vertreter des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, des Gemeinsamen Bundesausschusses (G‐BA), der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft und des Spitzenverbandes der Krankenkassen mit Therapieentscheidungen zum Off-Label-Use in der klinischen Praxis. Diese Entscheidungen betreffen unmittelbar die Patientensicherheit und der dringend notwendige Unterstützungsbedarf für Entscheider in der Palliativversorgung wurde offensichtlich.

Auf diesen Erkenntnissen aufbauend wurden im Laufe der Jahre verschiedene Broschüren entwickelt, sowie Befragungen, Workshops und Fachkreistagungen mit Experten aus der Palliativversorgung durchgeführt. Das Informationsangebot zum Off-Label-Use wurde erweitert. Die Idee zu einer kostenfrei zugänglichen, einfachen, praxisnahen Plattform zum Off-Label-Use in der Palliativmedizin wurde mit dem Projekt „pall-OLU.de“ umgesetzt.

Seit 2021 fördert die Deutsche Krebshilfe [Fördernr. 70113910, 70115882] das Projekt „Therapieempfehlungen zum Umgang mit Off‐Label‐Use in der Palliativmedizin“ mit der Datenbank pall-OLU.de. Anfang 2024 wurde eine weitere Anschlussförderung bis 2028 genehmigt. Dank dieser Förderung kann die Datenbank pall-OLU.de weiter ausgebaut werden und so zur Arzneimitteltherapiesicherheit in der Palliativversorgung beitragen.

Ziel ist es etwa 400 Empfehlungen in mehr als 80 Arzneimittelmonographien zu veröffentlichen. Die aktuell verfügbaren Empfehlungen werden kontinuierlich aktualisiert und neue Empfehlungen beständig veröffentlicht.

Ziel

Anliegen des Projektes ist es, Informationen zum Off‐Label‐Use palliativmedizinisch relevanter Arzneistoffe zu sammeln, sie in Gestalt von Therapie- bzw. Anwendungsempfehlungen aufzubereiten und in einer Datenbank leicht und kostenfrei zugänglich zu machen. Ein einfacher Zugriff auf diese Informationen trägt dazu bei, flächendeckend eine hochwertige, bedarfs‐ und bedürfnisgerechte Palliativ‐ und Hospizversorgung zu gewährleisten. Wir möchten, dass Palliativpatient:innen ambulant und stationär sicher versorgt werden können.

Deshalb besteht ein wichtiges Anliegen des Projektes darin, Therapieempfehlungen auch für jene Anwendungsgebiete zu formulieren, für die noch keine wissenschaftliche Evidenz vorliegt. Gerade in diesem Bereich sind Therapeut:innen im klinischen Alltag bislang auf sich allein gestellt.

Unsere Empfehlungen sollen das Fachpersonal dabei unterstützen, fundierte Entscheidungen zu Arzneimitteltherapien zu treffen; sie sollen zugleich aber auch die Grenzen des Off‐Label‐Use aufzeigen. Es geht uns also nicht darum, den Off-Label‐Use zu fördern. Vielmehr möchten wir dem palliativmedizinischen Personal einen reflektierten Umgang mit diesem Werkzeug ermöglichen, indem wir den Zugang zu notwendigen Informationen erleichtern. Die Arzneimittelmonographien sollen deshalb auch Vergleiche vereinfachen und Zusammenhänge einzelner Therapieoptionen mit anderen, zugelassenen oder potentiell besser geeigneten Therapiemöglichkeiten aufzeigen.

Methodik

1. Erstellen von Anwendungsempfehlungen für palliativmedizinisch relevante Arzneistoffe in palliativmedizinischen Indikationen außerhalb ihrer Zulassung. Die Erstellung erfolgt in einem erprobten systematischen Verfahren.

2. Konsentieren der Therapieempfehlungen in einem mehrstufigen Verfahren durch eine internationale Expertinnen- und Experten-Runde.

3. Veröffentlichung der Therapieempfehlungen auf pall-OLU.de.

4. Regelmäßige Aktualisierung bestehender und Veröffentlichung neuer Therapieempfehlungen.

Kontakt

Kontakt

Projektkoordination:

PD Dr. Constanze Rémi (Apothekerin)

Projektteam:

Stefanie Pügge (Fachapothekerin für Klinische Pharmazie)

Dr. Aleksandra Dukić-Ott MSc (Fachapothekerin für Klinische Pharmazie)

Stephanie Büsel (Pharmazeutisch-technische Assistentin)

Karin Blankertz (Pharmazeutisch-technische Assistentin)

Isabelle Pichlmaier (studentische Hilfkraft)

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Projektablauf

Themengebiete der aktuellen Doktor- und Masterarbeiten zur Arzneimitteltherapiesicherheit in der Palliativmedizin

Entwicklung und klinische Evaluation eines Behandlungspfades für die Behandlung von Übelkeit und Erbrechen in der Palliativversorgung

Doktorandin: Jennifer Berner-Sharma

  • PD Dr. rer. biol. hum. Constanze Rémi, MSc, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin & Apotheke, LMU Klinikum
  • Prof. Dr. Claudia Bausewein, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin, LMU Klinikum
  • PD Dr. Clemens Gießen-Jung, Med. Klinik III, LMU Klinikum
  • Prof. Martin Hug, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg

Hintergrund

Übelkeit und Erbrechen belasten Palliativpatientinnen und Palliativpatienten am Lebensende häufig sehr. Die Therapie ist in der klinischen Praxis oft nicht zufriedenstellend und für die Behandelnden in vielen Fällen herausfordernd. Mit dem Projekt soll ein klinischer Be­handlungspfad für die Therapie von Übelkeit und Erbrechen bei Palliativpatientinnen und Palliativpatienten entwickelt werden, der Behandelnde bei der zielgerichteten und effektiven Therapie unterstützt und da­mit schneller zu Symptomlinderung und damit Verbesserung der Lebensqualität führt.

