Prospektive Längsschnittstudie zu Depressionen im Kindes- und Jugendalter

Deutsch:

Die Depression ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung, die ihren Beginn häufig im Jugendalter hat und zu den häufigsten psychischen Störungen in diesem Altersbereich gehört. Die Erkrankung weist eine hohe Rückfallwahrscheinlichkeit auf und wird durch ein komplexes Zusammenspiel aus einer biologischen Diathese sowie belastenden Lebensereignissen und Umgebungsfaktoren verursacht. Bisher ist vor allem für das Kindes- und Jugendalter noch unzureichend geklärt, welche Faktoren dazu beitragen, dass bestimmte Personen eine oder mehrere depressive Episoden in ihrem Leben durchlaufen.

Bei der Entstehung von depressiven Erkrankungen ist nachgewiesen, dass Umwelteinflüsse mit der genetischen Prädisposition interagieren. Die genetische Prädisposition moderiert die Auswirkung von Umwelteinflüssen, aber auch Life-Events können durch epigenetische Veränderungen Einfluss auf die Vulnerabilität nehmen. Bei den meisten aktuellen Studien zur Genetik bzw. Epigenetik der Depression handelt es sich um Fall-Kontroll-Studien oder um Studien zu epigenetischen Veränderungen vor und nach medikamentöser Behandlung.

Insbesondere fehlen Studien zum Verlauf der Depression bei Kindern und Jugendlichen, die neben klinischen und demographischen auch genetische und epigenetische Einflussfaktoren auf den Verlauf untersuchen.

Bislang gibt es auch noch keine Verlaufsstudien, die epigenetische Veränderungen nach einem konstanten, mehrjährigen Intervall nach einer depressiven Episode untersucht haben. Durch eine erneute Erhebung epigenetischer Korrelate kann untersucht werden, wie lange die Auffälligkeiten, die bei akut depressiv erkrankten PatientInnen in der Epigenetik zu finden sind noch persistieren und ob diese reversibel sind.

Somit sind Ziele des Projekts (1) zu untersuchen, welche klinischen und demographischen Faktoren, Umweltvariablen sowie (epi-)genetischen Faktoren den Verlauf der Depression im Kindes- und Jugendalter beeinflussen (2) epigenetische Veränderungen jährlich über einen Zeitraum von 5 Jahren in einer Stichprobe ehemals depressiver Kinder und Jugendlicher zu erfassen. 

English:

    Major depression (MD) is a severe mental disorder often beginning in adolescence. The illness is one of the most prevalent disorders in this age group and has a high recurrence rate. MD is caused by a complex interplay between biological vulnerability, negative life events and environmental stressors. So far, it has not been thoroughly examined in children and adolescents which factors contribute to the fact that some people experience only one depressive episode and others develop several depressive episodes in their lifetime.

    The development of MD is caused by an interplay of environmental factors and a genetic predisposition. The genetic predisposition moderates the impact of environmental factors. However, life events and epigenetic changes can also impact on the vulnerability for developing depression. Most existing studies are case-control studies or studies on epigenetic changes due to psychiatric medication. Particularly studies that investigate the influence of (epi-) genetic factors as well as clinical and demographic factors on the course of the depression in childhood and adolescence are missing.

    So far, there are no longitudinal studies examining epigenetic changes annually over a prolonged time period after the illness. Such an approach would allow to investigate the persistence and reversibility of epigenetic factors in youth depression.

    Thus, the aim of this longitudinal study is to examine (1) which clinical, demographic, (epi-) genetic factors and life events have an influence on the course of depression (2) to assess epigenetic changes annually over a time period of 5 years in formerly depressed children and adolescents.