Sprechstunde für Cerebralparese und andere zentrale Bewegungsstörungen
Im Fachbereich Bewegungsstörungen (Motorik- und Interventionsambulanz, kurz MIA genannt) werden Kinder mit verschiedenen Formen von Bewegungsstörungen (Cerebralparese, Dystonie, Ataxie und andere) behandelt. Neben einem breiten Spektrum an diagnostischen Maßnahmen stehen alle aktuelle Therapien zur Tonusmodulation und Unterstützung der motorischen Entwicklung zur Verfügung. Die kontinuierliche und interdisziplinäre Betreuung der Patienten mit ihren Familien steht hierbei im Vordergrund.
Zabracadabra - Magie bewegt
Innovatives ambulantes Intensivprojekt für Kinder mit zentraler Bewegungsstörung
Konzept
Kinder mit Hemiparese (Halbseitenlähmung) oder bilateraler Cerebralparese durch angeborene (z.B. Frühgeburtlichkeit, Hirnblutung oder intrauteriner/perinataler Schlaganfall) oder erworbene Ursachen (z.B. Schädelhirntrauma, kindlicher Schlaganfall, Hirntumor) erfahren häufig starke Einschränkungen bei Beidhand-Tätigkeiten und dadurch eine Reduktion der Selbständigkeit und Unabhängigkeit im Alltag und der Selbstwirksamkeit. In Anlehnung an das im Sommer 2024 gemeinsam mit den Ehrlich Brothers auf Burg Rabenstein durchgeführte Intensivprojekt Magic Moves (https://www.zdf.de/reportagen/magic-moves-102) entwickelten wir nun unser innovatives, kindgerechtes, multimodales Therapiekonzept „Zabracadabra – Magie bewegt“. So können wir die wirkungsvolle Kombination aus Therapie und Zauberei mehr Kindern mit verschiedenen Formen von Körperbehinderung anbieten. Insbesondere fördern wir durch bimanuelles, alltagsorientiertes Aktivitätentraining die Selbständigkeit der Kinder und dadurch auch deren Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.
Trainiert wird in Kleingruppen (4-6 Patienten / Gruppe). Das Therapiekonzept beinhaltet ergotherapeutisch angeleitetes Alltagstraining, Zaubertraining, Magnetstimulation (frNMS) oder Elektrostimulation (FES) und gemeinsame Gruppenaktivitäten. Dabei stehen Beidhandaktivitäten und das Erreichen von individuell festgelegten Alltagszielen im Vordergrund.
Teilnahme
Folgende Kinder können an dem Intensivprojekt teilnehmen:
- Kinder mit angeborener oder erworbener Hemiparese, wie beispielsweise unilateraler Cerebralparese oder angeborenem / erworbenem Stroke
- Kinder mit bilateraler, zentraler Bewegungsstörung, wie beispielsweise bilateral spastische Cerebralparese
- Alter: 7-18 Jahre
Lokalität
iSPZ Hauner MUC
Teilstandort Haus Herzog
Herzog-Heinrich-Strasse 13
80336 München
Dauer
Therapeutische Betreuung insgesamt über einen Zeitraum von 9-12 Monaten, in 3 Phasen. Es werden jährlich 3 Blöcke angeboten, die sich zeitlich überlappen (Winter / Frühjahr / Herbst).
Ablauf
- Phase 1: 10-12 Trainings innerhalb von 3 Monaten, Dauer ca. 3,5 Stunden / Woche
- Phase 2: Monatliches Training über 3 Monate, Dauer ca. 3,5 Stunden / Monat
- Phase 3: Nach 3 Monaten eintägiges Training am Wochenende à 5 Stunden mit kleiner Abschluss-Show für die Familien
- 1x / jährlich: Gemeinsame Abschluss-Show mit allen Gruppen und professionellen Zauberern
Anmeldung
Bei Interesse wenden Sie sich bitte an:
Maike Marx
iSPZ Hauner MUC
Teilstandort Haus Herzog
Herzog – Heinrich – Str. 13
80336 München
Das Projekt wird ermöglicht dank der Unterstützung durch den Hauner Verein, den Lions Club Bavaria, die Merkur Privatbank, den Sparkassenverband Bayern und die Spendenaktion der Ehrlich Brothers.