Zielsetzung

Hauptziel ist die Entwicklung und Praxisevaluation eines klinischen Behand­lungspfades für die Behandlung von Übelkeit und Erbrechen.

Methodik

Zunächst erfolgte die Erhebung des Status Quo der medikamentösen Thera­pie von Übelkeit und Erbrechen. Auf Basis aktueller deutsch­ und englisch­sprachiger Leitlinien aus dem onkologischen und palliativmedizinischen Set­ting sowie einer aktuellen Literaturrecherche wurde ein Behandlungspfad für die Therapie von Übelkeit und Erbrechen entwickelt . Im Anschluss wird nun untersucht, ob sich der Behandlungspfad auf die Therapie von Übelkeit und Erbrechen bei Palliativpatientinnen und Palliativpatienten auswirkt und die Therapie verbessert werden kann.

Forschungsbeiträge: Poster

  • Berner JM, Bausewein C, Rémi C. „Auswirkung eines klinischen Behandlungspfades auf die Therapie von Übelkeit und Erbrechen in der Palliativversorgung“. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, 2024, Aachen
  • Berner JM, Bausewein C, Rémi C. „Entwicklung eines klinischen Behandlungspfades für die Therapie von Übelkeit und Erbrechen in der Palliativversorgung“. Wissenschaftliche Arbeitstage der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Online-Veranstaltung, 2024. Ausgezeichnet mit dem Posterpreis

  • Berner JM, Blei J, Rémi C. "Subkutane Applikation von Levomepromazin und Dimenhydrinat: retrospektive Studie zur Verträglichkeit und Kompatibilität", Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmazie 2023, Münster

  • Berner JM, Bausewein C, Rémi C.. "Nausea and Vomiting in Palliative Care – Development and Implementation of a Treatment Pathway". ESCP Aberdeen Symposium 2023, Aberdeen

  • Berner JM, Seiberth S, Strobach D, Hug MJ. „Prävalenz von „Double Whammy“-und „Triple Whammy“-Kombinationen bei stationär behandelten chirurgischen Patienten". 45. Wissenschaftlicher Kongress und Mitgliederversammlungdes Bundesverbandes deutscher Krankenhausapotheker (ADKA), 2020, Virtueller Kongress

Charakterisierung der Zahngesundheit und oraler Beschwerden bei Patientinnen und Patienten in der spezialisierten Palliativversorgung

Doktorandin: Leonie Lisanik 

  • PD Dr. rer. biol. hum. Constanze Rémi, MSc, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin & Apotheke, LMU Klinikum
  • Prof. Dr. Claudia Bausewein, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin, LMU Klinikum
  • Dr. med. dent. Nils Werner, Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und digitale Zahnmedizin, LMU Klinikum

Hintergrund

Orale Probleme sind bei Palliativpatient:innen weit verbreitet. Häufige Probleme sind beispielsweise Mundtrockenheit (Xerostomie), orale Candidiasis, Karies, Mukositis, Dysphagie sowie schmerzhafte Bereiche im Mund. Diese Beschwerden sind multifaktoriell bedingt. Auslöser können die Grunderkrankung, Nebenwirkungen von Medikamenten (insbesondere Opioiden, Kortikosteroiden und Diuretika), Immunsuppression, eine schlechte orale Nahrungsaufnahme und eine eingeschränkte Selbstpflegefähigkeit sein. Orale Beschwerden verschlimmern sich häufig, wenn sich Patienten dem Lebensende nähern. In den letzten Wochen treten vermehrt Mundtrockenheit, Zungenentzündungen, Blutungen und Dysphagie auf.

Mögliche Folgen oraler Probleme sind Schmerzen, Dysgeusie sowie Sprach- und Schluckbeschwerden, eine eingeschränkte orale Nahrungsaufnahme, Mangelernährung, Dehydrierung und eine verminderte Lebensqualität.

Zu den Herausforderungen bei der Behandlung zählen die unzureichende Erkennung durch das medizinische Personal, das Fehlen standardisierter Bewertungsmethoden, begrenzte Schulungen und die unzureichende Einbindung von Zahnärzten in Palliativteams. Eine Untersuchung aus Deutschland zeigte, dass einfache zahnärztliche Behandlungen am Krankenbett und eine routinemäßige Mundpflege die Belastung durch Symptome erheblich reduzieren und die Lebensqualität verbessern können. Es besteht Bedarf an verbesserter Aufklärung, standardisierten Protokollen und multidisziplinärer Zusammenarbeit, um die Mundgesundheit in der Palliativversorgung zu verbessern.

Zielsetzung

Ziel ist es, die Relevanz oraler Einschränkungen aus zahnmedizinischer Sicht in der letzten Lebensphase besser zu verstehen, möglichen Forschungsbedarf zu identifizieren und potenzielle Versorgungsansätze für die Praxis abzuleiten.

Methodik

Bei der Studie handelt es sich um eine monozentrische, prospektive und explorative Interventionsstudie. Erfasst werden verschiedene Parameter zum Zahnstatus, zur Xerostomie sowie zur oralen Lebensqualität anhand von Fragebögen und klinischen Untersuchungen. Darüber hinaus werden die Speichelqualität und die Kaufunktion mithilfe geeigneter Testverfahren untersucht. Eingeschlossen werden erwachsenen Patientinnen und Patienten der Palliativstation am Campus Großhadern sowie des spezialisierten ambulanten Palliativversorgungsteams (SAPV). Die patientenbezogenen Daten werden anonymisiert verarbeitet und anschließend mithilfe von SPSS ausgewertet.

