Hyperthermie am LMU Klinikum München
Hyperthermie ist ein ergänzendes Therapieverfahren bei Krebserkrankungen. Dabei wird die Wirkung von Chemo- und/oder Strahlentherapie gezielt durch Wärme verstärkt.
Unser Kompetenzzentrum Hyperthermie am LMU Klinikum München erforscht die biologischen und immunologischen Grundlagen dieser Behandlung und prüft ihre Wirksamkeit bei verschiedenen Tumorerkrankungen – sowohl in klinischen Studien als auch in ausgewählten Behandlungsreihen.
Um eine hohe Behandlungsqualität und transparente Strukturen zu gewährleisten, wurde die Arbeitsgemeinschaft Hyperthermie (ARGE Hyperthermie) gegründet. Sie vereint Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen und des Klinikums und legt gemeinsame Qualitätsstandards für die Hyperthermie in Bayern fest.
Leitung
Prof. Dr. med. Lars Lindner Sekretariat: Jeanny Lang
Hyperthermie ist eine unterstützende Behandlung bei Krebserkrankungen. Dabei wird Tumorgewebe gezielt auf 40–44 °C erwärmt. Die Hitze schwächt Krebszellen und macht sie empfindlicher für Chemo- und Strahlentherapie. Gesunde Zellen bleiben dabei weitgehend unbeschadet. Am LMU Klinikum München, Campus Großhadern, wird diese Methode seit 1986 eingesetzt – immer in Kombination mit Chemo- oder Strahlentherapie.
Wie funktioniert die Behandlung?
Die Erwärmung erfolgt mit elektromagnetischen Wellen (Radiowellen). Diese Energie wird über ein Wasserkissen („Wasserbolus“) auf die Haut übertragen und erwärmt gezielt die Tumorregion. Die Behandlung dauert etwa 90 Minuten – 30 Minuten Aufwärmphase, 60 Minuten Zieltemperatur. Während der gesamten Therapie wird die Temperatur überwacht, um eine gleichmäßige und sichere Erwärmung zu gewährleisten.
Warum wird Hyperthermie eingesetzt?
Wärme kann Tumorzellen direkt schädigen (ab etwa 42,5 °C) und ihre Empfindlichkeit gegenüber Chemotherapie und Strahlentherapie deutlich erhöhen. Außerdem verbessert die Erwärmung die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Tumors – Medikamente erreichen das Gewebe dadurch besser. Die Therapie nutzt also sowohl biologische als auch physikalische Effekte, um die Wirkung etablierter Krebsbehandlungen zu verstärken.
Welche Formen der Hyperthermie gibt es?
- Regionale Tiefenhyperthermie (RHT): Für tief liegende Tumoren im Bauch-, Becken- oder Weichteilbereich.
- Oberflächenhyperthermie: Für Tumoren, die nahe an der Haut liegen (z. B. Brustwand, Hautmetastasen).
- Teilkörperhyperthermie: Erwärmt größere Regionen wie Becken oder Abdomen gleichmäßig (derzeit nicht im Einsatz am LMU Klinikum München).
Andere Verfahren wie Ganzkörper- oder interstitielle Hyperthermie sind experimentell und werden hier nicht angeboten.
Am LMU Klinikum München wird Hyperthermie bei bestimmten Tumorarten eingesetzt, etwa bei:
- Weichteilsarkomen (Binde- und Muskelgewebekrebs)
- Rektumkarzinomen (Enddarmkrebs)
- Brustwandrezidiven von Mammakarzinomen
- Oberflächlichen Melanomen (Hautkrebs)
Für jede Erkrankung wird geprüft, ob eine kombinierte Hyperthermie sinnvoll ist. Dabei folgen wir aktuellen Leitlinien (ESMO, NCCN) und wissenschaftlich bestätigten Studien.
Die European Society for Clinical Oncology (ESHO) und die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Hyperthermie (IAH) als Organ der Deutschen Krebsgesellschaft haben die Qualitätsrichtlinien für den Einsatz der Regionalen Hyperthermie definiert. Maßgeblich für die Qualitätsrichtlinien ist, dass die verwendeten Systeme in der Lage sind, auch tiefliegende Tumoren zu erwärmen. Wir empfehlen daher dringend, sich nach der Einhaltung der ESHO-Qualitätsrichtlinien vor Beginn einer Hyperthermiebehandlung zu erkundigen.
Qualitätsrichtlinien für die Durchführung einer Hyperthermiebehandlung
1. Kombinationstherapie: die Hyperthermiewirkung ist nur in Kombination mit Radiotherapie oder Chemotherapie nachgewiesen.