Es erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Zauberakademie Deutschland und unter der Schirmherrschaft der Ehrlich Brothers.
- Kinder mit Cerebralparesen (unilateral, bilateral, spastisch, dykinetisch, ataktisch) und erworbenen Paresen (nach einem Schlaganfall, postentzündlich, posttraumatisch, angeborenen spastische Paresen, hypoxischer Hirnschaden)
- Kinder mit anderen angeborenen oder erworben Bewegungsstörungen wie Dystonie, Ataxie, Chorea, Tic-Störungen
- Kinder mit idiopathischem Zehenspitzengang
- Kinder mit anderen (sekundären) Auffälligkeiten der Motorik (z.B. bei Bindegewebsschwäche etc.)
- Einleitung diagnostischer Maßnahmen zur Klärung der Ursache: Durch die Nähe zum Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München stehen alle diagnostischen Methoden zur Verfügung (bei Notwendigkeit auch in einem stationären Rahmen).
- Detaillierte und standardisierte neurologische Untersuchung: Einschließlich standardisierter Videoganganalyse, Gelenkwinkelmessung und weiterer funktioneller Tests (GMFM 66, AHA, etc.)
- Indikationsstellung zur Behandlung durch Tiefe Hirnstimulation bei Dystonien: Kooperation mit der Neurochirurgischen Klinik und Neurologischen Klinik und Poliklinik der LMU München ist eine Vor- und Nachbetreuung der Patienten ambulant und stationär möglich.
- Indikationsstellung zu einer Therapie mit intrathekalem Baclofen: In Kooperation mit dem Behandlungszentrum Vogtareuth kann die Indikationsstellung erfolgen.
- Interdisziplinäre Hilfsmittelversorgung: Gemeinsam mit den betreuenden Orthopädietechnikern zusammen mit dem Patienten
- Ultraschallgesteuerte Behandlung mit Botulinumtoxin: Nach Festlegung individueller Therapieziele besteht die Behandlungsoption mit Botulinumtoxin. Diese führen wir in einem tagesstationären Setting im Dr. von Haunerschen Kinderspital in Zusammenarbeit mit den Kinderanästhesisten in Analgosedierung und sonographischer Kontrolle durch, damit eine Schmerzfreiheit und eine 100%-ige Injektionsgenauigkeit gewährleistet ist (Ultraschall: siehe: www.munichultrascoundcourse.com)
- Intensivierte Roboter-gestützte Laufbandtherapie: Für Kinder ab dem 4. Lebensjahr (Paediatric Lokomat®, siehe www.hocoma.ch) besteht die Möglichkeit über einen Therapieblock von drei Wochen, an einer täglichen Lokomotionstherapie teilzunehmen. Diese erfolgt ebenfalls in Abstimmung mit allen anderen therapeutischen Optionen (Hilfsmittel, Botulinumtoxin, etc.).
- rPMS – repetitive periphere Magnetstimulation: Zur Tonusreduktion und Verbesserung der Funktionalität im Alltag wird bei uns rPMS angeboten.
- Intensivierte Therapiecamps: Für Kinder mit Hemiparese oder unilateraler Cerebralparese veranstalten wir mit Schwerpunkt auf der oberen Extremität Hemi- Intensiv-Therapiecamps (HIT). Für jüngere Patienten finden regelmäßige Treffs in kleinen Gruppen (Piratengruppe) mit Förderung der motorischen Entwicklung der oberen Extremität statt. Regelmäßige Treffen des Vereins HemiHelp e.V. werden bei uns abgehalten (www.hemihelp.de).
- Interdisziplinäre kinderneurologische und kinderorthopädische Beratung: Kooperationen oder gemeinsame Sprechstunden bestehen mit allen wichtigen kinderorthopädischen Zentren in und um München (Kinderorthopädische Klinik, Campus Großhadern, Orthozentrum München Harlaching, Orthopädische Klinik Aschau)
- Unterstützung bei sozialmedizinischen Fragen: Zum Beispiel bei der Festlegung der Pflegestufe oder des Grades der Behinderung, bei Antragstellung für eine Kur, Häusliche Unterstützung, etc. können Sie kompetent beraten werden.