Evaluation und praxisorientierte Weiterentwicklung der Datenbank pall-OLU - eine Mixed Methods Studie

Doktorandin: Stefanie Pügge

  • PD Dr. rer. biol. hum. Constanze Rémi, MSc, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin & Apotheke, LMU Klinikum
  • Prof. Dr. Claudia Bausewein, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin, LMU Klinikum
  • Prof. Dr. Eva Grill, Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie, Ludwig-Maximilians-Universtität München
  • Prof. Dr. Eva Schildmann, Klinik für Palliativmedizin, Universitätsklinikum Augsburg

Hintergrund

Der zulassungsüberschreitende Einsatz von Arzneimitteln (Off-Label-Use, OLU) ist integraler Bestandteil in der Palliativversorgung. Seit 2023 stellt die Webseite pall-OLU.de evidenzbasierte, konsentierte Informationen zum OLU für Fachpersonal kostenfrei zur Verfügung. Für die nachhaltige Etablierung dieses Informationsangebots im Alltag ist eine praxisorientierte Weiterentwicklung unter Einbeziehung von Anwenderinnen und Anwendern und Berücksichtigung ihrer spezifischen Anforderungen erforderlich. Ein nutzerzentrierter Entwicklungsansatz (User-Centered Design) kann Akzeptanz, Praxistauglichkeit und Funktionalität im Alltag verbessern.

Zielsetzung

Ziel der Arbeit ist die qualitative und quantitative Evaluation der Datenbank pall-OLU und Erstellung eines Konzepts zur praxisorientierten Weiterentwicklung der Webseite.

Teilziele sind:

  • systematische Untersuchung von Meinungen, Bedürfnissen, Nutzungserfahrungen und -hindernissen von Anwenderinnen und  Anwendern der Datenbank pall-OLU zur Identifizierung von Informationslücken und notwendigen Anpassungen für die Weiterentwicklung der Datenbank.
  • Erfassung und Beschreibung der Nutzung von pall-OLU in der täglichen Praxis zur Ermittlung von Anpassungsbedarf und Verbesserungspotential der Datenbank
  • Entwicklung eines Konzepts zur Optimierung der Datenbank an Anforderungen und Bedürfnisse der Nutzenden in der Praxis

Methodik

I Qualitativer Teil – leitfadengestützte Fokusgruppendiskussion mit Fachpersonal aus Medizin, Pharmazie, Pflege und Auswertung der transkribierten Diskussionsrunden mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz mit MAXQDA. Die Ergebnisse der Fokusgruppendiskussionen liefern Ansätze für die praxisorientierte Weiterentwicklung und dienen als Grundlage für eine Fragebogenumfrage zur Datenbank.

II Quantitativer Teil – Online-Userbefragung mittels strukturierter Fragebögen

Forschungsbeiträge/ Poster

  • Pügge, S., Dukic-Ott, A., Baumgärtel, J., et al., Off-label drug use in palliative medicine: Delphi study for the consensus of evidence-based treatment recommendations. Palliat Med, 2025. 39(5): p. 530-542.
  • Pügge, S., Dukic-Ott, A., Pichlmaier, I., et al., Therapieempfehlungen zum Off-Label-Use palliativmedizinisch relevanter Arzneistoffe: alternative Applikationsarten – Konsentierung durch Delphi-Verfahren. Zeitschrift für Palliativmedizin, 2025 (EFirst).
  • Poster „pall-OLU.de: Therapieempfehlungen zum Off-Label Einsatz von Arzneimitteln in der Palliativmedizin“ – Pügge S, Dukic-Ott A, Büsel S, Rémi C, expopharm München 2024
  • Poster “PALL-OLU. DE: A NEW DATABASE ON THE OFF-LABEL USE OF DRUGS IN PALLIATIVE MEDICINE” - Pügge, S., Dukić-Ott, A., Büsel, S., Baumgärtel, J., & Rémi, C. EAHP Congress Bordeaux 2024


Off-Label-Anwendungen in der Palliativmedizin zwischen Theorie und Praxis: wie stimmen Evidenz und klinische Routine überein?

Doktorand: Isabelle Pichlmaier

  • PD Dr. rer. biol. hum. Constanze Rémi, MSc, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin & Apotheke, LMU Klinikum
  • Prof. Dr. Claudia Bausewein, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin, LMU Klinikum

Hintergrund

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Zielsetzung

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Methodik

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Delphiverfahren zur Konsentierung von Therapieempfehlungen für den Off-Label-Use von Arzneimitteln in der Palliativmedizin

Doktorand: Julian Baumgärtel

  • PD Dr. rer. biol. hum. Constanze Rémi, MSc, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin & Apotheke, LMU Klinikum
  • Prof. Dr. Claudia Bausewein, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin, LMU Klinikum
  • Prof. Dr. Jan Rémi, Neurologische Klinik und Poliklinik, LMU Klinikum
  • Prof. Dr. Dr. Saskia Jünger, DoCH - Department of Community Health, Hochschule für Gesundheit Bochum

Hintergrund

Der zulassungsüberschreitende Einsatz von Arzneimitteln (Off-Label-Use) ist fester Bestandteil in der palliativmedizinischen Arzneimitteltherapie und damit in der Betreuung onkologischer Patienten in der Palliativsituation. Mit Off-Label-Use ist auch immer eine potentielle Gefährdung der Patientin bzw. des Patienten durch ein nicht bzw. nicht-ausreichend geprüftes Arzneimittel verbunden. Im klinischen Alltag fehlen jedoch vielfach Zeit und Ressourcen, um für jede Therapie auf Basis der aktuellen Literatur und zur Verfügung stehender Alternativen eine patientenindividuelle Nutzen-Risiko-Abwägung durchzuführen. Die erweiterte S3-Leitlinie „Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung“ stellt einen wichtigen Schritt für die Unterstützung in der täglichen Versorgung von Palliativpatientinnen und -patienten dar, da konkrete, konsens- und evidenzbasierte Therapieempfehlungen gemacht werden. Allerdings deckt die Leitlinie nicht alle relevanten Indikationen ab und geht nur teilweise auf einzelne Arzneistoffe ein.

Zielsetzung

Ziel der Dissertation ist die Konsentierung von Therapieempfehlungen zum Off-Label-Einsatz von palliativmedizinisch relevanten Arzneistoffe mittels Delphi-Verfahren.

