News | 22.12.2025

Hochdotierte Förderung für Prof. Stöcklein - ERC Consolidator Grant

Professorin Sophia Stöcklein ausgezeichnet. Mit der Auszeichnung fördert der Europäische Forschungsrat (ERC) exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit bis zu zwei Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren dabei, ihre innovative Forschung weiter auszubauen und zu konsolidieren.
Prof. Sophia Stöcklein ist Radiologin und Neurowissenschaftlerin am LMU Klinikum und will mit ihrem ERC-Consolidator-Projekt CONNECT (Cutting-Edge Neuroimaging for Functional Brain Network Evaluation in Cancer Patients) die sogenannte funktionelle Konnektivitäts-MRT als klinisch einsetzbaren Technologie für die Anwendung in der Krebsdiagnostik etablieren. Bösartige Hirntumoren integrieren sich in neuronalen Netzwerke und nutzen deren Aktivität für ihr Wachstum. Diese Prozesse bleiben jedoch in gängigen MRT-Aufnahmen unsichtbar. Aus CONNECT sollen KI-gestützte Werkzeuge hervorgehen, die Netzwerkveränderungen frühzeitig erkennen und so Hinweise auf Tumorprogression oder das Auftreten von Hirnmetastasen liefern. „CONNECT soll die Kommunikation zwischen Tumor und Gehirn sichtbar und damit für Diagnostik und Therapie nutzbar machen“, sagt Stoecklein.

Prof. Sophia Stöcklein ist Radiologin und Neurowissenschaftlerin an der Klinik und Poliklinik für Radiologie am LMU Klinikum. Das Hauptziel ihrer Forschungsarbeit ist die Entwicklung und Validierung von Biomarkern auf Basis der funktionellen Magnetresonanztomographie (MRT), die personalisierte Diagnose- und Behandlungsstrategien für Menschen mit neurologischen Erkrankungen ermöglichen.

Die neurowissenschaftliche Tumorforschung hat gezeigt, dass bösartige Hirntumoren wie das Glioblastom nicht isoliert wachsen, sondern weit über die sichtbare Läsion in hirnweite neuronale Schaltkreise eingreifen. Sie bilden synaptische Verbindungen zu Nervenzellen und nutzen deren Aktivität, um ihr Wachstum zu fördern. Diese Netzwerkprozesse beeinflussen den Krankheitsverlauf maßgeblich.

Bislang gibt es jedoch kein Bildgebungsverfahren, das diese Erkenntnisse in die klinische Praxis übersetzt. Mit ihrem ERC-Consolidator-Projekt CONNECT (Cutting-Edge Neuroimaging for Functional Brain Network Evaluation in Cancer Patients) will Sophia Stöcklein die sogenannte funktionelle Konnektivitäts-MRT als quantitatives Bildgebungsverfahren für die Anwendung in der Krebsdiagnostik etablieren.

Im Zuge des Projekts wird eine umfassende Referenzdatenbank aus tausenden MRT-Datensätzen aufgebaut. Darauf basierend wird ein KI-gestütztes Verfahren entwickelt, das Abweichungen in den Hirnnetzwerken einzelner Patientinnen und Patienten erkennt, kartiert und quantifiziert. Ergänzend untersucht das Team, welche biologischen Mechanismen hinter diesen Auffälligkeiten stehen – etwa durch die Analyse von Faserbahnen und molekularer Signaturen aus gezielt entnommenen Tumorproben. In zwei klinischen Kohorten wird schließlich das klinische Potenzial des Verfahrens aufzeigt.

Da Netzwerkveränderungen oft auftreten, bevor ein Tumor sichtbar wächst, könnte CONNECT helfen, Progress oder Metastasenbildung früher zu erkennen. Zudem lassen sich Regionen identifizieren, in denen die Interaktion zwischen Tumor und Gehirn besonders stark ausgeprägt ist – ein möglicher Ansatzpunkt für künftige präzisere und netzwerkorientierte Therapien.

„Wir konzentrieren uns oft auf das, was wir sehen können – dabei passiert Entscheidendes im Unsichtbaren. CONNECT soll die Kommunikation zwischen Tumor und Gehirn sichtbar und damit für Diagnostik und Therapie nutzbar machen,“ sagt Stoecklein. „Unser Bildgebungsansatz lässt sich möglicherweise auf weitere Netzwerkerkrankungen des Gehirns, wie die Alzheimer-Demenz, ausweiten.“