- Vernetzung mit allen an der Betreuung beteiligten Personen und Einrichtungen: Aufgrund verschiedenen kindlichen Entwicklungsstufen zeigen chronischen Erkrankung oft eine ausgeprägte dynamische Veränderung. Um hier rechtzeitig adäquat eingreifen zu können, ist die Koordination verschiedener Disziplinen (Krankenkassen, Ärzte, Therapeuten und Familie) zum richtigen Zeitpunkt entscheidend. Hierin sehen wir unsere übergeordnete Aufgabe in der kontinuierlichen Betreuung von Kindern mit zentralen Bewegungsstörungen.
Weitere Leistungen
Neben der klinischen Versorgung besteht ein enger wissenschaftlicher Austausch mit verschiedenen Abteilungen der Ludwig-Maximilians-Universität auf dem Gebiet der Versorgungsforschung. Der wissenschaftliche Schwerpunkt liegt in der Evaluation von therapeutischen Massnahmen bei Kindern mit zentralen Bewegungsstörungen. Hierbei interessieren uns die funktionellen, alltagsrelevanten Veränderungen für unsere Patienten, z.B. durch die Behandlung mit Botulinumtoxin oder durch eine intensivierte Roboter-gestützte Laufbandtherapie mit dem Lokomat, aber auch strukturelle Veränderungen auf muskulärer Ebene (Ultraschall und MRT) oder der Ebene des zentralen Nervensystems (funktionelle Bildgebung).
Die Betreuung erfolgt gemeinsam im Team. Je nach Bedarf werden nach der ärztlichen Untersuchung weitere Berufsgruppen wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Sprachheilpädagogik, Psychologie oder Sozialpädagogik mit einbezogen. Je nach Situation und Wohnort erfolgt die Betreuung entweder regelmäßig und direkt durch unsere Therapeuten, oder unser Team steht den Therapeuten am Wohnort des Patienten mit Rat zur Seite. Telefonischer Austausch mit den niedergelassenen Therapeuten dient uns ausserdem zur Abstimmung der gemeinsamen Therapieziele.
Öffnungszeiten
Montag–Freitag
8:00 Uhr–17:00 Uhr
ISPZ Campus Hauner
Teilstandort Haus Haydn
ISPZ Campus Hauner
Teilstandort Haus Herzog
Damit wir uns auf Ihre erste Vorstellung in unserem SPZ so gut wie möglich vorbereiten können, bitten wir Sie, unseren Fragebogen auszufüllen und vorab per Post an uns zurückzusenden.
Die Vorstellung im SPZ ist nur durch Überweisung eines Facharztes für Kinder- und Jugendmedizin, für Neurologie oder für Kinder- und Jugendpsychiatrie möglich.
Bitte bringen Sie zur Untersuchung einen entsprechenden Überweisungsschein mit.
Infos
Kooperationen
- PD Dr. Steffen Berweck, Neuropädiatrie und Neurologische Rehabilitation, Behandlungszentrum Vogtareuth
- Prof. Kai Boetzel, Neurologische Klinik und Poliklinik, LMU München, Campus Großhadern
- Phoenix, Stiftung Pfennigparade, Konduktives Förderzentrum München
- Prof. Dr. Volker Mall, Ärztlicher Direktor Kbo Kinderzentrum München, Lehrstuhl für Sozialpädiatrie (LMU München)
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Links
Hilfsmittel müssen immer zusammen mit dem betreuenden Arzt, Therapeuten und Sanitätshaus in interdisziplinärer Zusammenarbeit besprochen und ausgewählt werden. Wir verlinken diese Seite, weil sie eine sehr gute Zusammenstellung von Hilfsmitteln verschiedener Hersteller bietet und damit gute Anregungen für Eltern geben kann. Sie ersetzt keinesfalls eine gute Beratung und die Erprobung des Hilfsmittels. Nur nach erfolgreicher Erprobung kann beurteilt werden, ob das Hilfsmittel geeignet ist, Ihr Kind zu unterstützen.