2. Festlegung des Zielgebietes anhand CT- oder MRT-Bildgebung, um eine Fokussierung des elektromagnetischen Feldes auf dem Tumor vornehmen zu können.
3. Mechanische Patientenlagerung: Es muß eine genaue Angabe im Rahmen der Therapieeinstellung über die Positionierung des Patienten im Applikator bzw. eine genaue Angabe über die Positionierung des Applikators auf dem Patientenkörper gemacht werden.
4. Behandlungsplanung zur Optimierung des Bestrahlungsfeldes anhand von Phantommessungen.
5. Aufgrund der unterschiedlichen physikalischen Materialeigenschaften des den Tumor umgebenden Gewebes (Knochen, Fett, Muskelgewebe) und der Blutversorgung, ist die im Tumor erzielte Temperatur von den anatomischen Gegebenheiten der Tumorlage abhängig. Außerdem kann unerwünschte Erwärmung an den Grenzflächen zum Tumor (Hot spots) entstehen. Deshalb ist eine Behandlungsplanung vor der Therapiedurchführung bei ungünstiger Tumorlage empfehlenswert.
6. Durchführung der Temperaturmessung anhand von Temperaturmesssonden intratumoral, falls dies medizinisch bei eingeschränktem Risiko möglich ist oder paratumoral, in unmittelbarer Nähe des Zielgebietes. Bei der intratumoralen Temperaturmessung muss die Position der Tumorkatheter im Tumor anhand von bildgebenden Systemen überprüft werden.
7. Die Temperaturmessung muss mindestens minütlich stattfinden.
8. Dokumentation der durchgeführten Hyperthermiebehandlungen: Therapiebeginn, Therapieende, gemessene Patientenparameter wie Blutdruck, Herzfrequenz, Blutdruck, verabreichte Medikamente
9. Durchführung der Behandlung durch einen Ingenieur oder Physiker. Ebenso kann eine MTA unter Aufsicht eines Ingenieurs oder Physikers die Behandlung durchführen.
Wie gut wirkt die Methode?
In einer großen klinischen Studie konnte gezeigt werden, dass die Kombination aus Chemotherapie und Hyperthermie bei Weichteilsarkomen das krankheitsfreie Überleben verlängert. Auch bei Brust- und Hauttumoren führte die Kombination mit Strahlentherapie in Studien zu höheren Heilungsraten und besseren Ansprechraten – bei meist milderen Nebenwirkungen.
Wie oft wird behandelt?
Je nach Tumorart sind mehrere Behandlungen notwendig.
- Bei Weichteilsarkomen: etwa 16 Sitzungen (zwei pro Chemotherapiezyklus).
- Bei Brustwandrezidiven: ca. 12 Sitzungen.
Jede Behandlung dauert inklusive Vorbereitung rund 90 Minuten.
Übernimmt meine Krankenkasse die Kosten?
Ja – für bestimmte Tumorerkrankungen übernehmen Krankenkassen die Kosten, wenn die Behandlung in Zentren erfolgt, die nach den Qualitätsrichtlinien der ESHO (European Society for Hyperthermic Oncology) arbeiten. In Bayern betrifft das:
- LMU Klinikum München, Campus Großhadern
- Klinik Bad Trissl – Onkologisches Kompetenzzentrum Oberaudorf
Wie sichere ich die Behandlungsqualität ab?
Das Kompetenzzentrum arbeitet nach den Qualitätsrichtlinien der ESHO und sorgt bayernweit für eine einheitliche Durchführung. Alle Therapien werden dokumentiert und unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt. Patientensicherheit und Wirksamkeit stehen an erster Stelle.
Die Behandlung erfolgt im Kompetenzzentrum Hyperthermie unter Leitung von Prof. Dr. med. Lars Lindner.
Sekretariat
Jeanny Lang
Videos zur Hyperthermie auf dem YouTube-Kanal des LMU Klinikums München
Prof. Michael von Bergwelt, Direktor der Medizinischen Klinik III, erklärt die Kombination aus Überwärmung von Tumoren und Chemotherapie und wie diese den Behandlungserfolg bei Patienten mit Weichteilsarkomen verbessert.
Die regionale Überwärmung von Tumoren im Temperaturbereich von 40°- 43° Celsius in Kombination mit einer prä- und postoperativen Chemotherapie verbessert im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie das Langzeitüberleben von Patienten mit bösartigen Weichgewebstumoren (Weichteilsarkome)
Netzwerk und Kooperation
LMU Klinikum, Campus Großhadern
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Dipl.-Ing. Sultan Abdel-Rahman