Die Teilziele sind:

1. Unterstützung bei der Erstellung der zu konsentierenden Empfehlungen

2. Die Rekrutierung von Fachexperten (Ärzte aus der Palliativversorgung, Apotheker, Pflegende), die sich mit palliativmedizinischer Arzneimitteltherapie auskennen

3. Entwicklung und Pilotierung des Fragebogens zur Konsentierung der Empfehlungen

4. Moderation der Delphibefragung (Versenden der Einladungen zur Teilnahme und Erinnerungen)

5. Analyse der Ergebnisse und Vorbereitung der nächsten Befragungsrunde.

Methodik

Im Rahmen des 2. Dr. Werner Jackstädt-Expertenworkshops „Off-label-Use in der Palliativmedizin“ wurde 2019 ein standardisiertes Gruppendelphiverfahren zur Erstellung und Konsentierung von Therapieempfehlungen für den Off-Label-Use entwickelt. Auf dieser Grundlage werden für palliativmedizinisch relevante Arzneistoffe systematische Literaturrecherchen zu ausgewählten Indikationen durchgeführt, die identifizierte Evidenz extrahiert, eine Monographie erstellt und nach SIGN-Kriterien bewertet. Unter Berücksichtigung der Evidenzlage, verfügbarer Therapiealternativen und potenzieller Risiken werden konkrete Therapieempfehlungen formuliert. Die Konsentierung erfolgt anschließend über ein mehrstufiges internetbasiertes Delphiverfahren mit Expertinnen und Experten aus der Palliativversorgung. Die final konsentierten Monographien werden kostenfrei auf einer öffentlich zugänglichen Internetplattform bereitgestellt, um evidenzbasierte Informationen zum Off-Label-Use in der Palliativmedizin verfügbar zu machen.

Forschungsbeiträge



Charakterisierung von Off-Lable-Use in der spezialisierten Palliativversorgung in Deutschland

Doktorand: Korbinian Wolf

  • PD Dr. rer. biol. hum. Constanze Rémi, MSc, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin & Apotheke, LMU Klinikum

  • Prof. Dr. Claudia Bausewein, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin, LMU Klinikum

  • Prof. Dr. med. Louisa von Baumgarten, Neurologische Klinik und Poliklinik, LMU Klinikum

  • PD Dr. med Carsten Klein, Palliativmedizinische Abteilung Universitätsklinikum Erlangen

Hintergrund

Die zulassungsüberschreitende Anwendung von Medikamenten (Off-Label-Use, OLU) ist alltäglicher Bestandteil der palliativmedizinischen Pharmakotherapie. Sie erweitert das Therapiespektrum, stellt jedoch gleichzeitig ein nicht immer abschätzbares Therapierisiko dar. Vergleichende deutschlandweite Daten zur Verwendung OLU in der spezialisierten Palliativversorgung gibt es bislang nicht. Kenntnisse über den aktuellen Ist-Zustand sind für qualitätssichernde Maßnahmen jedoch dringend notwendig. Ziel der Studie ist eine deutschlandweite Charakterisierung des OLU in Einrichtungen der spezialisierten Palliativversorgung und die qualitative Einordnung verschiedener OLU-Praktiken.

Zielsetzung

Ziel der Studie ist eine deutschlandweite Charakterisierung des OLU in Einrichtungen der spezialisierten Palliativversorgung und die qualitative Einordnung verschiedener OLU-Praktiken.

Methodik

Bei der Studie handelt es sich um eine retrospektive Querschnittsstudie. Erfasst werden alle Verordnungen für Patientinnen und Patienten der teilnehmende Einrichtungen in Deutschland innerhalb eines Kalendermonats. Die Bewertung, ob ein Off-Label-Use vorliegt oder nicht, erfolgt im Abgleich mit der Medikamenten-Fachinformation hinsichtlich Indikation, Dosierung, Anwendungsdauer, Applikationsweg und Applikationsmodus. Es folgt eine statistische Auswertung zur Häufigkeit und Verteilung von OLU sowie eine Literaturrecherche zur Einschätzung der zugrundeliegenden Evidenz häufig verwendeter OLU-Anwendungen.

A systematic review of off-label pharmacological therapeutic options for neuropathic pain in adult palliative care patients and grading the quality of evidence

Master student: Anthe Swaenepoel

  • Prof. Koen Boussery, Faculty of Pharmaceutical Sciences, Ghent University
  • Dr. Aleksandra Dukic-Ott, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin & Apotheke, LMU Klinikum
  • Stefanie Pügge, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin & Apotheke, LMU Klinikum

Objective of the thesis

The aim of this thesis is to develop evidence-based treatment recommendations, including a clear justification as well as an assessment of the level of evidence and strength of recommendation. Furthermore, it seeks to formulate practical guidance for clinical application and the monitoring of treatment outcomes.

Methodology

Systematic literature reserach

Charakterisierung häufig eingesetzter Arzneistoffe in Dauerinfusionen der ambulanten Palliativversorgung

Doktorandin: Sophia Seul

  • PD Dr. rer. biol. hum. Constanze Rémi, MSc, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin & Apotheke, LMU Klinikum
  • Prof. Dr. Claudia Bausewein, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin, LMU Klinikum
  • Prof. Dr. Wolfgang Frieß, Department Pharmazie, LMU München

Hintergrund

Der parenterale Einsatz von Medikamenten ist Teil des Versorgungsalltags in der Palliativmedizin, beispielsweise wenn Patientinnen und Patienten am Lebensende eine Dysphagie entwickeln oder somnolent werden. Es ist gängige Praxis, die vom Patienten benötigten Medikamente in einer Mischinfusion zu kombinieren, auch wenn die Praktiken sehr unterschiedlich und von wenigen (Dauer-)Infusionen bis hin zur Ausgestaltung der Therapie mittels einer Mischinfusion reichen. Ursprünglich basiert diese Praxis vermutlich auf dem von Dame Cicley Saunders postulierten Ansatz „high person, low technology“, d.h. dem Prinzip des größtmöglichen Verzichts auf Technik bei gleichzeitigem Fokus auf der menschlichen Zuwendung. Eine wichtige Rolle spielt sicherlich auch der Wunsch vieler Patienten, zu Hause versorgt zu werden und dort auch versterben zu können. Durch den starken Ausbau stationärer und ambulanter Versorgungsstrukturen in Deutschland in den vergangenen Jahren liegen die Gründe für die Anwendung von Mischinfusionen mittlerweile jedoch sicherlich auch stark in der Praktikabilität und Durchführbarkeit einer parenteralen Infusionstherapie zu Hause.

Angewendet werden insbesondere Arzneistoffe wie Opioide und Benzodiazepine sowie weitere Analgetika wie Novaminsulfonsäure und Antiemetika/Prokinetika wie Metoclopramid.

Wissenschaftlich verwertbare Daten, welche spezifischen Substanzen, in welcher Dosierung und in welchem Applikationsintervall bzw. welche Mischinfusionen aus verschiedenen Substanzklassen eingesetzt werden, stehen ebenso wenig zur Verfügung wie Angaben zu verwendeten Laufzeiten der jeweiligen Mischinfusionen. Eine Erhebung solcher Daten ist daher von großem Interesse insbesondere hinsichtlich einer Beurteilung auf Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität – den drei geforderten Säulen des Arzneimittelgesetzes -, da Substanzen in Mischungen rein formal off-label eingesetzt werden und Haftungsansprüche in diesen Fällen gegenüber dem/der verschreibende Arzt/Ärztin geltend gemacht werden könnten.

Ziel

Hauptziel dieses Projektes ist die Charakterisierung häufig eingesetzter Arzneistoffe in Dauerinfusionen in der spezialisierten Palliativversorgung. Dabei steht die Erfassung der häufigsten Substanzkombinationen und ihre Beurteilung hinsichtlich Kompatibilität und Stabilität im Vordergrund.

Methodik

Es handelt sich um eine monozentrische, retrospektive, deskriptive Beobachtungsstudie. Das Studiensetting ist die Palliativstation sowie die beiden Teams der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV-Team Stadt und SAPV-Team Land des LMU Klinikums), wobei jeweils die Patienten eingeschlossen werden, die im Zeitraum 01/25 – 06/25 in Behandlung waren und mind. einen parenteral verabreichten Arzneistoff erhalten haben. Die patienten- und therapiebezogenen Daten werden retrospektiv und anonymisiert aus PDFs extrahiert, die in den elektronischen Patientenakten ISPC © (Informationssystem Palliative Care) hinterlegt sind. Die Datenanalyse- und Auswertung erfolgt mithilfe von SPSS.

Primäre Endpunkte sind dabei die verordneten Substanzen und ihre Konzentrationen, sekundäre Endpunkte sind die verordneten Substanzkombinationen, ihre physikalisch-chemische Kompatibilität und Stabilität, die per Literaturrecherche und per Abgleich internationaler Datenbanken beurteilt werden soll. Als Ausblick sollen mögliche medikamentöse Therapiealternativen in einem Expertengremium diskutiert werden.

Risikopotential QTc-Zeit verlängernde Arzneimittel bei Palliativpatientinnen und -patienten

Doktorandin: Stephanie Vahlbrock

  • PD Dr. rer. biol. hum. Constanze Rémi, MSc, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin & Apotheke, LMU Klinikum
  • Prof. Dr. Claudia Bausewein, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin, LMU Klinikum
  • Prof. Dr. Stefan Kääb, Med. Klinik und Poliklinik I, LMU Klinikum
  • Prof Dr. Ulrich Jaehde, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn

Hintergrund

In der Palliativmedizin steht die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten im Vordergrund. Medikamentöse Therapien sind dabei zur Behandlung belastender Symptome essenziell. Arzneimittelbedingte Risiken, wie eine QTc-Zeit Verlängerung im EKG, müssen ebenso berücksichtigt werden. Die QTc-Zeit kann beispielsweise durch Herzerkrankungen oder Medikamente beeinflusst werden. Etwa 20 % der stationären onkologischen Palliativpatientinnen und Palliativpatienten zeigen verlängerte QTc-Zeiten. Die klinische Relevanz QTc-Zeit verlängernder Arzneimittel im Kontext einer begrenzten Lebenserwartung ist bisher unklar, ebenso die Anwendbarkeit von Risikoscores aus anderen medizinischen Fachgebieten.

Ziel

Charakterisierung des Risikos und möglicher Risikofaktoren einer medikamentösen QTc-Zeit Verlängerung bei Palliativpatientinnen und Palliativpatienten und Entwicklung praxisrelevanter Empfehlungen zum Umgang mit Risikoarzneistoffen in der Palliativversorgung.

Methodik

Es handelt sich um eine mixed-methods-Studie mit einer retrospektiven Aktenanalyse, bei der eingesetzte Risikoarzneistoffe sowie relevante Risikofaktoren identifiziert und das individuelle Risiko der Patientin bzw. des Patienten mithilfe eines bekannten Risikoscores klassifiziert werden. In einer Fokusgruppendiskussion mit Expertinnen und Experten aus Palliativmedizin, Kardiologie und klinischer Pharmazie, werden anschließend spezifische Fragestellungen zum Umgang mit Risikofaktoren inkl. Medikamenten diskutiert. Die Ergebnisse dienen als Grundlage zur Entwicklung von Empfehlungen für den Umgang mit Risikofaktoren und werden im Rahmen von Qualitätsmanagementmaßnahmen auf der Palliativstation implementiert. Eine erneute retrospektive Aktenanalyse zur Identifikation von Veränderungen erfolgt nach Einführung der Empfehlungen.

Forschungsbeiträge: Poster

  • Vahlbrock, S; Bausewein, C; Rémi, C. Palliativmedizin und QTc-Zeit Verlängerung: Das Risiko medikamentöser Behandlungen. 50. Wissenschaftlicher ADKA-Jahreskongress, 2025, Berlin
  • Vahlbrock, S; Bausewein, C; Rémi, C. Beyond the Tisdale Risk Score: QTc Prolongation Challenges in Palliative Care. 19th World Congress of the European Association for Palliative Care, 2025, Helsinki (Finnland)
  • Vahlbrock S, Bausewein C, Berner JM, Rémi C. "Risikopotential QTc-Zeit verlängernder Arzneimittel bei Palliativpatient:innen – Studienprotokoll" 10. Wissenschaftlichen Arbeitstage digital AG Forschung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, 2024
  • Vahlbrock S, Bausewein C, Berner JM, Rémi C. "Risikopotential QTc-Zeit verlängernder Arzneimittel bei Palliativpatient:innen" 15. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, 2024, Aachen
  • Vahlbrock S, Bausewein C, Rémi C. "Risikopotential QTc-Zeit verlängernder Arzneimittel bei Palliativpatient:innen" 6. Kongress für Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie, 2024

Deprescribing: Medikationsmanagement bei Palliativpatienten am Lebensende - „Screening Tool of Older Persons Prescriptions in Frail adults with limited life expectancy“ (STOPPFrail) zur Anwendung in der Palliativversorgung im deutschsprachigen Raum

Doktorandin: Sara Michiel

  • PD Dr. rer. biol. hum. Constanze Rémi, MSc, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin & Apotheke LMU Klinikum

  • Prof. Dr. Claudia Bausewein, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin

  • Prof. Dr. Tobias Dreischulte, Institut für Allgemeinmedizin, LMU Klinikum

  • PD Dr. Ute Amann, MPH postgrad., LMU München

Hintergrund

Palliativpatientinnen und Palliativpatienten erhalten am Lebensende oft mehrere Medikamente zur Behandlung belastender Symptome oder chronischer Erkrankungen. Gerade aufgrund der begrenzten Lebenserwartung ist es wichtig, zu beurteilen, ob ein Medikament noch den gewünschten Nutzen erfüllen kann, oder eher abgesetzt werden sollte. Beim Deprescribing werden Medikamente sicher abgesetzt oder kontrolliert reduziert die risikoreich, schädlich oder in der aktuellen Situation nicht mehr als zielführend erachtete werden. Bislang steht im deutschsprachigen Raum kein validiertes Tool zur Verfügung, das Ärztinnen und Ärzte und Apothekerinnen und Apotheker bei diesem Prozess unterstützt.

Ziel

Ziel dieser Studie war die Entwicklung einer kulturell angepassten deutschsprachigen Version des STOPPFrail-Tools (Version 2) und Bestimmung der Interrater-Reliabilität (IRR).

Methodik

Zunächst erfolgte eine systematische Übersetzung des englischen Originals ins Deutsche. Anschließend wurden mit zwölf Ärztinnen und Ärzten und Apothekerinnen und Apothekern semistrukturierte Interviews durchgeführt, um die Verständlichkeit und Relevanz der einzelnen Bewertungskriterien des Instruments für die Anwendung im deutschsprachigen Versorgungsraum zu erfassen. Nach jeder Interviewrunde mit jeweils drei Personen wurde das Instrument gegebenenfalls angepasst. Im abschliessenden Teil identifizierten im Rahmen einer Onlineumfrage Ärztinnen und Ärzte und Apothekerinnen und Apotheker unabhängig voneinander potenziell zum Deprescribing geeignete Arzneistoffe an Fallbeispielen.

Forschungsbeiträge: Poster

  • Michiel S, Bausewein C, Rémi C. “Deprescribing: Medikationsmanagement bei Palliativpatient:innen am Lebensende”. 15. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, 2024, Aachen
  • Michiel S, Bausewein C, Rémi C. “Deprescribing am Lebensende – Interviewstudie zur Erstellung einer deutschen Version von STOPPFrail”. 10. Wissenschaftliche Arbeitstage 2024 der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, 2024, digitaler Kongress

  • Michiel S, Bausewein C, Rémi, C. “Deprescribing: Medikationsmanagement bei Palliativpatient/-innen am Lebensende”. Jahrestagung 2023 der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmazie e. V., Münster

  • Michiel S, Bausewein C, Rémi C. “Deprescribing: Medikationsmanagement bei Palliativpatienten am Lebensende”. 8. Wissenschaftliche Arbeitstage der Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) e. V., 2022, Virtueller Kongress

Evaluation des curricularen Bedarfs an Fort- und Weiterbildungsangeboten in der Palliativpharmazie

Doktorandin: Nekita Hoch

  • PD Dr. rer. biol. hum. Constanze Rémi, MSc, Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin & Apotheke, LMU Klinikum

  • Prof. Dr. Frank Elsner, Klinik für Palliativmedizin, Universitätsklinikum Aachen

  • Prof. Dr. Konstantinos Dimitriadis, MBA, Neurologische Klinik und Poliklinik, LMU Klinikum

Hintergrund

Die Begleitung von Palliativpatientinnen und Palliativpatienten durch pharmazeutisches Fachpersonal stellt, durch die Versorgung mit Arzneimitteln, einen essentiellen Teil der Palliativmedizin dar. Daneben übernehmen Apothekerinnen und Apotheker Verantwortung für das Medikationsmanagement, welches besonders bei einer oftmals vorkommenden Polymedikation herausfordernd sein kann. Während die beteiligten Berufsgruppen gleiche Ziele bei der grundlegenden Versorgung von Palliativpatientinnen und Palliativpatienten verfolgen, bestimmen die typischen Anforderungen und Aufgaben der jeweiligen Berufsgruppen spezifische Unterschiede, denen man ebenfalls gerecht werden muss. Dafür hat die deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin eine berufsgruppenunabhängige, kompetenzbasierte Matrix zur Erstellung curricularer Bildungsinhalte in Palliative Care (KoMPaC) erstellt, die als Grundlage dienen soll, damit berufsspezifische Curricula einheitlich gestaltet werden können. Die Anpassung des seit 2008 bestehenden Zertifikatskurs Palliativpharmazie an die KoMPaC steht noch aus.

Ziel

Das primäre Ziel ist die Entwicklung eines Curriculums Palliativpharmazie basierend auf der KoMPaC. Sekundäre Ziele sind die Evaluation der Erfahrungen von Absolventinnen und Absolventen des Zertifikatskurses Palliativpharmazie, die Bestimmung der wahrgenommene Rolle von Apothekerinnen und Apothekern in der Palliativversorgung, sowie die Ermittlung des Palliative Care-Wissensbedarfs vom pharmazeutischen Fachpersonal.

Methodik

Nach einer Querschnittsstudie mit webbasierter Onlinebefragung mit bereits am Zertifikatskurs teilgenommenen Apothekerinnen und Apothekern, erfolgt eine semistrukturierte Interviewstudie mit an der Fortbildung interessierten Apothekerinnen und Apothekern. Mithilfe der daraus gewonnenen Erkenntnisse wird das Curriculum für Palliativpharmazie auf der KoMPaC basierend erneuert. Im Anschluss erfolgt ein Testdurchlauf mit dem erstellten Pilotcurriculum sowie einer Querschnittsstudie zur Pre-Post Evaluation des neuen Curriculums.

Abgeschlossene Doktor- und Masterarbeiten zur Arzneimitteltherapiesicherheit in der Palliativmedizin

Mesanovic, Adna (2025): A systematic review of off-label therapeutic options for cough in adult palliative care patients Master Thesis in cooperation with Ghent University

Krumm, Lisa (2022): Arzneimitteltherapiesicherheit in der Palliativtherapie - Pharmazeutische Analyse palliativmedizinischer Medikationsprozesse. Dissertation zur Erlangung des Titels Dr. rer. biol. hum., LMU München: Medizinische Fakultät.

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  • Krumm L, Bauswein C, Rémi C. Drug Therapy Safety in Palliative Care. Pharmaceutical - Analysis of Medication Processes in Palliative Care. Pharmacy 2023, 11(5), 160; https://doi.org/10.3390/pharmacy11050160
  • Rémi C, Bauer D, Krumm L, Bausewein C. Drug-Related Problems on a Palliative Care Unit. Journal of Pain & Palliative Care Pharmacotherapy 2021. doi: 10.1080/15360288.2021.1943596
  • Krumm L, Rémi C, Bausewein C. Arzneimitteltherapiesicherheit in der Palliativtherapie – der Einfluss des Apothekers auf einer Palliativstation [129]. 13. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Wiesbaden, 9. - 12. September 2020. Abstract in Zeitschrift für Palliativmedizin. 2020;21(05) (Posterabstract)

Hagemann, Vera (2022): Anwendungspraxis von Arzneimitteln außerhalb der Zulassung in deutschen Einrichtungen der spezialisierten palliativmedizinischen Versorgung. Dissertation zur Erlangung des Titels Dr. rer. biol. hum., LMU München: Medizinische Fakultät.

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  • Hagemann V, Bausewein C, Rémi C. Off-label use in adult Palliative Care – more common than expected. A retrospective chart review. European Journal of Hospital Pharmacy 2022 Nov;29(6):329-335. doi: 10.1136/ejhpharm-2020-002554.
  • Hagemann V, Bausewein C, Rémi C. Off-label-prescriptions in daily clinical practice – a cross-sectional national survey of palliative medicine doctors. Progress in Palliative Care 2019; 27 (4): 154-159. https://doi.org/10.1080/09699260.2019.1646048
  • Hagemann V, Bausewein C, Rémi C. Drug use beyond the license in palliative care: a systematic review and narrative synthesis. Palliative Medicine 2019; 33 (6): 650-662. DOI: 10.1177/0269216319840602

Bauer, Dominik (2018): Auswirkungen einer intersektoralen pharmakotherapeutischen Betreuung durch Apotheker auf die Symptomlast von Palliativpatienten. Dissertation zur Erlangung des Titels Dr. rer. biol. hum., LMU München: Medizinische Fakultät.

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  • Rémi C, Bauer D, Krumm L, Bausewein C. Drug-Related Problems on a Palliative Care Unit. Journal of Pain & Palliative Care Pharmacotherapy 2021. doi: 10.1080/15360288.2021.1943596
  • Bauer D, Bausewein C, Rémi C. Wirkung einer individuell angepassten Arzneimitteltherapie auf die Symptome von Palliativpatienten. 5. Kongress für Arzneimittelinformation der ADKA. Köln, 03.-04.02.2017. Abstract in Krankenhauspharmazie 2017; 38(02): 104 (Posterabstract)
  • Bauer D, Rémi C, Kalies H, Bausewein C. Auswirkungen von arzneimittelbezogenen Problemen auf den Symptomverlauf von Palliativpatienten. 11. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Leipzig, 07–10.09.2016. Abstract in Zeitschrift für Palliativmedizin 2016; 17(05): P95 (Posterabstract)
  • Bauer D, Rémi C, Bausewein C. Do Palliative Patients Have Early Access to Drugs Used for Symptom Control? 9th World Research Congress of the European Association for Palliative Care (EAPC) von 9.-11. Juni 2016 in Dublin, Irland. Abstract in Palliative Medicine 2016; 30 (6): NP1-NP401 (Posterabstract)
  • Rémi C, Bauer D, Simon S, Perrar K-M, Voltz R, Bausewein C. Palliative Care Pharmacotherapy: Continuous Safety through Pharmaceutical Consultation – Study. Protocol for a Feasibility Study. 9th World Research Congress of the European Association for Palliative Care (EAPC) von 9.-11. Juni 2016 in Dublin, Irland. Abstract in Palliative Medicine 2016; 30 (6): NP1-NP401 (Posterabstract)
  • Rémi C, Bauer D, Schiek S, Bausewein C. Drug Related Problems in Palliative Care. 9th World Research Congress of the European Association for Palliative Care (EAPC) von 9.-11. Juni 2016 in Dublin, Irland. Palliative Medicine 2016; 30 (6): NP1-NP401(Posterabstract)
  • Bauer D, Rémi C, Bausewein C. Einfluss des Apothekers auf die Arzneimitteltherapie bei Palliativpatienten. 41. Wissenschaftlicher Kongress der ADKA vom 2.-4. Juni 2016 , Aachen. Abstract in Krankenhauspharmazie 2016; 37(6): 250-280 (Posterabstract)
  • Rémi C, Kieslich K, Marheineke A, Bauer D, Bausewein C. Arzneimitteltherapiesicherheit in der Infusionstherapie. 10. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Zeitschrift für Palliativmedizin 2014; 15(03): PB146 (Posterabstract)

Rémi, Constanze (2017): Mischinfusionen in der Palliativmedizin: Kompatibilität und Stabilität palliativmedizinisch-relevanter Arzneimittelmischungen. Dissertation zur Erlangung des Titels Dr. rer. biol. hum., LMU München: Medizinische Fakultät.

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Kooperationen

Pharmacological antiemetic prophylaxis and treatment for opioid‐induced nausea and vomiting (OINV) in patients treated for cancer pain and cancer‐related breathlessness

  • Beteiligte: Jan Gaertner, Christian Appenzeller-Herzog, Vanessa Piechotta, Guido Schwarzer, Constanze Rémi, Katja Suter, Christopher Boehlke
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SCUTI48—An International Survey of Continuous Subcutaneous Infusions: is there an unmet need for extended infusions of 48 hours and beyond?

  • Projektleitung: Dr. Andrew Dickman, University of Liverpool UK
  • Beteiligte: Penny Tuffin (WA Country Health, AU); Emma Griffiths (Univ. Auckland, NZ); Dr Denise Hayes (Univ. Hospital Waterford, IE); Constanze Remi (LMU University Hospital, LMU Munich, Munich,DE); Dr Yuko Yoshida (Osaka Univ., JP); Melissa Russell (Liverpool John Moores Univ., UK)
  • Publikationen: 
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An observational study of diagnostic criteria, clinical features and management of opioid-induced constipation (OIC) in European patients with cancer pain: The “E-StOIC” project

  • Projektleitung: Prof Andrew Davies, University of Dublin, Trinity College UK
  • Beteiligte: Barbote JG (University of VIC/Central, Barcelona, Spain), Chelazzi C (University of Brescia, Brescia, Italy), Economos G (Hopital Lyon Sud, Hospices Civils de Lyon, Lyon, France), Elsner F (RWTH Aachen University, Aachen, Germany), Fagan N (Trinity College Dublin, University College Dublin and Our Lady's Hospice & Care Services,UK), Leach C ( Royal Surrey County Hospital, Guildford, UK), Monsen RE ( Lovisenberg Diaconal Hospital, Oslo, Norway), Oldenmenger (Erasmus University Medical Center, Rotterdam, Netherlands), Remi C (LMU University Hospital, LMU Munich, Munich, Germany), van den Beuken-van Everdingen M (Maastricht University, Maastricht, The Netherlands), Wuestfeld M (Kuopio University Hospital, Kuopio, Finland)
  • Publikationen: 
Davies A, Fagan N, Barboteo JG, Chelazzi C, Economos, G, Elsner F, Leach C, Normann A, Oldenmenger W, Remi C, van den Beuken-van Everdingen M, Wuestefeld M. Inadequate Management of Opioid-Induced Constipation in European Cancer Patients: Results of a real-world, multicentre, observational study (“E-StOIC”)". Support Care Cancer. 2024 Oct 5;32(10):701. doi: 10.1007/s00520-024-08898-1.
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Randomized controlled trial of the use of intranasal midazolam for the treatment of terminal agitation in palliative care patients

  • Projektleitung: PD Dr. med. Tobias Boch, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg
  • Beteiligte: Hirschinger H (Heidelberg University, Mannheim University Hospital, Mannheim, Germany), Rémi C (LMU University Hospital, LMU Munich, Munich, Germany), Thanbichler E  (Heidelberg University, Mannheim, Germany), Hofmann WK (Heidelberg University, Mannheim, Germany), Genzer D (Heidelberg University, Mannheim, Germany/  Oeschelbronn Clinic, Niefern-Oeschelbronn, Germany), Jaeger E (Heidelberg University, Mannheim, Germany), Nittka S (Heidelberg University, Mannheim, Germany), Hetjens S (Heidelberg University, Mannheim, Germany), Lorenz C (Mannheim University Hospital, Mannheim, Germany), Saussele S (Heidelberg University, Mannheim, Germany)
  • Publikationen: 
    • Hirschinger H, Rémi C, Thanbichler E, Hofmann WK, Gencer D, Boch T. Feasibility of Intranasal Versus Subcutaneous Drug Administration: A Non-Randomised Crossover Study. Am J Hosp Palliat Care. 2026 Feb 17:10499091261427444.
    • Hirschinger H, Jaeger E, Nittka S, Hetjens S, Lorenz C, Remi C, Saussele S, Hofmann WK, Gencer D, Boch T. Treatment of agitation in terminally ill patients with intranasal midazolam versus subcutaneous midazolam: study protocol for a randomised controlled open-label monocentric trial (MinTU Study). BMC Palliat Care. 2024 Jan 3;23(1):8. doi: 10.1186/s12904-023-01330-1
    • Hirschinger H, Jäger E, Hetjens S, Saußele S, Hofmann W.-K., Rémi C, Gencer D, Boch T. Treatment of agitation in terminally ill patients with intranasal midazolam versus subcutaneous midazolam: randomised, controlled, open-label, monocentric trial (MinTU Study). Palliative Medicine 2025; 39, Issue 2 Suppl, 1-490. doi.org/10.1177/02692163251335482 (Posterabstract)
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